Fünf Tage, vier Länder, drei Hauptstädte. Ich war mal wieder im Urlaub, habe Afrika auf Schienen durchquert, die Victoria-Fälle besucht und Grenzerfahrungen in verschiedener Hinsicht gemacht. Und zurzeit halte ich mich illegal in Malawi auf.
Dienstag war malawischer Nationalfeiertag. Und da Paraden zurzeit sowieso immer gestoppt werden, weil sie als Forum für Homosexuellen-Aktivisten dienen könnten, gab es nicht groß was zu verpassen. Also habe ich mir Montag und Mittwoch frei genommen und bin mit einem Freiwilligen aus Lilongwe für fünf Tage zu den Victoria-Fällen aufgebrochen.
Von Lilongwe nach Lusaka
Schon am Freitagnachmittag habe ich mich auf den Weg von Blantyre nach Lilongwe begeben, sodass wir von dort, der ersten Hauptstadt auf unserer Reise, früh einen Minibus ins malawisch-sambische Grenzgebiet erwischen konnten. Mit nur drei Anschlussbussen haben wir nachts um 21 Uhr Lusaka erreicht und unterwegs in einer lokalen Bar sogar die letzten drei Minuten vom fulminanten Sieg der deutschen Fußballer über die Argentinier gesehen. Da kam uns das Tor in der vorletzten Minute gerade recht :-)
Das 4:0 hat Deutschland übrigens auch hier in Afrika viel Ruhm eingebracht; es war das Gesprächthema schlecht hin, sobald wir unsere Nationalität bekannt gaben. Der Grenzbeamte in Simbabwe meinte sogar, wir hätten ihm durch unseren Übertritt in sein Land den Tag gerettet :-D

Blick auf die Victoria-Fälle von der Brücke im sambisch-simbabwischen Grenzgebiet
Die Victoria-Fälle
Die Weiterreise nach Livingstone verlief schnell und ereignislos, sodass wir die Victoriafälle schon am Sonntag bewundern konnten. Mit einer Breite von über 1.700m stellen die den „breitesten einheitlich herabstürzenden Wasserfall der Erde“ dar. Zu Hochwasser stürzen bis zu 10.000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde aus dem Sambesi 110 Meter in die Tiefe. Leider hat mich dieser Umstand daran gehindert, ausgiebig Bilder zu schießen. Lediglich ein kleiner Teil der Nebenfälle ist auf den Bildern zu sehen, denn der Sprühnebel durchnässt einem selbst Regenschutzkleidung, da hat die Kamera erst recht keine Chance.
Warum wir 100 Euro bezahlen, um uns von einer Brücke stoßen zu lassen

111 Meter freier Fall in die Tiefe...
Die Fälle liegen im Grenzgebiet zwischen Sambia und Simbabwe. Eine große Brücke, die Victoria Falls Bridge, verbindet die beiden Seiten, die sich jeweils zu einer Seite des Sambesi-Tals befinden. Und von dieser Brücke kann man Bungee springen. Mit 111 Metern Fallhöhe ist das sogar der höchste kommerzielle Brückensprung der Welt. Vier Sekunden dauert der erste freie Fall und man kann sagen, es macht schon enorm Spaß :-) Leider hindert einen der Preis von umgerechnet fast 100 Euro daran, mehrmals zu springen...
Im Nachtzug durch Afrika
Nach dem Besuch der Fälle und dem Bungee-Sprung sind wir gar nicht wieder nach Sambia zurück-, sondern nach Simbabwe weitergereist. Am gleichen Abend fuhr dort nämlich unser Nachtzug zum 350km entfernten Bulawayo. Wir haben zum Glück noch eines der letzten Schlafabteile in der zweiten Klasse ergattern können und uns auf eine zwölfstündige Zugreise vorbereitet. Entgegen unseren Erwartungen haben wir Victoria Falls Town auch pünktlich um 19 Uhr verlassen, auf dem Weg zum Zielort aber fünf Stunden Verspätung eingefahren. Daher war unser Anschluss nach Harare, der Hauptstadt Simbabwes, auch einer der letzten abfahrenden, somit kamen wir abermals nachts in einer uns unbekannten Großstadt an.
Ein paar Eindrücke dieser Fahrt sind geblieben: Auf der 450km langen Strecke von Bulawayo nach Harare gibt es 21 Straßensperren der Polizei. Die gibt es in Malawi zwar auch, aber die simbabwischen Polizisten mussten sich jedes Mal vom Fahrer des Minibusses bestechen lassen, damit wir weiterfahren konnten, ohne bei jeder Sperre eine Stunde Komplettdurchsuchung über uns ergehen zu lassen. Die Bestechung scheint hier ein ganz normaler Bestandteil des Reisens und gesellschaftlich akzeptiert zu sein. Zumindest hat sich außer uns kein anderer Fahrgast daran gestört.
Angenehm war die Fahrt trotz Bestechung bei Verkehrskontrollen nicht. Neben mir saß eine Frau mit Kleinkind auf dem Schoß, das sich schon nach den ersten Kilometern heftig übergeben musste. Ich hatte zwar nur mit den geruchlichen Konsequenzen zu leben und habe im Gegensatz zu den Passagieren weiter vorne einen trockenen Nacken behalten. Eine angenehme Reise verläuft aber dennoch anders...
Zum Album „Victoria Falls“ (43 Fotos)
Illegal in Malawi
Grenzerfahrungen in ganz anderer Hinsicht haben wir auf dem Weg von Harare nach Blantyre gemacht. Nicht nur das wir insgesamt elf Mal das Verkehrsmittel wechseln mussten, auch die Grenzübertritte nach Mosambik bzw. Malawi stellten sich als nicht ganz so einfach wie gedacht heraus. Mein Transit-Visum für Malawis Nachbarstaat Mosambik hatte ich zum Glück bereits vorher im Konsulat gekauft. Daher dauerte die Bürokratie bei mir nur eine halbe Stunde. Mein Mitreisender hatte da weniger Glück. Der zuständige Beamte war zu ihm nicht nur äußerst unfreundlich, sondern hat ihn auch noch um fünf US-Dollar gebracht, als er auf die Frage nach Rückgeld behauptete, das Geld passend erhalten zu haben.
Das ganze Prozedere hat uns zwei Stunden zurückgeworfen, sodass wir den mosambikanisch-malawischen Grenzposten bei Nacht erreichten. Der war natürlich bereits geschlossen, die Grenze konnte aber einfach passiert werden. So sind wir illegal aus Mosambik ausgereist, haben sogar mit einem Taxi die zwei Kilometer Niemandsland durchquert und sind schließlich ebenfalls illegal über die Schranke nach Malawi geklettert. So ganz verboten ist das wohl auch nicht, zumindest hat uns ein malawischer Polizist dazu geraten einfach weiterzugehen, denn das Grenzgebiet sei kein sicherer Ort. Der Offizier im Immigration Office in Blantyre war zwar nicht sehr erfreut, meinte aber, dass wir wegen der fehlenden Stempel zumindest von malawischer Seite keine Probleme bekommen sollten. Dann darf ich eben nicht mehr so schnell nach Mosambik :-P
Die Bewunderung für die deutsche Nationalelf hat sich übrigens am Mittwochabend gelegt. Vom Spiel selber haben wir nur die letzten zwanzig Minuten auf einem Pick-Up sitzend im Radio verfolgt. Das ist Afrika.
Malawi, Sambia, Simbabwe, Mosambik

Der Bahnhof in Bulawayo (Simbabwe)
Schon beim Reisen auf der Straße fallen einem deutliche Unterschiede zwischen den beiden Ländern Malawi und Sambia auf. Die auf dem Land verbreiteten Lehmhütten sind in Sambia größer und besser befestigt. Die Dörfer bestehen aus ein- bis zweihundert Häusern, das ist vier- bis achtmal mehr als in Malawi. Die Menschen tragen neuere Kleidung, die Straßen sind besser ausgebaut. Der Eindruck, dass Sambia das insgesamt wohlhabendere von beiden Ländern ist, bestätigt sich insbesondere im Vergleich der beiden Hauptstädte, hat Lusaka doch beispielsweise eine richtige Skyline, deutlich mehr Hochhäuser und sogar ein Ampelsystem aufzuweisen. Selbstverständlich sagt all das noch nichts über den Wohlstand der Allgemeinbevölkerung aus, den kann ich aufgrund meines kurzen Besuchs auf keinen Fall beurteilen.
Ähnlich ist die Situation in Simbabwe. Die Hauptstadt Harare übertrifft Lusaka sogar, was die Modernität und Größe der Gebäude angeht, wobei Malawi in puncto Friedlichkeit einige Nasenlängen voraus ist.
Die mosambikanische Stadt Tete ist die einzige Großstadt, die wir bei der Durchfahrt gesehen haben. Fastfood-Ketten und große Schaufenster reihen sich auch hier aneinander; dennoch leben viele Menschen, auch Kinder, auf der Straße.