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Ein Jahr "weltwärts" mit dem DED auf den Philippinen.MokoFeed2010-07-31T02:53:41+02:00
Aktualisiert: vor 2 Stunden 27 Minuten

Traurige Fakten

Mi, 07/07/2010 - 04:46

Manara hat eine Einwohnerzahl von ca. 250 Menschen, die sich auf ungefähr 50 Haushalte aufteilen. Man sieht also das die durchschnittliche Familie drei Kinder hat. Das Dorf ist keineswegs alt, eigentlich handelt es sich um eine künstliche Siedlung aus dem Jahr 1984. Bis dahin hatten die Ata mehr oder weniger ein nomadisches Leben geführt und zogen, sehr zur Verärgerung lokaler Politiker, von Ort zu Ort. Im besagten Jahr aber beschloss eine einflussreiche Politikerin namens Rowena Guanson dem ein Ende zu machen. Den Ata und ihren Familien wurde befohlen von nun an in besagtem hügligem Gebiet in der Nähe von Dian-ay zu siedeln, ein Land von insgesamt 60 Hektar würde ihnen dafür "großzügigerweise" zur Verfügung gestellt werden. Tatsache ist, dass von diesen 60 Hektarn, nur noch ein Bruchteil wirklich im Besitz der Ata ist. Aus existentieller Not heraus und nicht an Eigentum gewohnt, verkauften viele gleich zu Beginn für einen Spottpreis ihr Land an Einheimische, die sich diese Chance natürlich nicht entgehen ließen. Ein weiterer Grund ist, dass militante Gruppierungen wie die Revolutionary Proletarian Army (RPA), Teile des Lands einfach an sich gerissen haben. Diese Situation ist auf den Philippinen nicht Ungewöhnliches, in vielen Fällen wurde die Unwissenheit der Natives schamlos ausgenutzt. Es gibt nun seit einigen Jahren ein Gesetz das allen Ureinwohnern ihr von Alters her zustehendes Land (sog. Ancestoral Domain) garantieren soll und auch von Staatsseite protegiert wird. Zumindest in der Theorie. Tatsächlich hat sich an der Lage zumindest in Manara bisher nichts geändert , was wohl einfach daran liegt, dass es einflussreiche Landlords gibt, die ein Einschreiten der Politik durch kleine Überzeugungszahlungen verhindern. Das Land ist aber nur der Anfang von den Problemen in Manara.

Als gravierenstes Faktum könnte man das Fehlen einer gesicherten Wasserversorgung nennen. Die einzige Quelle für halbwegs trinkbares Wasser liegt, wie im letzten Blog beschrieben, 100 Meter unterhalb des Dorfes. Das Tragen des Wassers ist unglaublich mühsam und so wird nur das wirklich notwendigste transportiert. Das wiederum führt dazu, dass Hygiene nicht gerade groß geschrieben wird und Durchfallerkrankungen bei Kindern überdurchschnittlich häufig auftreten. Noch schlimmer ist allerdings, dass die Abgelgenheit des Wassers auch eine Bewirtschaftung der Felder geradezu verunmöglicht. Familien haben bestenfalls größere Hintergärten, etwas abseits des Dorfs liegt ein vollkommen vertrocknetes Reisfeld. Das führt zwangsläufig dazu, dass die Ernährung gerade in der Trockenzeit mehr als unzureichend ist. Als trauriger Beleg dafür steht eine Messung des Body Mass Index bei Kindern unter fünf Jahren. Von 100 Kindern waren 100 unterernährt, eine Marke die bei weitem nicht von den anderen Barangays erreicht wird, in denen wir Messungen durchgeführt hatten. Umso mehr war ich erstaunt, wie die Kinder trotz allem so fröhlich und aktiv sein konnten. Jedoch sieht ein Besucher immer nur eine Seite der Medaille. Viele der Kinder sind zu schwach um den fünf Kilometer langen Weg zur nächsten Grundschule zu gehen, und bleiben deshalb zu Hause. Das Wasserproblem in der Griff zu bekommen, wäre nicht sonderlich schwierig, wenn man einfach eine Leitung, von einer höher gelegenen Waldquelle legen würde. Bei einem Besuch im zuständigen Regierungsbüro in der Provinzstadt Cadiz sagte man uns sogar, dass eine solche Leitung bereits einmal bestanden habe, dann aber auf mysteriöse Weise verschwunden sei. Die Schuld wurde den Ata zugeschoben: Sie hätten Teile des Tanks und der Leitung des nachts gestohlen und dann gewinnbringend am Markt verkauft. Wir schlugen der zuständigen Abteilungsleiterin eindringlich vor, die Leitung zu erneuern. Sie erwiderte aber nur, dass dieser Plan längst stehe und bald umgesetzt werden würde. Bis heute (vier Monate später) ist in dieser Hinsicht nichts weiter geschehen.

Die Geschichte Manaras ist verworren und voller Merkwürigkeiten. Das Dorf ist ein konstantes Ziel fragwürdiger Besucher aus dem In-und Ausland (vielleicht sollte ich mich auch selbst dazu zählen). Da wäre zum Beispiel eine amerikanische Anthropologie-Organisation, die den Spuren der Ursprungsmenschen folgt. Die Leute kamen irgendwann in den 1990ern und waren brennend an dem Blut der Dorfältesten interessiert. Sie feilschten ein wenig und kauften ihr schließlich einen Liter ab. Die Bezahlung bestand aus einem Sack Reis. Die Leute wurden über nichts informiert, auch nicht über die Risiken einer Blutspende in hohem Alter. Die Frau verfiel schnell und starb innerhalb weniger Wochen. Die Anthropologen waren bereits über alle Berge.

Wie könnte es auch anders sein, haben bereits verschiedenste Sekten Manara den Hof gemacht. Das Resultat ist nicht nur der grüne Betonklotz in der Dorfmitte sondern noch zwei weitere Kirchen. Alles in allem führt es zu dem unglaublichen Absurdum, dass in einem 250 Seelen Dorf, vier verschiedene Konfessionen vertreten sind. Das geht von Baptisten, über merkwürdige koreanische Missionskirchen, bis zu dem schon vor Jahrzehnten eingeführten Katholizismus. Insgesamt belegen die Geburtsurkunden recht eindrucksvoll den Wandel. Waren 1990 noch sämtliche Einwohner Manaras katholisch getauft worden, sind mittlerweile fast alle zu einer der drei neuen Grupprieungen konvertiert (worden). Für sie selbst scheint das aber nichts merkwürdiges zu sein und so werden sonntags auch drei verschiedene Messen in drei verschiedenen "Kirchen" gefeiert.

Ich habe ja schon erwähnt, dass die Sprache der Ata Ilonggo ist. Eigentlich aber ist auch das nur etwas von den "Lowland" Philippinos Adaptiertes. In Manara sprechen nur noch wenige Leute die ursprüngliche Sprache Ata. Eine von ihnen ist Nang Mariting, mit der ich schon ein wenig besser kommunizieren konnte, da sie auch Cebuano spricht. Sie gibt den Kindern Manaras jeden Sonntag eine Stunde Sprachunterricht. Deren Interesse an der Tradtition kann aber eher als bescheiden bezeihnet werden. Als wir mit ihr eines Nachts sprachen, um eine kleine Vokabelliste zusammen zu stellen, saß auch ein 15-jähriger Junge dabei, der bei jedem Wort Ata lachen musste. Als wir ihn fragten warum, sagte er, dass es einfach unnatürlich klinge. Wahrnehmung ist in der Tat etwas sehr subjektives. Natürlich ist es schön, die Tradition zu bewahren, die Sprache ist schließlich der einzige Teil der noch von der Kultur erhalten geblieben ist. Aber wie will man das Jugendlichen erklären, die lieber in der Stadt leben würden, wo sie vielleicht zumindest ihr gesichertes tägliches Brot hätten.

Die Frage ist natürlich was wir als Fremde ausrichten konnten und unsere Überzeugung war, dass man zumindest die dringensten Nöte mildern kann. Da es ein Feeding Programm gibt, bei dem angereicherter Reis als kurzfristige Hilfe verteilt wird, wollten wir davon das nächste Mal ein paar Kartons nach Manara mitnehmen. Desweiteren wollten wir auch wieder Ernährungs -und Gesundheitsunterricht geben. Für eine vitaminreichere Ernährung hatte ich von der Stadt verschiedenste Samen besorgt, die wir an jeden Haushalt verteilen wollten und die sie dann im Hintergarten anbauen konnten. In einem Nebenraum unseres Büros fand sich auch noch ein Sack Altkleider, den wir dann verteilen wollten. Durch die hohe Lage, sind die Nächte in Manara empfindlich kühl und die Kinder sind fast alle von chronischen Erkältungen geplagt, die aus einem Mangel an warmer Kleidung resultieren. Weitere Ideen waren, natürliche Produkte zu vermarkten, die die Ata herstellten. Das waren zum Beispiel kleine Beutel, Besen oder Matten aus Gräsern.

Als ich jedoch das nächste Mal in Manara war, wurde ich gleich am zweiten Tag krank und musste mit Dengue-Fieber ins Krankenhaus in San Carlos eingeliefert werden. Meine Motivation zurückzukehren war danach eher gering, zu schwer war doch die Kommunikation und das Risiko krank zu werden doch ziemlich hoch.

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Kinder, überall sind Kinder

Mi, 06/23/2010 - 11:47

Fern von aller Technik wird die Natur wieder zur inneren Uhr. Genauso wie ich in Manara bereits am ersten Tag um halb neun im Bett lag, konnte ich spätestens um 6 Uhr morgens nicht länger schlafen und machte mich auf die Beine. Es wäre ohnehin nicht möglich gewesen, denn draußen lärmten Kinder und tollten umher, so dass an Schlaf nicht weiter zu denken war. Meine Kollegin war schon längst wach und hatte bereits ihre Morgengebete gesprochen, die Teil ihres Lebens als Ordensschwester sind. Jetzt galt es zu frühstücken. Die erste Herausforderung stellte dabei das Trinkwasser da, wir hatten etwas in Flaschen abgefüllt mitgenommen, doch das ging bereits zur Neige. Um die Lage etwas zu koordinieren bat Sister Marivic ein paar Kinder, die Dorfälteste zu holen. Sie kam auch bald und schon konnten wir einige nützliche Informationen einholen. Wasser gab es entweder in einer kleinen Lehmrinne, die sich nachts mit Tauwasser füllte, aber selbst von den Stammesmitgliedern nur als Brauchwasserreservoir genutzt wurde. Die andere Möglichkeit war eine kleine Quelle unterhalb des Dorfes. Es hieß sie sei nah, was aber immer noch eine Höhendifferenz von gut 100 Metern bedeutete. Fortan hieß es dann jeden Morgen mit einem Kanister den glitschigen Pfad hinuterzusteigen und Wasser zu holen. Um zur Quelle zu gelangen musste man erst einen kleinen Bach überqueren. Beim Rückweg war das jedes Mal ein Balanceakt, der auch zweimal scheiterte, so dass ich samt meiner 15 Liter Wasser hineinfiel. Ich fand die ganze Prozedur des Wasserholens unheimlich anstrengend und bedauerte die Menschen im Dorf, denn für sie war es Tag ein, Tag aus dieselbe, sogar vielfache Anstrengung für je nach Familie 6-8 Personen. Mit dem gewonnen Wasser wurde nun also sowohl gekocht als auch geduscht. Bevor wir es Trinkwasser verwendeten, kochten wir es ab.

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Die Quelle unseres Trinkwassers

Nach dem Frühstück wollte ich mich zunächst einmal im Dorf umschauen. Es bestand aus den Hütten der Leute, einem großen Platz mit Basketballkörben, der koreanischen Missionskirche und zwei weiteren Gebäuden, die ich nicht identifizieren konnte. Während ich so umher schlenderte wurde ich von allen Seiten von den auf einen Schlag ruhig gewordenen Kindern angestarrt. Drehte ich mich zu einem um, lief es sofort weg. Sprach ich eines auf Cebuano an, lachte es nur verschämt und suchte dann ebenfalls das Weite.Irgendwann setzte ich mich vor das Day-Care Center und wartete einfach nur ab. Zuerst geschah nichts, dann aber sammelten sich langsam die Kinder hinter mir, setzten sich und starrten mir alle in den Rücken. Ich drehte mich um – sie blickten weg. Dann begann ich ein Lied zu singen. Ich versuchte es mit „Let it be“ von den Beatles. Sie blickten her, hörten gebannt zu und nach der zweiten Strophe stimmten sie erst verhalten, dann aber immer kräftiger mit in den Kanon ein. Es war eine abstruse Situation: Mitten in den Bergen Negros, fünf Stunden entfernt von der nächsten größeren Stadt, in einem Dorf in dem vielleicht noch nie ein Wort Englisch gesprochen wurde, erklangen 30 fröhliche Kinderstimmen, die forderten, es einfach geschehen zu lassen und alles nicht so ernst zu nehmen. Kurzum: die Welt mit Kinderaugen zu betrachten – wenn sie nur gewusst hätten, was sie da sangen! Irgendwie löste das die Spannung und die Kinder bombardierten mich mit Fragen: „Sir, ano panghalan mo?“, „Sir, ano obra mo?“, Sir, Sir, Sir?! Warum nannten sie mich so? Ich verstand damals wirklich nichts bis auf die Anrede. Alles was ich sagte, oder besser, wie ein Mantra wiederholte, war: „Dili koy Sir! Dili koy Sir!“ - „Ich bin kein Sir! Ich bin kein Sir!“ Irgendwie kamen wir dann allmählich zu dem Kompromiss, dass ich, da ich so viel älter als sie war, zumindest einen „Tiyo“, also Onkel für sie darstellte. Es dauerte noch ein bisschen, bis sich die Anrede durchsetzte, oft wurde ich weiterhin als Sir angerufen, gegen Ende aber bürgerte sich der Onkel ein. Wann auch immer ich durch das Dorf zog, rief man mir nach: „Warte, Onkel Stephan!“, „Wo gehst du hin, Onkel Stephan?“, „Lass uns etwas spielen, Onkel Stephan!“. Man darf jetzt nicht annehmen, dass das hieß, dass ich viel verstanden hätte. Lediglich die Grundbegriffe wie „kommen“, „gehen“, „heißen“, etc. sind in Cebuano und Ilonggo die selben, so dass immerhin eine Unterhaltung über die elementarsten Themen möglich ist. Alles weitere wurde aber bereits zu einer Art babylonischem Sprach-Irrgarten für mich. Da war ein Wort dasselbe wie in Cebuano, dann wieder irgend etwas anderes, dann entliehene und veränderte Begriffe aus dem Spanischen, schlicht die totale Verwirrung. Alles in allem beschränkte ich mich meist auf den non-verbalen Umgang mit den Kindern.
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Ein erstes Bild mit den wie verwandelten Kindern

Ein kleiner Junge, vielleicht 4 Jahre alt, kraxelte leichtfüßig und einen 15 Meter hohen Baum und winkte mich ebenfalls hoch. Ich versuchte es, musste jedoch an der Hälfte aufgeben, da mir das Geäst doch arg instabil vorkam. Dafür hingen am ganzen Baum Früchte, die so aussahen wie grüne Bohnen. Ich pflückte ein paar und warf sie spaßeshalber in die Menge der unten verbliebenen Kinder. Das verstanden sie als Zeichen zum Angriff und eine wilde Bohnenschlacht begann. Am Ende hieß es alle gegen einen und der Beschuss mit überaus harten Hülsen auf mich wollte gar nicht mehr aufhören. Die Kinder schrien vor Freude bei jedem Treffer und völlig erschöpft musste ich mich geschlagen geben. Verzweifelt rief ich „Nadaog na mo, nadoag na mo!“ - „Ihr habt gewonnen!“. Einzig, die Kinder konnten oder wollten das nicht verstehen und warfen munter weiter. Erst als ich wie wild mit den Händen winkte ließen sie ab und ich konnte von meinem Baum hinunter.

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Christian, der Junge vom Baum

Sister Marivic war währenddessen einer etwas sinnvolleren Beschäftigung nachgegangen und hatte für 12 Uhr Mittags ein Meeting mit dem Oberhaupt des Dorfes ausgemacht. Ich fühlte mich um die Zeit bereits stark ermüdet, wollte aber dennoch dabei sein und zuhören. Das Gespräch fand natürlich auf Ilonggo statt und ich verstand dementsprechend kein Wort, gerade da es ja auch um tiefer gehende Themen zu gehen schien. Das Zuhören dieses nicht verstehbaren Gesprächs ermüdete mich noch mehr und als es beendet war, bat ich Sister Marivic mich zu entschuldigen, denn ich fühlte, dass ich etwas Schlaf bräuchte. Sie interviewte währenddessen andere Dorfbewohner, und stellte fragen über Familie, Einkommen, Ernährungs -und Gesundheitssituation. Zu meiner Müdigkeit trug glaube ich mit bei, dass alles so schrecklich abgeschieden war und man tatsächlich nicht wirklich kommunizieren konnte. Jedenfalls schlief ich an diesem Mittag erst einmal zwei Stunden lang. Als ich aufwachte waren die Kinder im Day Care Center und trommelten laut auf alten Blechdosen herum. Ursprünglich hatte ich viele Pläne gehabt. Einer davon war, einige Schulhefte und Buntstifte mitzunehmen, um mit den Kindern ein wenig zu malen und so etwas über ihre Wahrnehmung des Dorflebens herauszufinden. Ich gab also einigen Kindern ein paar Hefte und brachte es fertig ihnen mein Anliegen vorzutragen. „Malt bitte euer Haus“. Kein Kind wollte, ein jedes gab den Stift an seinen Nachbarn weiter und letztlich hatte ich ihn wieder in der Hand. Dann also ich zuerst. Ich malte unser Haus in Deutschland, probierte den Garten und die Bäume darzustellen und scheiterte wirklich in allen Belangen, so dass ich es am liebsten zerknüllt hätte. Trotz allem gefiel es den Kindern und ein Mädchen kam hervor und wollte sich auch probieren. Sie malte ein Viereck, eine Tür, zwei Fenster und gab dem ganzen dann noch ein Dach. Zu meiner großen Verwunderung begann sie Dachziegel zu malen, rote Dachziegel; wo doch hier eigentlich alles aus Stroh und Pandan-Gras bestand. Leider konnte ich ja nicht fragen weshalb, aber ich schätzte dass es einer Vorlage aus dem Unterricht im Day Care Center nachempfunden war. Und tatsächlich: da hingen Bilder von Menschen, Tieren, aber auch Gebäuden. Für alles gab es scheinbar eine Art, es richtig zu malen und später sah ich, dass sich die Bilder der Kinder in den Heften meist mit denen an der Wand deckten. Lustigerweise waren alle Bildunterschriften an der Wand auf Englisch, so wie wohl in jedem anderen Zentrum landesweit. Anscheinend machte die Regierung da keine Unterschiede, egal ob der Ort jetzt Manila oder Manara hieß.

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Kinder beim Malen

Ich bat einen Jungen, seinen Vater und seine Arbeit zu malen. Der kleine hatte Talent, er zeichnete einen detailgetreuen Menschen, der mit einer Harke das Gras unter sich bearbeitete. Darunter schrieb er „mag-uuma“ - „Farmer“. Wie ich später erfuhr war das die Arbeit aller Väter und eigentlich auch der Mütter. Eigentlich eine naive Frage, denn was sollte es auch sonst sein hier in den Bergen. Vielleicht Computertechniker oder LKW-Fahrer? Handwerksarbeiten verrichtete jede Familie selbst, dass hieß also auch, dass jeder Mann wissen musste, wie man ein Haus baut.

Die Kinder wollten raus und hatten außerdem meine Kamera entdeckt. Nur ein Bild genügte und sie waren in Feuereifer entbrannt. „Schieß noch ein Bild, Onkel“, „Noch eins“. Ich wollte etwas hinaus und die Kinder folgten mir. Da ich die Gegend noch nicht erkundet hatte, schlug ich den Weg in Richtung Berge ein, hinter mir eine lärmende Horde. Ich kam nicht weit, denn die Kinder versteckten sich hinter jedem Stein, sprangen hervor und schrien „Mach ein Bild von mir, los“. Sie nahmen die verschiedensten Posen ein und konnte nicht genug bekommen vom Blitzlichtgewitter. Sie hoben zwei Stöckchen vom Boden auf, machten ein Kreuz daraus und flochten einen kleinen Blumenkranz. Der Kreuzträger stellte sich vor mich und ich wurde gefragt ob ich dass nicht auch kenne. Es war unfassbar, ich befand mich in einer Prozession mit kleinen Kindern.

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Die Prozession...

 Scheinbar musste es so etwas öfter im Dorf gegeben haben. Die Krönung kam aber, als wir unser Ziel erreichten: einen Haufen Büffelkot in den das Kreuz gestoßen und dann mit den Blumen dekoriert wurde. Urkomisch, was für eine herrliche Bildersprache das darstellte.

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...und ihr Ziel

Der Tag ging zu Ende und ich wollte ein Spiel mit den Kindern spielen. Ich versammelte alle auf dem Basketballplatz um es ihnen zu erklären. Man kreide es mir nun nicht an, wenn ich irgendwelche Klischees damit bediene, nichts davon hat einen rassistischen Hintergrund. Das Spiel nannte ich: „Wer hat Angst vor´m weißen Mann“: Der bekannte Klassiker wurde einfach abgewandelt und ich war der Fänger. Es war wieder eine Tortur bis ich die paar Worte gefunden hatte, die ich zur Erklärung benötigte. Bis zum Ende lief das Spiel nie optimal, also regelkonform ab, oft rannten alle einfach nur planlos umher, beziehungsweise vor mir weg. Fänger und Gefangene mischten sich ganz nach Belieben, aber alle hatten trotzdem ihren Spaß. So ging der Tag zu Ende, ich verstand mich mit den Menschen, ohne sie wirklich zu verstehen.

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Kleiner Ausflug Richtung Berge

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Auf dem Weg ins Unbekannte

Di, 06/15/2010 - 10:30

Irgendetwas unter mir stank erbärmlich, ich konnte die Quelle aber nicht ausmachen, da jeder Quadratzentimeter um mich herum von anderen Mitreisenden und deren Habe eingenommen wurde. Die Reise auf einem Zuckerrohrlastwagen mutete mich am Anfang noch abenteurlich an, sollte sich aber bald als Höllenfahrt heraus stellen Für besseren Halt hatte ich mich an die Seite der Ladefläche gestellt - ein Fehler, denn es kamen immer mehr Menschen dazu, die sich schließlich alle gegen mich lehnten um selbst Halt zu finden. Das Ganze war in Ordnung, solange man nicht fuhr. Sobald es aber losging, hörten die Stöße und unfreiwilligen Rempeleien nicht mehr auf. Es ging nicht über Straßen, auch nicht über Wege sondern eigentlich nur mitten durch Felder. Wanderpfad wäre keine schlechte Umschreibung des Untergrunds gewesen und dementsprechend muss man sich auch den Fahrkomfort vorstellen. Leider konnte ich mich nicht umblicken, aber schätzungsweise mussten sich hier 100 Menschen auf kleinstem Raum zusammen gedrängt haben. Wir fuhren - 20 Minuten, eine halbe Stunde, mit viel Kraft klammerte ich mich immer wieder an die Seite, wenn ich wiederholt drohte, durch die Rücke zu Boden geschleudert zu werden. All das war sehr ermüdend und nun fing es eben auch an zu stinken. Die Frauen um mich herum sahen anscheinend meine gerümpfte Nase und lachten herzlich, während wir weiter im Schneckentempo durch die Felder pflügten. Munter riefen sie mir Wörter zu, aber alles, was ich verstehen konnte war immer wieder: "Isda, isda, isda, magbulat nga isda". Fisch, in Salz eingelegter Fisch. Das Kühleis schmelze gerade, hieß es, der Fisch sei aber weiterhin genießbar, ich solle also nicht besorgt sein. Wie schön es sich ins Bild fügte, dass die Fischtüte auf die zeitgleich gedeutet wurde, direkt neben meinem Rucksack stand und - nach genauerer Inspektion - mit ihrem herrlichen Fischwasser schon den Boden samt meiner Tasche benetzte. Ich war zu erschöpft um mich weiter aufzuregen, schloss die Augen und lehnte mich selbst gegen den nächsten Körper. Als ich sie wieder öffnete, tat mir der ganze Rumpf weh, aber scheinbar waren wir angekommen.

                          

DSC00039Der vor uns liegende Pfad nach dem Ausstieg

Es muss wohl am westlichen Grundinteresse des Exotischen liegen, dass ich mich auf diese Reise gemacht hatte. Meine Arbeitskollegin Sister Marivic hatte mich im Janauar gefragt, ob ich sie nicht auf ihr Apostolat begleiten wolle. Ihre Aufgabe sei, sich um das Wohl der indigenen Reste in der Diözese zu kümmern. Natürlich roch ich zunächst einmal Missionierung und Kircheneifer. Als sie mir jedoch das Konzept schilderte, schienen die Absichten und Vorgehensweisen ganz vernünftig zu sein. Im Groben ging es nicht um Mission, sondern um die Verbesserung der Lebenssituation der Ureinwohner, aber auch eine Untersuchung welche kulturellen Riten und Traditionen noch bestehen und wie sie erhalten werden können. Eine kleine Ethnologiestudie also, das klang gut und ich wollte es mir nicht entgehen lassen. Die Planungen liefen an. Am Rand der Diözese gab es ein kleines Bergdorf namens Dian-ay, in dessen Nähe sich ein Stamm der Ata angesiedelt hatte. Der Ort hieß Manara und wir wollten dorthin und sehen was wir tun konnten. Wir planten einen Aufenthalt für eine Woche, um zunächst eine "Volkszählung" und Interviews über die Situation im Dorf zu durchzuführen. Letztendlich sollte es bis Mitte Februar dauern, bis wir endlich los konnten.

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 Detailgetreue GPS-Karte von Manara, vor einiger Jahren erstellt von einer NGO

 

Schwer bepackt, inklusive Laptop, Kamera und weiteren technischen Errungenschaften fuhren wir nach Dian-ay, wo wir bei einem befreundeten Pater übernachteten. Am nächsten Tag machte ich kurz vor der Abfahrt meine erste Begegnung mit den Ata. Wir nahmen unser Mittagessen in einer kleinen Absteige im Dorf ein, einen Tisch weiter saß eine Gruppe Stammesangehöriger. In ihrem äußeren Erscheinungsbild unterschieden sie sich deutlich von den "anderen" Philippinos: Die Hautfarbe war viel dunkler und ihre Haare waren nicht glatt, sondern gekräuselt. Es mag merkwürdig erscheinen, aber auf den Philippinen herrscht ein ziemlich latenter Rassismus gegen alles "Schwarze". Als wir in dem kleinem Lokal aßen, saßen die Mitglieder der Ata absolut separiert und wurden nur hin und wieder von einem dubiosen beleibten Philippino vollgeschwatzt, der sie dann davon überzeugte, zwanzig Wahlplakate mit in ihr Dorf zu nehmen. Ansonsten lachten die andern Besucher der Gaststätte oft laut auf und zeigten mit Fingern auf die Ata. Als wir fertig gegessen hatten, begaben wir uns auf den LKW und die Fahrt ging los. Laut Beschreibung war die Siedlung nur 20 Kilometer weg, die grandiose Wegbeschaffenheit machte es allerdings zu einer 2,5 stündigen Angelegenheit mit besagten Eskapaden.

Je weiter man auf den Philippinen in ländliche Gegenden gelangt, desto intensiver sticht man als Weißer hervor. Das berüchtigte "Hey Joe", ein Überbleibsel der amerikanischen Besatzungszeit, hört man dabei eigentlich nie. Die Menschen sind vielmehr fassungslos über die riesenhafte Größe eines selbst, die Farbe von Haut und Haaren, und - was besonders oft bestaunt wird- die Länge der Nase. Nachdem sich die anfängliche Schüchternheit gelegt hat, indem man die Leute durch ein paar Brocken Cebuano ermuntert, wird diese auch gern angefasst. Besonders von Schwangeren, denn die hoffen durch die Berührung, dem kommendem Kleinen ein ebenso langes Riechorgan bescheren zu können. All das passierte während wir auf dem LKW unterwegs Richtung unseres Zieles waren. Das Ankunftsdörfchen mit Namen Huebesan lag noch eine gute halbe Stunde Fußmarsch von der Siedlung der Ata entfernt. Die selben Stammesangehörigen die auch in dem Lokal waren, nahmen sich nach kurzem Gespräch freundlich unserer an und stellten sich als Führer bereit. Da wir sagten, dass wir den Stamm kennen lernen wollten und sehen, woran es ihnen mangelte, waren sie gerne bereit  uns mit in ihr Dorf nehmen.Sie sprachen fließend Ilonggo, die andere große Sprache der Insel Negros. Sollte das überall in der Siedlung so sein, würde ich Probleme bekommen, denn zwischen Ilonggo und Cebuano bestehen bereits so große Unterschiede, dass man als reiner Cebuano-Sprecher einen Ilonggo nicht verstehen kann. Wir wanderten über einige Hügel, überquerten einen kleinen Bach in den ich aufgrund meines unguten Schwerpunkts (15 Kilo Rucksack) fast hineingefallen wäre und hatten schließlich eine grandiose Sicht auf zwei Berge des sogenannten Silay Massivs. Genau davor lag "unser" Dorf: Sitio Manara.

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Blick auf Manara und dahinter liegende Berge

 

Das Erste was ich von Manara sah, war ein weißes Betongebäude mit grünem Dach. Je weiter wir uns näherten, desto weniger passte dieses Bauwerk ins Bild, denn das ganze Dorf bestand aus Holzhütten mit Strohdächern. Ich fragte Sister Marivic, was das zu bedeuten hätte, sie wendete sich an einen Ata, der ihr dann erklärte, dass es sich dabei um eine Kirche koreanischer Missionare handle. Die Missionare waren längst über alle Berge, die Kirche wurde für alle möglichen Zwecke, zumeist als Spielplatz der Kinder genutzt. Später erfuhr ich auch, dass jeden Sonntag ein Gottesdienst abgehalten wird. Ich fragte mich, was wohl aus Stammesreligion und derartigem geworden sein mochte. Eine recht naive Frage, denn die unmittelbare Nachbarschaft zu zwei "philippinischen" Dörfern, und die immer noch recht gute Erreichbarkeit, sollten eigentlich schon Grund genug sein, dass es längst missionarische Aktivitäten gegeben haben musste. Dem romantischem westlichen Streben "unberührte Kulturen" kennen zu lernen, wurde damit jedenfalls schon sehr früh ein herber Dämpfer verpasst.

                                        

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Holzhütten in Manara

 

Wir wurden im zweiten nicht dorf-eigenem Gebäude einquartiert, einer Tagesstätte für Kinder die noch nicht zur Schule gehen. Solche "Day-Care-Center" sind eine der wenigen sinnvollen Einrichtungen der Regierung, die damit im ganzen Land die Infrastruktur für Bildung an der Basis bereit stellt. Die Betreuerin des Zentrums wurde von der Regierung entlohnt und sollte dafür Vorschultunterricht geben und eine medzinische Grundversorgung sicher stellen. Soweit die Theorie. Tatsächlich konnte Analyn schon seit Monaten nicht mehr unterrichten, da sie an einer sehr schmerzhaften Hautkrankheit litt und außerdem eine schwere Erkältung hatte, die irgendwie nicht besser werden wollte. Sie musste zu Hause bleiben und war außer Gefecht gesetzt. Als wir sie zum ersten Mal trafen, war das einzige, was wir ihr empfehlen konnten, Bananenblätter auf die befallenen Hautpartien zu legen um so zumindest den Schmerz ein wenig zu lindern. Wir gaben ihr Salben und Kräuter aus dem Labor des Social Action Centers, damit konnte sie ihren Hautausschlag erfolgreich bekämpfen. Außerdem empfahl ihr Sr. Marivic nach Cadiz zu gehen und sich dort untersuchen zu lassen, schließlich stehe ihr dies als Regierungsangestellter zu. Später erfuhren wir, dass sie an Tuberkulose erkrankt war. Der Arzt gab ihr dagegen Medikamente, wer weiß aber, was passiert wäre, wenn sie dort nicht hingegangen wäre.

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     Dorfmitte, Blick vom Day Care Center

Wir waren erst spät angekommen und schon bald dämmerte es. Wie in tropischen Ländern üblich, ist es spätestens um halb 7 stockfinster. Mir war das aber noch nie so bewusst gewesen, jetzt allerdings lagen die Dinge etwas anders. Das Dorf war abgeschieden und ohne Stromanschluss. Draußen konnte man nicht einmal die eigene Hand vor Augen sehen.  Großzügigerweise händigte man uns eine der zwei Gaslampen im Dorf aus, mit deren Hilfe wir dann unser Abendessen einnehmen konnten. Unser Mahl war einfach, da wir nur begrenzt Vorräte mitnehmen konnten. Wir waren gespannt, was uns die nächsten Tage erwarten würde                         

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 Sister Marivic und ich beim Abendessen am ersten Tag

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Randsteinreisen - Wie aus Zwergen Riesen werden

Mi, 05/12/2010 - 10:55

Um mit der "Themenreihe" abzuschließen noch eine kleine Refexion über Sextouristen. Leider konnte ich mir am Ende wieder nicht den Rundumschlag gegen Westen und Kapitalismus verkneifen, hoffe aber dass mir dieses letzte Mal noch verziehen wird. Unsere Gesellschaft hat ja auf der anderen Seite auch eine Vielzahl von Eigenschaften, auf die sie stolz sein kann (vielleicht  als eine der besten, die eigene Kritikfähigkeit).

 

Was wäre eine Südostasientour ohne auf krasse Art und Weise dem Phänomen des Sextourismus begegnet zu sein? Wer verstehen will was hier abläuft darf nicht gleich sofort Opfer und Täterrollen verteilen. Ganz sicher: Hier werden junge Asiatinnen ausgebeutet und versklavt. Aber wie pervers das ganze ist, sieht man eigentlich erst, wenn die Opfer sich wie Täter verhalten:

Wenn es etwas gibt das jeder Mann sofort erkennt, dann ist das das Interesse einer Frau an seiner Person. Da wäre der berühmte Spruch „Ein kleines Lächeln wirkt oft Wunder“ und wahrlich: Wunder werden gewirkt. Gehen wir einmal ganz wissenschaftlich heran: Ein ansprechend gekleidetes und wohl aussehendes Frauenzimmer entgegnet dem penetranten Glotzen eines weißlichen Barbesuchers nicht wie etwa erwartet -nichts (vielleicht ein abweisendes Wegschauen oder Dergleichen). Vielmehr zeigt sie: Ihre freundliche Seite, ein wages Interesse, Akzeptanz und Toleranz, Gefallen, Offenheit – schlicht – ein Lächeln. Was passiert nun im Zentrum eines Mannes? (Nein, noch befindet sich jenes über der Gürtellinie). Er fühlt sich gut! Der erste Schritt also ist wie in jedem Geschäft, beim potentiellen Kunden eine Wohlfühlatmosphäre zu schaffen. Denn ohne diese, und das weiß jeder der schon einmal missmutig in einer Bar saß, wird jemand niemals aktiv und interessiert.

Viel wurde unter uns Freiwilligen auf die „alten, fetten, Sextouristen“ geschimpft und das zurecht. Manchmal aber entsteht der Eindruck als wären diese Männer Schürzenjäger, Gigollos, Aufreißer, Nimmersatts oder Flavio Briattore. Nein! Es sind die Schwachen, Enttäuschten, Unzufriedenen, Unsicheren, Unerfahrenen oder Introvertierten die hier durch die Kneipen Südostasiens touren. Ein Großteil derer würde es in einer Bar von sich aus niemals wagen, eine wildfremde attraktive Frau anzusprechen. Aus diesem Grund nun muss die Frau so tun, als würde man sich längst schon kennen. Es wird gewunken und gelächelt, gestikuliert und gekichert. Dem Kunden muss die Angst genommen werden, seine Schwachheit bestätigt zu bekommen. Diesen (und bei Vielen jeden) Abend darf er eine neue Jugend erleben. Hübsch anzusehen sind diese Damen des Vergnügens und wieder macht es stutzig das gerade das Schöne sich zum Hässlichen versklaven lassen muss. Es wird gestreichelt und geschmeichelt: das Bäuchlein zeigt Männlichkeit und Stärke, die Hornbrille ist ganz abgefahren modisch. Abenteurer und Exoten werden an diesen Abenden geboren; Männer mit glorreichen Leben, königlichem Reichtum und mannigfachen Taten. Aus einfachen Postangestellten wird die Elite des fernen Abendlandes, die auf dem Höhepunkt ihrer Macht selbigem den Rücken kehrt: Der wohlverdiente Ruhestand – eine Girly-Bar in Kambodscha. Je später der Abend, desto mehr wagen auch die Männer. Seit langen, langen Jahren, trauen sie sich wieder aufs Tanzparkett. Und was in der Jugend noch mit derben Ohrfeigen gestraft wurde, wird nun mit seligem Lächeln geadelt: Je mehr er grapscht, tatscht und fingert, desto größer wird auch der Genuss den er auf den Lippen seiner Freierinnen ablesen kann.Wenn die Umstände nicht todtraurig wären, böten diese Frauen wohl eine der erfolgreichsten und unschlagbarsten Formen von Persönlichkeitscoaching an. Je länger ich von der "Empore" auf das emsige Treiben unter mir herabschaue desto mehr erkenne ich: eigentlich sind es die Männer, die hier abgeschleppt werden.

Trotz allem fühlt sich Peter Käßmeier an diesen Abend wie ein Pascha. So gut, dass er auch nicht den kleinen Unkostenbeitrag scheut, wenn er dann die Hallen seiner wunderbaren Wandlung in Richtung eines intimeren Plätzchens verlässt.
Und genau das macht alles noch viel trauriger: Hier kommen sexgeile Versager an und kehren als selbstzufriedene Möchtergern-Casanovas zurück. Und das schlimmste ist: wenn die Frauen ihnen nicht den Hof machen würden, würde keiner von ihnen jemals zum Fleischfresser werden... Frustrierte Notgeile würden kommen – und frustrierte Notgeile würden gehen. Krank ist nur dass es gar nicht anders geht, dass diese, unsere Welt, die Diktatur des Materiellen, an der ein jeder von uns Industriemenschen einen zehnmal größeren Anteil hat, Frauen dazu zwingt, Memmen zu Männern zu machen.

Aber was soll die Tochter des fünffachen Familienvaters tun, wenn es für seine Familie nicht mehr ausreicht, dass er 10 Stunden am Tag auf dem Reisfeld steht oder Fahrrad-Rickscha fährt? Was wenn selbst 31 Tage Arbeit im Monat, nur für die ersten 15 Tage des Nächsten Essen bringen? Was wenn die westlichen Wirtschaften das Land zum Agrarlieferanten für verwöhnte Europäer Mägen verdonnern, ganz einfach weil ansonsten Handelsbeziehungen eingestellt werden? Oder die Preise für Zucker, Mehl und Reis nicht in den Händen lokaler Marktverkäufer sondern zockender Börisaner liegen, die mehr Wert auf ihre Bilanz, als auf das Auskommen irgend eines Arbeiters legen? Die Sextouristen sind nur eine kranke Auswucherung der reichen Staaten dieser Welt, der Tumor liegt leider mitten darin.

 

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Randsteinreisen - Vor der Insel im See

Do, 05/06/2010 - 10:57

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Man darf, wie ich schon sagte nicht naiv sein und meinen, Prostitution liefe nur nach altem Muster ab. Was ist, wenn es nicht direkt um Geld geht, sondern auf eine längere Bindung und mögliche Heirat hingearbeitet wird? Genau das ist ironischerweise das Argument, dass die vielen Herunterspieler und Beschwichtiger als Entschuldigung für Heiratstourismus anführen. Gab es nicht in Europa noch bis ins 20ste Jahrhundert hinein die Liebesheirat eigentlich gar nicht? Ging es nicht immer auch um materielle Absicherung? Das beschwichtigt in der Tat das Gewissen und macht vieles tolerierbar. Aber sollten wir uns damit zufrieden geben? Ist nicht jeder Mensch im Freiheitsideal des Westens gleich? Wir sind alle Demokraten und doch ist unser eigenes Handeln dass eines Feudalherren. Uns selbst gestehen wir die Liebesheirat in vollen Zügen zu, doch blicken wir gen Osten ist es plötzlich der Nutzen der regiert. Die Umwelt formt das Individuum. Das ist wahr. Doch nicht die miserable Wirtschaftslage einer Familie zwingt zur Prostitution. Sie ist zwar Voraussetzung, aber die Tatsache schaffen wir selbst, durch Suchanzeigen im Internet, Heirats- und Sextourismus, Lustreisen. Würden wir ein wenig mehr an unsere eigenen Ideale, die eigene Geschichte glauben, dann würden wir vielleicht auch einfach einmal unsere Triebe im eigenen Land lassen. So aber setzen wir nur fort was seit Kolumbus niemals ein Ende gefunden hat. Das Reiche kolonialsiert und degradiert weiterhin die wirtschaftlich Unterlegenen. Vielleicht sind es nun nicht mal mehr Staaten. Umso schlimmer aber einzelne Menschen.

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Möglicherweise liegt es an meiner Vorliebe für Randsteine dass ich oft in Kontakt mit anbietungsfreudigen Mädchen komme. Eines Nachmittags ziehen drei Freunde und ich durch Phnom Penh und suchen den Weg zum "See". "See" steht auf unserer Touristenkarte und so erwarten wir ein lauschiges Badeplätzchen mit Palmen und Bootsverleih. Als wir am See ankommen zeigt sich, dass in dessen Mitte eine Müllinsel liegt. Teilweise ist sie schon von Gras überwuchert und Kinder springen von dort in das undurchsichtige Wasser. Über den Hochhäusern am Horizont geht gerade die Sonne unter und färbt den See rot. Wir haben uns auf einer hölzernen Plattform niedergelassen, die ins Wasser reicht und zu einem Café am Ufer gehört. In den Kissen kann man versinken. Als dann mein "Cambodian Dark Tea" serviert wird und dessen herbes Aroma in meine Nase steigt, fühle ich mich nur noch wunderbar. Vom Nachbarcafé ruft eine Stimme: "Stephan, come here, you can eat noodles with me" Ich blicke hinüber und schüttle lachend den Kopf.

 

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Eine Viertelstunde vorher sitze ich vor dem Café auf einem Randstein und ruhe mich gerade von der Seesuche aus. Meine Kollegen sind schon drinnen. Ein älterer Kambodschaner hockt neben mir und erzählt mir etwas über deutsche Waffen im zweiten Weltkrieg und wie Hitler gewinnen hätte können. Mir gegenüber essen ein paar Leute ungeschlüpfte Küken. Sie wollten mir nicht glauben, dass es dieselbe "Delikatesse" auch auf den Philippinen unter dem Namen Balut gibt. Von den Essern erhebt sich dieselbe Stimme, die mir später Nudeln anbieten wird: "You wanna try this chickens?". Sie klingt verschmitzt und gehört einem hübschem, jungem Mädchen, dass ein wallendes Sommerkleid trägt. Das Kleid ist schwarz-rot-rosa gestreift und liegt recht eng an ihrem Körper an. Sie fragt mich provokativ, warum ich sie die ganze Zeit anstarre. Ich sage, es verhält sich genau andersherum. Dann will sie meinen Namen wissen. Als ich nach Ihrem frage bekomme ich Kimnay zur Antwort. Anscheinend gefällt ihr meine Sonnenbrille, denn sie kommt hinüber und nimmt sie mir weg. Ich mache ihr ein paar Komplimente wegen der Brille, sie sagt zu mir ich sei ihr kleiner "Stern vom Himmel". Ich wende mich wieder dem Kriegsexperten zu. Mittlerweile hat Kimnay ihr Balut verspeist und unterhält sich mit den beiden andern Kambodschanern. Ein Tourist schwarzer Hautfarbe kommt zum Café und streicht ihr beim Hineingehen sanft über Kinn und Haare. Das Lokal wird von Touristen aller Couleur besucht, man sieht ständig Menschen ein und aus gehen. Das Mädchen blickt immer wieder zu mir hinüber, irgendwann habe ich genug, wende mich kurz vom alten Kambodschaner ab und blicke demonstrativ hinter mich um zu schauen, wen sie noch meinen könnte. Hinter mir ist die Wand. Als ich mich wieder umdrehe zeigt sie mir böse den Mittelfinger. Wortreich entschuldige ich mich, das konnte man nun tatsächlich nicht ahnen. Sie scheint besänftigt und ich frage sie, was ihr Traum ist.

"Meeting a rich man, who wants to marry me" -----  "You already found one?" - 
"No. You want to come with me?" ----- "Sorry, I can´t, my friends are waiting"-

 Die kambodschanischen Kollegen brechen in dreckiges Lachen aus, dann gehen sie zusammen mit Kimnay in das Café. Nachher sehe ich sie vom Holzsteg aus mit mehrern Touristen reden und essen. Einmal bückt sie sich in die Nähe der Beine eines Gastes. Sie hebt ein Paar Ess-Stäbchen auf.

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Was mir diese Geschichte sagt, ist, dass ein Ding viele Farben haben kann. Was heißt schon Prostitution? Vergangen sind die Zeiten in denen man alles in Schwarz und Weiß einteilen konnte. Meiner Meinung nach bedeutet es die Beraubung von Freiheit. Die Notwendigkeit etwas zu tun, möglicherweise etwas das nicht nur ein paar Stunden am Tag, sondern das ganze Leben betrifft und verändert. Wer sagt das ein Kimnay Luder oder ähnliches ist, liegt falsch. Sie selbst würden sich bestimmt nicht so sehen. Aber doch sind alle Gedanken auf ein Ziel gerichtet: Die Flucht aus einer Lage, einer wirtschaftlichen Misslage, für die sie sich selbst zu gewissen Teilen verkaufen oder verschenken. Was ist nun aber das Traurigste an allem: Die freien Menschen dieser Erde, diejenigen die wirtschaftlich unabhängig sind, die wählen können, sind es die Andere ihrer Freiheit berauben. Das ist nicht unbedingt nur ein Abgesang auf den Westen, in Wahrheit hat es nur prozentual gesehen viel damit zu tun. Einzig Reichtum und Armut sind die Faktoren die hier den Begriff der Freiheit bestimmen. Wie falsch auch zu denken, dass die Besucher nur vor vorhandene Tatsachen gestellt werden. Einer Aktion folgt die Reaktion. Die Dinge nähmen einen anderen Gang – wenn man nicht selbst anfinge zu handeln.

 

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Randsteinreisen - Eine andere Seite Asiens

Fr, 04/30/2010 - 11:16

 

Als ich auf dem Weg ins Hostel einmal frühmorgens durch die Straßen Malates, einem Stadtviertel von Manila schlendere, pfeifen mir zwei Frauen hinterher. Nachdem ich mir ein Sandwich im nächsten 7/11 Lebensmittelladen geholt habe, setze ich mich auf einen Randstein und warte. Bald haben die beiden sich neben mich gesetzt. Sie fragen mich woher ich komme und wie alt ich bin. Dann, wo ich wohne. Eine von ihnen will mich begleiten. Ich lehne lächelnd ab. Sie fragt mich, ob sie mich zumindest massieren dürfe. Wieder verneine ich und frage sie, ob sie etwas von meinem Sandwich haben will. Sie bejaht. Auch ihrer Freundin gebe ich ein Stück ab und frage sie dann, ob sie heute schon etwas gegessen hätten. Nein, sagen sie, keine Kunden. Wir gehen zusammen zurück in den 7/11, wo ich ihnen jeweils eine Cola und einen Hot-Dog kaufe. Danach hocken wir uns unter ein kleines Vordach und reden. Die Beiden sind 16 und 17 Jahre alt, die Ältere wird morgen 18. Sie sagt es sei nicht einfach; die Kunden zu anspruchsvoll und um erfolgreich zu sein müsse sie viel Make-up kaufen. Nachts habe sie keinen Platz zum Schlafen. Die Familie wohnt zu weit weg. Sie fragt mich, ob ich ihr Geld geben kann, damit sie morgen an ihrem Geburtstag zu ihren Freunden fahren kann. Der vielfach eingeimpfte Reflex, niemals bares Geld zu geben wird wach. Ich sage, ich könne nicht, zu viele würden fragen. Sie fragt nochmals, und wieder verneine ich. Schließlich verabschieden sich die Beiden und ziehen weiter. Als ich 10 Minunten später in meinem Bett liege, habe ich ein schlechtes Gewissen.

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Über Prostitution streiten sich die Gemüter. Von meinen bisherigen Erfahrungen kann ich berichten, dass sie wohl nirgends so verbreitet und im Allgemeinen hingenommen wird wie in Asien. Sie dient als Mittel zum Broterwerb und Überwasserhalten der Familie, wird vielfach praktiziert und von den Anständingen angeprangt. Sex mit Minderjährigen gilt ekelhafterweise bei vielen Freiern als Leckerbissen und ist trotz strenger Gesetze Gang und Gäbe. Oft wird das alles gerade von denjenigen tagsüber verdammt, die nachts die ersten Kunden sind. Gibt es in Europa Diskussionen über Freiwilligkeit und Ehrenkodex von Prostitution, wage ich zu behaupten, dass beides hier nicht existent ist. Es ist in den meisten aller Fällen der materielle Zwang der dorthin führt und frage ich manche Mädchen, warum sie diesen Weg gewählt haben, bekomme ich nur zur Antwort, dass es keine Wahl und vielleicht noch nicht einmal einen Weg gibt.

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Es ist selten im Nachtleben nicht mit Prostitution konfrontiert zu werden. Niemals ist sie leicht auszumachen, ganz einfach weil so viele Menschen darin ivolviert sind. Und bei den meisten würde man es niemals erwarten. Es sind die Hübschen, diejenigen mit schlanker Figur und athletischen Körpern. Schönheit scheint keine Absicherung dagegen sondern eher ein Grund dafür zu sein. Unter den Freiwilligen herrscht einhellig die Meinung das Sextourismus und dergleichen zu verdammen sind. Wer immer aber in einem Club ein Mädel kennen lernt, sollte sich tatsächlich um deren Umstände versichern. Viel wird gespielt, oft geht es nicht um die direkte "entgeltliche Anbietung", und stattdessen werden langfristige Bindungen angestrebt. Gerade weil sich Viele in den Clubs sehr heimisch wägen, scheint bei Kontakten mit netten Mädels auch kein Grund zur Sorge zu bestehen. Wenn ich vielleicht nicht in Kambodscha, Vietnam und Thailand gewesen wäre, würde ich die Dinge ähnlich sehen. Solange man in Clubs mit gutem Ruf ist, trifft man nur „normale“ Leute. Vielleicht ist meine Einstellung nun auch übervorsichtig, allein aber schon wegen der allgemeinen Verherrlichung des weißen Schönheitsideals, sollte man niemals davon ausgehen, dass Zuneigung immer komplett natürlich ist. Wie viele Menschen nun wirklich als Prostituierte arbeiten, kann man in Reiseführern nachlesen. Schätzungen zufolge sind es auf den Philippinen 500 000, ein hoher Anteil davon minderjährig. Mehr Prostituierte als Fabrikarbeiter gibt es dort laut Jens Peters. Ob die Zahlen nun stimmen oder nicht, allein die Relationen sind erschlagend.

 

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Eine laue Sommernacht in Bacolod City, Negros Occidental. Gegen drei Uhr morgens betreten wir einen Club und stellen fest das nicht mehr allzu viel los ist. Ermüdet gehe ich nach draußen und hole mir in einer Tankstelle Wasser. Dann setze ich mich vor das Etablissment und lasse den Blick erst mal zu den Sternen schweifen. Rechts neben mir setzt sich gelangweilt ein Koreaner, einer seiner Kumpels kommt aus dem Club und gesellt sich dazu. Die drei Mädchen die gerade noch zu meiner Linken saßen erheben sich und gehen auf die Beiden zu. Eine Kleine mit aufsässigen Blick streichelt dem ersten Koreaner das Kinn und sagt liebevoll: „You look like a goat, sweeheart“. Der Angesprochene versteht das Wort Ziege anscheinend nicht und blickt sie nur treudoof fragend an. Sie fährt fort: „Same like Tiger you know, same like tiger“. Er grinst und zieht sie neben sich auf den Randstein. Die beiden andern Mädels versuchen ihr Glück beim Kollegen des Koreaners. Irgendwann setzt sich die Ziege zu mir. Wir tauschen Namen, Herkunft und anderes aus. Er ist 25 Jahre alt und Geschäftsmann aus Seoul. Dann erklärt er mir, dass die Mädels seine „friends“ seien. „Girlfriends?“ Ein Hauch von Traurigkeit blitzt in seinen Augen auf, er schüttelt unmerklich den Kopf und reibt den Daumen gegen Zeige- und Mittelfinger. „Cheap girls you know, cheap girls. In Cebu did not pay anything“. Er fragt mich, ob ich schon Philippinisch spreche und zeigt mir gleich sein Vokubular. Es besteht aus Danke, Bitte und Guten Tag. Eines der Mädchen will er mir vorstellen. Sie hat schulterlanges Haar, trägt ein knappes blaues Kleid und einen gelben Hüftgürtel, der von einer eine silbernen Schnalle verschlossen ist. Ich schätze sie auf 16. Ihr Gesicht strahlt Freundlichkeit aus und sie lächelt mich sofort an. Ihre dunklen Augen blicken direkt in meine. Scheinbar signalisiere ich mit meinem Gesichtsaudruck Unmut und sie wendet sich wieder dem Koreaner zu. „Your friend doesn´t like me“, beschwert sie sich. Ich will die Unfreundlichkeit wieder gut machen und stupse sie an. „Nganong nagobra ka diri?“ - Warum arbeitest du hier? - Dabei lächle ich sie an. Sie scheint perplex und stutzt zunächst. Dann antwortet sie langsam auf Englisch: „Because I don´t have money“ Natürlich will sie wissen warum ich Cebuano spreche und ich erkläre ihr das ich für ein Jahr Freiwilliger auf den Philippinen bin. Sie ist trotz mehrmaligem Nachfragen 19 Jahre alt und die Älteste in einer Reihe von sieben Geschwistern. Ihre Eltern sind nicht mehr am Leben. Das College-Studium musste sie aus Geldmangel nach dem ersten Semester abbrechen. Bald kommen meine Kameraden aus dem Club und wollen nach Hause. Als sie merkt, dass ich gehen will, blickt sie mich hoffnungsvoll an und fragt „Asa man imohang balay?“ - Wo ist dein Haus?-. Unausgesprochen steht die Frage im Raum, ob sie mich begleiten kann. Ich antworte: „Layo kaayo“ - Zu weit weg. Dann gehen die Andern und ich hinaus in die Nacht.

to be continued

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