Togo to go...

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Les Salaudes ont mis le feu au paradis...Ole aka Kombatehttp://www.blogger.com/profile/12428228156695754192ole-schwabe@web.deBlogger31125
Aktualisiert: vor 55 Minuten 56 Sekunden

Was bleibt....

So, 09/05/2010 - 13:11


Was bleibt sind Moment von einer schwer zu beschreibenden Leichtigkeit, welche sich mir erst im Nachinein, an Bord des Air France A 330 offenbaren...in einem seltsamen Anfall von Melancholie und Dankbarkeit sehe Ich, wie viel Ich doch hatte .Und vll. verstand ich Togo erst in dem Moment des Umdrehens an der Gangway ein wenig...

Was bleibt sind Wut und Haß auf die unersättliche,räuberische Führungsclique von Togolesen und Ausländer (Israelis, Franzosen, Chinesen, Libanese etc.) welche diesem Land und seinen Menschen das letzte Blu aus den Adern saugen. Welche ihre Brüder und Schwestern für materielle Dingen, Status oder Anshen ans messer liefern, sie seit Jahrzehnten vergessen und ihnen Würde und selbstbestimmtes Leben raubten.
Das Jacques C., ehemals Frankreichs vll. schlimmster Neokolonialist, den fast 40 Jahre regierenden und im Jahre 2005 verstorbenen Präsidenten Eyadema als ,,persönlichen Freund" und Kämpfer für ein freies Afrika betitelte, lässt mich beinahe jeden Glaube an Anstand in sogen. höheren Kreisen verlieren:

„Mit ihm stirbt ein Freund Frankreichs, der für mich ein persönlicher Freund war (...) mit Sicherheit spürt Afrika den fürchterlichen Schmerz angesichts des Verlusts dieses Mannes, der sich seit so vielen Jahren für regionale Zusammenarbeit, für Vermittlung und für den Friedensprozess eingesetzt hat.“

Wie singt Alpha Blondy, eines der wenigen Lichter am Himmel der aufrechten und einfsussreichen:
,,Mister Grande Geule, rends moi un service, ferme ta salle Gueule! Tu n'est pas Che Guevara, encore moins Nelson Mendela..!"
,,J'aime pas ta salle guele..."!

Was bleibt sind Begegnungen mit Menschen, die man im Angesichts ihrer Taten nur noch als Arschlöcher bezeichnen kann. Staatsvertreter, faul, bestechlich, kurzsichtig und pausenlos am Reden über Fortschritt und notwendige Entwicklungen...feige Speichellecker, Opportunisten den das Schicksal ihrer Region, ihrer Brüder und Schwestern sonstwo vorbei geht...

Was bleibt sind Dinge, die nIch nicht verstehen kann...folgendes Video entstand in Lome während der Demos gegen die Regierung...man beachte den Protagonisten.

http://www.youtube.com/watch?v=PLmMWZmHmJc

Als ich das Video in dapaong sah, bemerkte ein togolesischer Polizeikomissar, zurzeit in Kinshasa auf UN-Mission nur trocken, dass der Herr für dieses verhalten in vielen anderen afrik. Städten wohl von einem Mob auf offener Straße gelyncht worden wäre...kann Ich den Leuten nicht verdenken.
Ein solches verhalten in einer Region, die seit Jahrzehnten unter dem französischen Einfluss und unter den von den Weißen gedeckten Präsidenten und Ministern leidet, ist wie wenn man den Opfern des regimes, den verhungerten und von der Malaria dahingerafften Kindern und ihren verarmten und von jeglicher staatlicher Solidarität verlassenen Familien lächelnd ins Gesicht spuckt.

Wie singt Hans Söllner doch so treffend:
,, A Drecksau bleibt a Drecksau, egal wohers kemmt...!"

Man will sich nicht5 vorstellen, welches Blutbad die Präsidentengarde tatsächlich anrichten würde...tapfer unterstützt von den israelischen Sicherheitssöldnern, welcher für die Sicherheit von Faure ,, Ich mache ein auf Demokratie" Gnassingbee angeheuerten wurden.

Deren Chef wurde übrigens vor einiger Zeit über einige Umwege Chef von Togos einzigem Rohstoff ausser korrupten Gewissenslosen...der Phosphatfabrik.

Enteignet die Feinde des Volkes...unter Umständen ist dieser Slogan hier und heute wahrer als zu den Zeiten , als man ihn in D anwendete.

Was bleibt ist das Wissen, wie in Togo derzeit der von ausländischen Staatschefs lobend erwähnte ,,demokratische Prozess" ausgetragen wird...Tränengas ist zum neuen Spielzeug togolesischer Prügelknaben aufgestiegen.

Ein guter Bekannter, Mitglied der Führungsriege der FRAC (Zusammenschluus der Opposition) in Togo bekam am hellichten Tag in Lome die aufgrund der vielen Übungsmöglichkeiten kreativen Einsatzarten der Tränengaskartuschen zu spüren,
Die Uniformierten hinderten Ihn und seine Freund Jean Pierre Fabre, zufällig Spitzenkandidat der Opposition,an der Teilnahme an einem Friedensgebet. Nach zwei Minuten Disskusion schlug ihm ein Capitain ohne Vorwarnung mit der Kartusche ins Gesicht...Mr.Fabre bekam einen Gummiknüppel zwischen die Schulterblätter.

Tränengas wurde abgefeurte und beide konnten sich ins Auto retten...der Dienstwagen von F. wurde übrigens einige Tage zuvor von einer Granate dieses Types ,,getroffen"... Abgeordnetenautos mit Tränengas beschiessen, gewählte Volksvertreter verprügeln, Demos verbieten, Bespitzelung und Festnahme von Demonstranten ohne Angabe von Gründen...das Regime zeigt sein wahres Gesicht.

Es wird Zeit, dass wir unseren togolesischen Brüder und Schwestern helfen und zuerst die seltsamerweise bestehende ,,Nachrichtensperre" aufheben.
Togon ist zu klein, zu arm und unbedeutend, um für uns eine Rolle zu spielen,um uns zu interessieren.
Noch dazu liegt es in Afrika, einem Konmtinent, den wir gerne mit einer abenteuerlichen, der Realität aber deswegen nicht gerecht werdenen Mischung aus Romatik, Angst und Schlaumeierei begegnen.

Wir, die so stolz sind auf unsere gefestigte Demokratie, unser Ansehen im Ausland, unsere Grundwerte und unsere Spendenbereitschaft.

Auch das bleibt...

Was bleibt sind aber auch Menschen, die sich den Dreck nicht länger bieten lassen und sich aufopfern...für ihr Land, ihr Volk, ihre Kinder und deren Zukunft. Gespräche mit diesen Menschen geben mir Hoffnung, Zuversicht und sie bereicherten meinen Horizont.
Es bleibt auch dieser eine Moment, in welchem Ich vll. stolz war auf ,,mein Land".
Ein guter Freund erzählte mir , wie er Anfang der Sechziger durch Deutschland reiste und in einem bayrischen Dorf übernachtete. Es war Erntedankfestzeit und man lud ihn begeistert ein. Er behielt D in guter Erinerung, erzählt mit strahlenden Augen von diesem Abend und Ich freue mich in diesem Moment, Deutscher zu sein.
Erlebt hab Ich viel...jedoch nie Rassismus oder fremdenhass mir gegenüber.

Das Togoische Volk hat es nicht verdient, dass man so mit ihm umspringt!
Und das sollten auch unsere Anzugträger endlich verstehen!

Denn vordergründig bleiben Eindrücke aus einer region, die Selbstinitiative, harte Arbeit und Krativität verloren hat. Verloren in über 40 jahren Einparteienherrschaft, verloren in Jahrzehnten der Stagnation, des Überlebenskampfes und der Demütigung.
Wer Menschen das und weiteres antut, ist für mich ein Mörder und kein ,,Freund Frankreichs" oder verdienter Träger des Bayrischen Verdienstordens (1984).

Alpha Blondy singt es für sein Land, die Elfenbeinküste. Doch das Lied stimmt in vielen Ländern.

,,Les Salaudes...ont mis le feu a mon Paradis...les Salaudes ont mis le feu a mon paradis....ces Salaudes!"

,,Chassez les salles racistes hors de la terre!"

Afrikanische Helden gibt es auch...aber viele wurden unter Beteiligung der achso demokratischen EX(!!!)-Kolonialmacht kaltgemacht, weil sie deren dreckige und blutige Machenschaften aufdeckten und sie in ihrem , souveränen (!) Land untersagten.

Vive Thomas Sankara, der wie kein zweiter Moral, Anstand,harte Arbeit und Intergrität verkörperte.
Erschossen am 15.Oktober in Ouagadogou. Der Anführer des Mordkommandos: sein ehemaliger Freund und heutiger Präsident von Burkina Faso. Seit 23 jahren.
Schosshund der Franzosen, gern gesehener Vermittlern in franz. Namen und bei Problemen, kreiert von franz. Glücksrittern in Nadelstreifen.

Burkina Faso: Pays des hommes intègres.Land der Aufrichtigen.Umbenannt unter Sankara.

Es bleiben noch so viele Dinge...aber vordergründig die Wut über das, was den menschen seit Jahrzehnten im ,,stillen Kämmerlein" angetan wird...eine Sauerei, über die wenige sprechen.

Mein Jahr in der Region ist vorbei, und doch bin Ich irgendwie noch da...obwohl Ich oft genug wütend und enttäusacht war fühle ich, dass es doch eine schöne zeit war...obgleich meiner großen probleme mit Mentalität und Kultur vieler Menschen.

Das Abenteuer endete wie es begann...an Bord einer Air-France Maschine dachte Ich an vergangenes und zukünftiges...und kam nach sechs Stunden in einer anderen Welt an.

Die Gedanken hängen immer noch an Togo, dem kleinen land welches mir so großes Kopfzerbrechen bereitet.

Aber es lässt mich nicht los...es geht weiter. Für alle ,,hommes integres".


Un jour viendra, le peuple se revoltera!
Kategorien: Afrika

Einsicht

Mi, 07/07/2010 - 12:58
Name der/des Freiwilligen: Ole Schwabe
Einsatzland: Togo
Projekt: Öffentlichkeitsarbeit IT VILLAGE/Organisation Trophee Coca Cola
Berichtdauer: April-Juni 2010



Verständnis erleichtert das menschliche Sein unendlich…

…und Unverständnis verkompliziert es enorm. Nichts Neues, aber symptomatisch für meine aktuelle Situation und somit eine schöne Einleitung.
Meinen letzten Zwischenbericht schloss ich mit den Worten:

,, Auch wenn mir manche Denkweisen und Ansichten der Menschen nach wie vor fremd erscheinen, so finde ich nach und nach kleine Wege und Möglichkeiten, besser damit umzugehen“.
Ich führe sie hier noch einmal auf, um den Prozess, welcher sich in mir und der Gesamtheit meiner Denk-, und Wahrnehmungsprozesse in den letzten Monaten abspielte, zu versinnbildlichen.
Der erste Teil des Satzes stimmt nach wie vor, nur das die ANZAHL der mir fremd erscheinenden Dinge kontinuierlich wächst und Ich auch einen gewisse Zunahme an Konsequenz an mir feststelle. Soll heißen, dass mich einige Sache nun fundamental stören und, neudeutsch, ,,auf die Palme treiben“.
Der zweite Teil des Satzes stimmt nun so leider gar nicht mehr und dieser Fakt ist es, der mir das Leben schwer macht. Ich finde in der Tat nur noch schwer Wege, mit den eigenwilligen Ansichten eines Teiles der hier lebenden Menschen klar zu kommen.
Mit ausgelöst wurde diese Entwicklung durch eine Reise nach Ghana, gemeinsam mit DAZ-Präsident Hinrich Küssner und dem Journalisten Beluga Post.
Es ging nach Ho, in die Volta Region im Süden des Landes. Nun muss man natürlich eingestehen, dass die südlichen Landesteile in allen Ländern dieser Region deutlich besser entwickelt sind, als die nördlichen Gebiete. Dies hat geographische, wirtschaftliche, politische und historische, aus der Kolonialzeit herrührende Gründe. Auch sind die politischen Umstände in Ghana deutlich besser, kein Vergleich mit den togolesischen.
Dennoch: begeistert hat mich in Ghana vielerorts die Motivation der Menschen, selbst hart und konsequent für eine Veränderung zu arbeiten und dabei auch vor sich selbst nicht halt zu machen. Exemplarisch war für mich hier der Besuch bei ASRuT in Ho, einer straff und zielstrebig organisierten Mikrokreditorganisation. Ich war beeindruckt von der Vision der Mitarbeiter und dem Fleiß, mit welche sie diese verfolgen. Dazu waren alle Mitarbeiter gut ausgebildet und hatten sich in ihrer Freizeit selbst weitergebildet. Auch im Stadtbild von Ho hatte man vor allem ein Gefühl: Es geht etwas vorwärts, die Leute sitzen nicht nur den ganzen Tag im Schatten und spielen Karten, saufen Hirsebier und jammern.
Kurzum, eine gelungene Abwechslung von Dapaong, der Versinnbildlichung von Stillstand und auf Hilfe warten.
Zurück in Dapaong starrte ich missmutig auf die innerstädtischen Müllberge, die verdreckten Bäche und die heruntergekommenen Häuser. Alle reden immer von le changement, der Veränderung doch sind nicht bereit, bei sich selbst anzufangen, dafür zu arbeiten und zu kämpfen.
Das Highlight war in dieser Zeit der Besuch von Herrn Küssner und Beluga Post in Dapaong. Beluga drehte zum zweiten Mal einen Film über die Arbeit von IT VILLAGE und so wurden es zwei interessante und für Dapaong historisch abwechslungsreiche Wochen.
Ende Mai besuchte mich dann mein Vater für eine Woche und sah den Kontrast zwischen Ouaga 2000, dem Reichenviertel von Ouagadougou , Dapaong und den Dörfern der Savanne und Lomé.
Wir machten gemeinsam mit einem lokalen Guide eine Tour durch die Region, besuchten Höhlen und Felszeichnungen. Vor allem aber fuhren wir lange durch die Landschaften, was für meinen Vater interessant, für mich irgendwie extra deprimierend war. Wir sahen uns ein Cabaret, eine runde Steinhütte in welcher Tchakpalo, das lokale Hirsebier ausgeschenkt wird. Unser Guide sprach in höchsten Töne von diesem sozialen Treffpunkt, den dort ausgetauschten Neuigkeiten und allem drum und dran, vergaß nur leider das gravierende Alkoholproblem der Region zu erwähnen. Das tat ich dann, aber der Einwand wurde abgetan, denn die meisten würden ja nicht vor 10.00 Uhr morgens mit dem Trinken anfangen.
Mittlerweile bin Ich auf dem Standpunkt, dass der Wille zur Veränderung aus dem Inneren der Gesellschaft kommen muss. Ich werde mich nicht dafür kaputt machen, dass die Menschen hier einsehen, dass sie selbst mehr tun müssen. Es klingt vielleicht hart, aber dafür ist mir die Sache nicht wichtig genug. Es ist nicht meine Region, ich werde hier bald wieder weg sein. Wenn Teile der Bevölkerung nicht kapieren, dass von nichts eben auch nichts kommt, dann tut es mir leid, aber Ich bin mir zu schade, gegen diese Mauer der Ignoranz anzurennen.
Neulich traf ich einen Mann meines Alters in Dapaong, der Sänger werden wollte…und dafür singen, dass die Weißen zurückkommen und Togo aufbauen. Am besten die Deutschen, die arbeiten so gut. Als Ich sagte, dass die Entwicklung von Togo vordergründig Sache der Togolesen ist, lachte er mich aus und sagte, Ich müsste mich wohl erst noch an Afrika gewöhnen. Danach wollte er ein bisschen Geld, um abends was trinken zu gehen. Jetzt lachte Ich und ging, in der Gewissheit, dass man mit Bildungsmangel viel, aber nicht alles entschuldigen kann. Zumal er Abi hatte!

Vor einigen Wochen begannen dann die Vorbereitungen für das jährliche Fußballturnier von IT VILLAGE. Per Radio wurde Werbung gemacht und darauf gehofft, dass sich die Nachricht vom einzigen Fußballturnier in einer 75.000 Einwohner Stadt inmitten einer Region ohne nennenswerten Veranstaltungskalender herumspricht. Doch falsch gedacht, die Trainer und Mannschaften kamen nur zögerlich und portionsweise, was den Prozess wie üblich über den Haufen warf und verzögerte.
Im Zuge dessen fuhr Ich mit Natalie, unserer Sekretärin durch Dapaong und klapperte Leute ab, die Geld und Interesse haben, etwas für ihre Region zu tun. Doch die Herren Bankdirektoren, Zöllner und Direktoren hatten besseres zu tun. Wir warteten ewig, wurden mit Floskeln abgespeist, man hätte hierfür kein Budget oder ähnlichem Mist. Auf Anfrage, ob man sich nicht privat beteiligen möchte, kam das allseits bekannte Lachen…jaja, ein Weißer fragt uns arme(!) Afrikaner nach Geld…wohl verrückt geworden. Man habe kein Geld…
Leute, die Geld haben, denen aber das Schicksal ihres Landes oder ihrer Region komplett am A…. vorbeigehen – ein Grund, wieso Ich den Glauben an eine nachhaltige Veränderung langsam verliere.

Naja, Ich könnte jetzt auch noch stundenlang so weiter schreiben, doch Ich glaube für einen Eindruck reicht es. Der September ist in greifbare Nähe gerückt und das ist schön.
Abschließend glaube ich, dass ich eben einfach nicht hierher gehöre.
Kategorien: Afrika

Weg zur...

Mi, 07/07/2010 - 12:54
Name der/des Freiwilligen: Ole Schwabe
Einsatzland: Togo
Projekt: Website/Öffentlichkeitsarbeit für IT VILLAGE
Berichtdauer: Januar 2010-März 2010


E
in Indikator dafür, wie schnell die Zeit hier tatsächlich vergeht ist dieser Bericht selbst. Ginge es nach meinem Bauchgefühl, so ist das Verfassen des letzten Zwischenstandes circa zwei Wochen statt drei Monate her. Auf dieses Gefühl sollte ich mich allerdings sowieso weniger verlassen, da sich im neuen Jahr allerlei unschöne Geschöpfe in meinem Magen-Darm Trakt eingenistet haben. Würmer, Salmonellen und Mikroben erweiterten in den letzten Wochen meinen medizinischen Horizont und bescherten mir neben horrenden Arztrechnungen ausreichend Zeit zum Nachdenken. Während dieser Stunden wurde mir nach und nach klar, das Ich mit meiner ehemaligen Aufgabe, dem Sportunterricht an den fünf Grundschulen, nicht mehr zufrieden bin. Der Hauptgrund dafür ist, das Ich keinen wirklichen Fortschritt in meiner Arbeit feststellen kann. Es ist auf Dauer mehr als ermüdend, mit beispielsweise einer zweiten Klasse alle zwei Wochen Vokabeln wie Ball, Tor oder Spieler einzuüben um dann festzustellen, dass die Lehrer trotz mehrmaliger Bitte die Wörter nicht mit der Klasse wiederholt haben. Gekoppelt mit den langen Motorradfahrten auf die Dörfer ergab all das eine Mischung, die sich mir nach und nach als Stagnation offenbarte. Eine verflucht teure allerdings, da die Spritkosten aufgrund der langen Fahrten zusehends explodierten. Somit kam neben meiner rapide sinkenden Motivation auch noch der Kostenfaktor hinzu.
Nach und nach gelangte Ich zu der Einsicht, dass Ich meine Energie sinnvoller und effektiver einsetzen kann.
Dies tue Ich nun mit der Einrichtung einer Website für IT VILLAGE sowie der Mit Organisation des jährlich stattfindenden Fußballturniers. Mit diesem sollen die Jugendlichen in Dapaong während der großen Ferien beschäftigt werden. Eine durchweg sinnvolle Sache, gibt es hier neben Rumsitzen und Hirsebier trinken kaum andere Freizeitmöglichkeiten. Jeder Stadtteil von Dapaong entsendet eine Mannschaft, hinzu kommen 5 Mannschaften aus den Projektdörfern von IT VILLAGE. Als Preise winken neben einer finanziellen Unterstützung hauptsächlich Sachpreise wie Bälle und Trikots, beides Mangelware im Norden des Landes.

Während der bereits erwähnten kreativen Phase des Nachdenkens kam mir wieder einmal der Gedanke, wie schnell die Zeit im Nachhinein tatsächlich vergeht. Ich erinnerte mich lebhaft zurück an den Tag, an welchem Ich mit einer unbestimmt-großen Anzahl an Schmetterlingen im Bauch aus dem Flugzeug stieg. Irgendwie skurril, all die damals so verwirrend-neuen Eindrücke in der Retrospektive an einem vorbeiflimmern zu sehen. Gleichzeitig auch interessant zu beobachten, wie sich eigene Wahrnehmungen, Ansichten oder Denkweisen über die Monaten hin verändern. Wahnsinn, das man zurückliegenden Wochen lapidar als ,,Alltag“ einstuft…Alltag, war das nicht eine Wurzel des Übels in Deutschland, welchem Ich entfliehen wollte? Und Deutschland? Erscheint mir das nicht aktuell in einem anderen, vielleicht entspannten Licht? Naja, ich bin gespannt wie lange diese Sicht nach meiner Rückkehr überleben wird.
Aber überhaupt die Rückkehr…allein der Fakt, dass Sie mir gerade in den Sinn kommt verdeutlicht, dass die Halbzeit meines ,,nach wie vor Abenteuers“ Togo längst erreicht ist. Auch wenn Ich mich nicht selten heimlich ins ,,geordnete“ Deutschland zurückgewünscht habe – irgendwie bin Ich mehr denn je froh, hier zu sein und andere Einflüsse auf mich wirken zu lassen. Keine Frage, Ich freue mich durchaus im September nach Deutschland zurückzukehren. Allerdings hauptsächlich unter dem Aspekt, mal wieder etwas neues, anders zu sehen und zu erleben. Meist meldet sich jedoch just zu diesem Zeitpunkt eine innere Stimme, die von anstehendem Studium, theoretischem Lernen und dem ,,Ernst des Lebens“ spricht.
Doch unter all den in den vergangenen Monaten gemachten Erfahrungen, befindet sich auch die, das Ich diese Stimme vermutlich nie komplett aus meinem Schädel herausbekommen. Vermutlich gehört sie sogar dazu. Was ja auch nicht verkehrt ist, denn nur so entsteht Vielfalt. Ein wichtiges Gut, wie mir in den letzten Monaten bewusst wurde. Und ein Gut, welches in Dapaong leider nur spärlich zu finden ist. Dies beginnt beim Essen, geht bei der Kultur weiter und endet schließlich bei der Erscheinung der Stadt. Die Menschen sind freundlich, aber haben sich, so zumindest mein Eindruck, größtenteils mit dem Status Dapaongs als kleine Provinzstadt abgefunden und stören sich nur selten an der Abwesenheit von kritischen Medien, Kulturveranstaltungen und Veränderungen.
Nach wie vor fasziniert mich die Dichte an neuen und ungewöhnlichen Erfahrungen und Beobachtungen, welche ich hier tagtäglich machen darf. So zum Beispiel auf langen Fahrt ins gefühlte Niemandsland, das Grenzgebiet zwischen Burkina Faso und Togo. Dort sind wir aktuell unterwegs, um Honig für unser Imkerei Projekt zu kaufen und der örtlichen Bevölkerung Aufbau und Ziele des selbigen nahezubringen. Würde man Dapaong, die mit Abstand größte Stadt der Region schon als ,,dörflich“ bezeichnen, so gehen einem beim Anblick der kleinen Ansammlungen von zerfallenen Lehmbauten und windschiefen Marktständen allmählich die Adjektive aus. Egal, wo wir uns inmitten dieser Dorf-gewordenen Improvisation auch bewegten- selten waren wir von weniger als 20 Kinder und Erwachsenen begleitet. Weiße verirren sich eigentlich nie in diese Gegend und dementsprechend groß war das Erstaunen der Menschen. Schwieriger als gedacht gestaltete sich auch das Aufkaufen der Honigvorräte. Entweder hatten die Imker den Honig bereits an Händler verkauft oder er war mit Wasser gestreckt. Somit lag der Schwerpunkt auf der Aufklärungsarbeit mit den lokalen Imkern. Erst in zwei bis drei Jahren, so schätzt unser Projektleiter Prof. Jacques Koidima, werden die Strukturen in der Region soweit fortgeschritten sein, dass flächendeckend qualitativ hochwertiger Honig eingekauft werden kann.

Alles in allem fühle ich mich im Moment, bedingt durch die neuen Aufgaben, deutlich wohler als noch vor einigen Monaten. Auch wenn mir manche Denkweisen und Ansichten der Menschen nach wie vor fremd erscheinen, so finde ich nach und nach kleine Wege und Möglichkeiten, besser damit umzugehen.
Kategorien: Afrika

Der lange...

Mi, 07/07/2010 - 12:51
Name der/des Freiwilligen : Ole Schwabe
Einsatzland: Togo
Projekt: Sportunterricht an 5 Grundschulen im Großraum Dapaong
Berichtdauer: September 2009 bis Dezember 2009



Von Mobas, Mühlen und Mentalitäten – Oles Zwischenstand aus Togos Norden


Im Nachhinein hat es mir vor Beginn meines Freiwilligendienstes in Togo sicherlich an vielem gefehlt…nicht an engagierter und differenzierter Vorbereitung von Seiten meiner Entsendeorganisation, der lkj) Sachsen-Anhalt, nein, vielmehr an persönlichen Fertigkeiten und, in weiten Teilen, sicherlich auch einfach an Erfahrung. Beispielsweise wurden die beiden Taschen in einer Stunde, sowie der sicheren Überzeugung gepackt, man wisse schon intuitiv, was man so brauche…schließlich fährt man ja nicht das erste Mal weg. Gute Ratschläge der Eltern gingen in der Aufregung, die zumindest ich mir selbst nicht so recht eingestehen wollte, sowieso unter. So öffneten sich die Türen der Air France Maschine am Abend des 5. Septembers in Lomé für mich bereits in der sicheren Gewissheit, mit 19 Jahren beim Thema Ausrüstungsliste doch bitte noch lernfähig zu bleiben.
Welch Erkenntnis nach 6 Stunden Flug, den Maja, die zweite Freiwillige im Bunde und ich zufällig neben einem deutschen Entwicklungshelfer verbrachten. Dieser hatte auch durchaus Interesse, uns schon mal flächendeckend über die örtlichen Gepflogenheiten aufzuklären und mit einigen,, Insider-Tipps“ zu versorgen. Der Fakt, dass schon das Auswählen eines Bord-Menüs in Landessprache für mich einige Schwierigkeiten barg, ließ meinen Puls dann endgültig im Bereich der 170er- Marke verharren und so schwebte ich auf einer Adrenalin-Wolke meinem Jahr in Togo entgegen.
Zurück zu dem Punkt, an dem die Tür aufging und ich togolesischen Boden betrat. Schon der erste Eindruck war eine nicht ganz unerhebliche Spur schwüler und wärmer, als ich es mir fünf Minuten vorher noch vorgestellt hatte. Das Gefühl, gegen eine Wand aus Dampf und Wasser zu rennen, hatte in diesem Moment durchaus etwas Exotisches und so taumelte ich mit dem schönen Gefühl ,,Vorfreude“ im Bauch das Rollfeld entlang zum Bus. Nach den doch etwas langwierigen Einreisekontrollen, dem ersten Kontakt mit den schon im Titel erwähnten (bürokratischen) Mühlen, wurden wir von Vertretern unserer Partnerorganisation freudig empfangen.
Auch wenn noch einige folgen werden…an dieser Stelle schon einmal ein großes Dankeschön an Etienne Dablé, den Präsidenten unserer Organisation IT VILLAGE, der uns in den darauffolgenden Tagen bei sich wohnen lies und uns große Teile der Stadt, sowie des Umlandes zeigte. Auch dass wir mit ihm am Anfang Deutsch sprechen konnten, hat uns den Start in eine so neue und ungewohnte Kultur ungemein erleichtert.
Unmöglich zu beschreiben, was einem in den ersten Tagen in einer Stadt wie Lomé durch den Kopf geht und in seinen Bann zieht. Ich persönlich hatte eigentlich die ersten Wochen immer das Gefühl, von all den Eindrücken regelrecht erschlagen zu werden. Mit der Zeit gelang es mir ein wenig, all die Bilder zu ordnen und einen Weg zu finden, das Gesehene auch zu ,,verdauen“.
Nach zwei Wochen in Lomé brachen wir mit Etienne, einigen seiner Mitarbeiter, sowie einer dreiköpfigen Gruppe um DAZ-Präsident Hinrich Kuessner, in Richtung Dapaong, (Savannen Region) im Norden Togos, auf.
In dieser Gegend ist die IT VILLAGE seit knapp drei Jahren in Kooperation mit der Deutsch-Afrikanische Zusammenarbeit e.V. im Bereich Bildung und Trinkwasser tätig. Die rund zehnstündige Fahrt führte uns einmal komplett von Süd nach Nord durch das ganze Land. Vielerorts konnte man schnell vergessen, dass man sich auf der internationalen Handelsstraße vom Lomé nach Ougadogou befindet: Schlaglöcher in der Größe kleiner Kälber, abgebrochene Fahrbahnränder, sowie defekte LKWs, welche die einzige Spur als Pannenstreifen nutzen. All diese Sachen nahmen zu, je näher wir Dapaong kamen…und da war sie wieder-die Adrenalin-Wolke. Allerdings holperte ich diesmal, inzwischen schon etwas auf dem (unebenen) Boden togoischer Realität angekommen, meiner neuen Wahlheimat entgegen. Passenderweise war es schon dunkel, sodass die Spannung bis zum nächsten Morgen anhielt. Erst dann konnten Maja und ich die Umgebung rund um unsere Bleibe, einen großen Bungalow mit Innenhof, etwas erkunden und feststellen, dass diese Stadt nochmal anders als Lomé ist.
Die Schätzungen bezüglich der Einwohnerzahl Dapaongs schwanken zwischen 30.000 und 75.000 Menschen, wobei man nie genau weiß, wo Dapaong genau anfängt oder endet. Sicher ist nur, dass unser anfänglicher Eindruck wie klein, ländlich und überschaubar die Stadt doch ist, nur kurz andauerte-nämlich bis zum ersten Besuch eines Dorfes ca. 15 km von der Provinzhauptstadt entfernt. Das war in der Tat doch eine der größten Umstellungen und Überraschungen für mich. Die Gehöfte der Mobas, der regional vorherrschenden Ethnie, liegen oft weit auseinander und dementsprechend einsam in der Savanne. Für Außenstehende unmöglich zu bestimmen, wo ein Dorf endet oder beginnt. Die Wege dorthin sind meist schlecht und selbst in der Trockenzeit nur schwierig befahrbar. Die Bevölkerung lebt ohne Strom und fließendes, geschweige denn sauberes Trinkwasser, hauptsächlich vom Ackerbau und der Kleinviehhaltung. Da die meisten von ihnen ausschließlich Moba sprechen, ist die Verständigung schwierig und ein Aufbegehren gegen die weitestgehend ausbleibende Hilfe aus dem Süden nur schwer möglich. Unsere Arbeitsplätze, die Grundschulen der jeweiligen Dörfern, erscheinen da wie Inseln, Hoffnungszentren an denen das knappe Gut,, Bildung“ an die nächste Generation verteilt wird. Doch bei Klassenstärken ab 40 Schülern aufwärts dominiert der Frontalunterricht und das Antworten im Chor. Stellen sich bei Einzelnen die Lernerfolge dann womöglich nur schleppend ein, so wird, zur weiteren Verinnerlichung des Stoffes, der Stock verwendet.
Doch mit speziell diesem Problem sollten wir uns noch früh genug auseinandersetzen. Die ersten zwei Monate verbrachten Maja und Ich mit dem Aufbessern unserer Französisch-Kenntnisse, was, ehrlich gesagt, auch so seine Zeit in Anspruch nahm und den Mitarbeitern von IT VILLAGE täglichen Rätselspaß frei Haus lieferte. Inzwischen ist zumindest das Französisch etwas gefestigt und die anderen sind versiert im Erraten von missverständlich ausgesprochenen Vokabeln.
Der Grund für die Verzögerung unseres Arbeitsbeginnes liegt bei unserer zweiten Begegnung mit den langsamen, bürokratischen Mühlen. Bis alle Genehmigungen für unsere Arbeit eingeholt waren, gingen einige Tage ins Land. Wir begleiteten die Mitarbeiter vor Ort bei ihren Touren durch die Region und bekamen so einen guten Überblick über die Lebensverhältnisse der Landbevölkerung.
Doch die Motivation, die Arbeit mit den Kids zu beginnen, stieg von Tag zu Tag- sahen wir doch bei jeder Tour am Beispiel der alten Dorfchiefs, dass nur die nächste Generation Veränderung bewirken kann und welch katastrophalen Folgen das jahrzehntelange Zurückhalten jeglicher Form von Bildung hat.
Mitte November hielt ich dann schließlich meine erste Sport-Stunde und hatte relativ schnell den Eindruck, dass man nach einer Eingewöhnungszeit, trotz mangelnder Gerätschaften viel mit den Kids unternehmen und üben kann. Große Klassen und die ca. ab 10.00-15.00 Uhr einsetzende Hitze machten den Plan, 3 Tage in der Woche an die Schulen zu fahren, schnell zunichte. Es kostete mich einige Zeit, unsere Geschäftsführerin zu überzeugen, dass ich 5 Tage in der Woche brauche. Ihr Argument, dass mich all die Motorradtouren und Sportstunden zu sehr ermüden würden, war nicht ganz falsch-ein normaler Tag beginnt um 6.00 und endet um 20.00 Uhr todmüde im Bett. Sobald einem am nächsten Morgen jedoch die ersten Kinder ein kollektives ,,Yovo,Yovo Bon soir“ zuwerfen, ist die Müdigkeit weg-ein, wie Ich finde, gutes Zeichen und gleichzeitig eine meiner Motivationsquellen.
Das Ziel meiner Arbeit sehe ich vor allem in der Vermittlung grundlegender sportlicher Fähigkeiten aus dem Bereich Koordination, Geschicklichkeit, sowie in den höheren Klassen Spieltaktik, Fairness, Regeln .Meiner Meinung nach eignet sich der Sport hierzu gut, da die Berührungsängste gering und die sprachlichen Unterschiede leicht durch Zeichensprache und Gesten behebbar sind. Gerade in den unteren Klassen ist die Faszination, dass ein Weißer vor einem herum gestikuliert, groß- 3-4 neue Vokabel pro Stunde kann man den Kleinsten so durchaus ,,unterjubeln“-in meinen Augen ein guter Ausgleich zum sonst vorherrschenden Schreien nebst Stockschwingen. Schwierig ist es dort, wo der Lehrer beinahe maßlos wütet und die Schulanfänger bereits so verschreckt hat, dass es auch mir schwerer fällt, das Vertrauen der Kleinsten zu gewinnen. Überhaupt die Mentalitäten…für mich ein Teilaspekt des großen Problemfeldes und somit durchaus relevant für den Titel meines Berichtes. (Außerdem passte es gut in die vorhandene Alliteration ).
Egal ob Tischsitten, Verkehrsregeln, Sicherheitsstandards oder Tierhaltung- Togo und Deutschland trennen einige Welten. Dennoch, oder vielleicht gerade deshalb, ist die ,,Faszination Deutschland“ hier ungebrochen. Für mich, als kritisch-denkender, ,,sein“ Land nach dem Abitur schnellst-möglichst verlassender junger Mensch (Ok, weit ausgeholt.. .), ein befremdlicher Kult. Doch auch das wandelte sich etwas mit der Zeit. Inzwischen denke Ich anders über so viele Dinge und das macht den täglich erlebten Unterschied so spannend. Bis Ich allerdings mit dem in Togoville, dem Ursprung deutscher Kolonialherrschaft, lebenden Prinz Mlupa ,, Deutschland, ,Deutschland über Alles“ anstimme, fließt noch viel Wasser den Omo hinunter. Auch wenn seine Erklärung, die Zeile symbolisiere den zum Schutz(!) über Allen schwebenden deutschen Adler, von wahrhaftiger Kreativität (oder frechem Geschichtsrevisionismus) zeugt.
Obwohl viele Erlebnisse aus Platz-und Zeitmangel außen vor geblieben sind, soll der Bericht langsam sein Ende finden. Beim Durchlesen merke ich, dass er eigentlich wie meine ersten drei Monate hier geworden ist… Mal ernst und vor den Problemen kapitulierend, mal humorvoll bis ironisch, weil man ohne diese Dinge schnell an Grenzen stößt, alles in allem ein bisschen ungeordnet und anders….Aber somit letztendlich wie das Land und seine Städte, in dem Ich seit gut drei Monaten lebe und dessen herzliche und nette Menschen mich jeden Tag aufs Neue faszinieren. Größtenteils bin ich wohl angekommen- nicht zuletzt Dank der tollen Unterstützung von IT VILLAGE, die nicht nur den Menschen in der Savannenregion Hilfe und Unterstützung zukommen lassen. Auch Maja und ich erfuhren viel Aufmerksamkeit und hatten bei Problemen aller Art stets mehrere kompetente, interessierte und offene Ohren um uns herum. So können auch wir langsam versuchen, unseren kleinen Beitrag zur Unterstützung der Menschen hier vor Ort zu leisten.
Elisabeth Marie Mars von der Arbeitsstelle Weltbilder e.V. hat recht- wir haben großes Glück, hier sein zu dürfen.
Und ruft man sich dieses ab und an wieder in Erinnerung, so vergehen auch seelische Durchhänger, ohne Narben zu hinterlassen.
Kategorien: Afrika

Lehrer werden ist nicht schwer...

So, 06/20/2010 - 15:47
Lehrer sein dagegen sehr!

Vom Wissen, seiner Weitergabe und Wertschätzung



Aus Togo berichtet Ole Schwabe. Ole ist WELTWÄRTS-Praktikant und arbeitet ein Jahr, noch bis September 2010, an Dorfschulen, die die Leser der E&Wplus schon kennen. In Kourdjoak, in Nagre II und beim Verein IT Village, den die Mitglieder der GEW in M-V seit drei Jahren durch Spendenaktionen unterstützen.



Lehrer werden ist nicht schwer, Lehrer sein dagegen sehr. Ein wahrer Satz. Auch in Deutschland.



Und noch mehr hier in Togo, wo der erste Teil dieser Volksweisheit noch zutreffender zu verstehen ist als in vielen anderen Teilen der Welt, insbesondere in denen der sogenannten Ersten. Doch auch des Spruches zweiter Teil steht bei genauerem Betrachten eher für Unterschiede als für Gemeinsamkeiten.



Stellen Sie sich vor, sie haben ungefähr 80 Kinder in der ersten Klasse zu unterrichten. Von diesen 80 Kindern kann im schlechtesten Fall kein einziges ein Wort der offiziellen Unterrichtsprache. Sie sprechen lediglich ihre traditionelle Sprache, die Sie als Lehrkraft wiederum, da einer anderen Ethnie zugehörig, weder sprechen noch verstehen. Ihr Unterricht findet in einem Klassenraum ohne Tische oder Bänke statt, die Wände sowie das Dach sind aus Grasmatten, Hirse- oder Maisstielen. Der Boden ist aus Staub. Auf ihm sitzen ihre Schützlinge, ohne ein einziges Buch oder Heft in der Hand. Sie haben eine mit schwarzer Farbe auf das angrenzende Mauerwerk gemalte Tafel zur Verfügung, jedoch keine Kreide.
Hin und wieder fallen Schlangen von der Decke, die sich in dem Geäst über Ihnen und Ihrer Klasse versteckt halten. In der Regenzeit tropft es aus eben dieser Richtung so heftig, dass sie ihren Unterricht abbrechen müssen. Aber egal, welche Unbillen Ihren Unterricht beeinflussten, am Ende des Jahres muss Ihre Klasse eine zentrale Prüfung bestehen, um in die nächste Stufe vorrücken zu können.



Ach ja, Sie haben übrigens keine einzige Minute Vorbereitung auf diese Aufgabe genossen – mit Ausnahme ihrer eigenen Schulzeit. Sie arbeiten Jahre lang, ohne auch nur einen einzigen Cent Gehalt zu sehen.
Dieses soll nämlich von der Dorfgemeinschaft übernommen werden, die Sie engagiert hat. Aber die Dorfgemeinschaft besteht größtenteils aus Subsistenzbauern, einfachen Menschen, die selbst nicht ausreichend Geld verdienen.



Ich weiß nicht, ob man Sie sich das vorstellen können. Ich konnte es nicht, kann es immer noch nicht. Doch das ist nicht der entscheidende Punkt. Man muss es sich nicht vorstellen können. Es geschieht auch so. Täglich. Seit Jahrzehnten. In einer Region, die nachhaltig gesehen nichts dringender braucht als Bildung. Sie liegt im Norden von Togo, ist die ist die mit Abstand Ärmste des Landes und bekam ihren Namen nach der in ihr vorherrschenden Landschaftsform, der Savanne.
Amtssprache ist hier Französisch, es dominieren jedoch lokale Sprachen wie Moba, Tschokossi oder Gourmantché. Ein Großteil der Bewohner aus den weitläufigen, ländlichen Gebieten hat nie eine weiterführende Schule besucht, oftmals nicht einmal die Grundschule. Sie sind so zum Spielball der herrschenden Klassen gemacht, vor den Wahlen mit Alkohol, T-Shirts mit Konterfei des Präsidenten und Lebensmittelspenden bedacht worden, ansonsten alleine gelassen.

Um in diesem Zusammenhang Kennedys berühmtes Bildungszitat ein weiteres Mal aufzuwärmen: Es gibt Sachen, die auf Dauer teurer sind als Bildung. Beispielsweise Lebensstil, Fuhrpark und Anwesen der Mächtigen in diesem Lande.



Zurück zur unserer Vorstellung. Ihre Arbeitsumstände sind Realität, auch als ausgebildeter und vom Staat bezahlter Lehrer. In diesem Fall erhalten Sie während der Schulzeit ein dürftiges Gehalt, welches die Wertschätzung für Bildung von Seiten des Staates deutlich aufzeigt. Arbeiten Sie jedoch freiwillig, so können sie nur sporadisch mit Unterstützung des Staates rechnen. Eine Art Zubrot also, und fragen Sie nach einer solchen Zuwendung in ihrem Kollegenkreis herum, so werden Sie feststellen, dass weitaus nicht jeder ihrer ehrenamtlichen Kollegen dieses auch jemals erhalten hat. Das mag mitunter politische Gründe haben, vielleicht ist es auch einfach nur Zufall.



Dennoch, Sie machen weiter, sehen keine andere Möglichkeit für sich und Ihre Familie. Um Disziplin und Ordnung in die Klasse zu bringen, vielleicht auch nur, um eigenen Frust abzubauen oder einfach nur aus Glauben an die Wirkung schlagen Sie die Kinder. Wenn sie zu spät zum Unterricht erscheinen, Mist gebaut haben oder auch, wenn sie beispielsweise nicht lesen oder rechnen können. Ihnen fällt nicht auf, dass die Kinder dadurch bereits in jungen Jahren einen deutlich schlechteren Lernerfolg als andere Klassen aufweisen. Sie kennen es nicht anders. Ihre Ausbildung war Ihre eigene Schulzeit. Sie wissen, dass es offiziell verboten ist, die Kinder zu schlagen, man aber auch keine Strafe fürchten muss.



Eventuell gehören Sie jedoch auch zu einem anderen Schlag Lehrer. Für Sie galten und gelten alle genannten Voraussetzungen, Sie haben die gleichen Bedingungen zu ertragen, zu erleiden. Aber Sie haben eine Vision, sehen Ihren Job als Berufung an, als Ihre Möglichkeit, im Kleinen etwas zu verändern.



Sie spüren, dass Bildung der stabilste und beste Weg aus der Armut ist und verfolgen mit ihrer Arbeit ein ambitioniertes Ziel. Sie entwickeln eigene Methoden – ohne Stock und Anschreien. Sie zeigen, dass es anders geht und Ihre Klasse ist das beste Beispiel dafür.

Vielleicht konnten Sie sich die beschriebene Lehrkraft im letzten Absatz besser vorstellen. Vielleicht können Sie sich mit ihr auch einfach besser identifizieren. Aber beides ist hier in der Savannenregion leider nicht vielen Menschen vergönnt.



Die Vision der beschriebenen Lehrkraft beeindruckt Sie? Sein Durchhaltevermögen, das er an die Kraft zur Veränderung glaubt und sie tagtäglich weitergibt? Weil er in elf Jahren ohne Gehalt nie vergessen hat, welche Chance er Kindern durch seine engagierte Arbeit ermöglicht?



Dann unterstützen Sie unsere Arbeit! Helfen Sie mit, damit Menschen wie Souke Kankpiame, einer dieser „besonderen“ Lehrer aus Nagre II, weiter an ihrer Vision arbeiten können, sie und ihre Schüler Schulbücher und Unterrichtsmaterialien zur Verfügung haben und von ihrer für die Gesellschaft unersetzlichen Arbeit leben können.



Die Savannenregion braucht keine Almosen und ihre Menschen brauchen kein Mitleid und Bedauern. Sie brauchen Unterstützung, um sich selbst helfen zu können. Und das nachhaltig, kontinuierlich, in einem aus ihrem Inneren angestoßenen Prozess.



Geld alleine löst kein Problem, nicht ein einziges. Aber Geld bei den richtigen Adressaten kann sehr viel bewirken. „Monsieur Souke“, wie ihn seine Schüler und inzwischen auch die Kollegen anerkennend (und manchmal auch etwas neidisch) nennen, ist einer dieser Adressaten, die die Zukunft vor Augen und im Kopf haben, wenn sie von ihren „Kleinen Brüdern“ sprechen, die eines Tages ein modernes Togo lenken. Souke Kankpiame ist ein in jeder Hinsicht gutes Beispiel, weitere werden folgen und wir würden uns freuen, wenn Sie durch ihre Hilfe zu Teilhabern unserer Vision würden.
Investieren Sie in eine junge Generation, damit diese neue Wege gehen und alte Fehler vermeiden kann. Ich bedanke mich im Namen aller Engagierten für Ihre Aufmerksamkeit, Ihr Interesse und Ihren Weitblick!

(erscheint in der Juli Ausgabe der Erziehung & Wissenschaft plus)

Wer interessiert ist, mehr Infos zu diesen oder anderen Themen aus der Savannenregion möchte:

ole-schwabe@web.de
Ich freue mich!

Mehr Infos zum Thema:
Verein für Deutsch-Afrikanische Zusammenarbeit (DAZ e.V.)
www.daz-eu.de
Kategorien: Afrika

Ehrlich gesagt, die Zeit...

Fr, 06/18/2010 - 19:18
...vergeht und mit ihr einige liebgewonnene Ansichten, an sich gemütliche, kleine Kuschelhöhlen, die Schutz vor harten Einsichten boten.
Doch irgendwann muss man eben doch vor die Tür und dann brechen so einige Illusionen über einem zusammen.
Geschieht das an der basis, erschüttert das Epizentrum dieses ,,Bebens" also deine Wurzeln und grundlegensten Ansichten, so ist das verdauen nicht unbedingt einfach...es braucht Zeit und erstmal keine Öffentlichkeit. Es nimmt dich gefangen und zieht dich mitunter ein wenig runter, sodass man nicht unbedingt gewillt ist, denn ganzen Scheißdreck wieder und wieder durchzukauen und womöglich noch grundlegend zu erklären.

Deswegen ist da Abkapselung nicht unbedingt verkehrt, zumindest in meinem Fall. Soweit also die Kurzversion, wieso Ich mich so selten melde... Jeder kennt denke ich die Momente, wo man kein Bock auf reden hat-Voila!

insofern hab ich wirklich so meine,,ole-gründe", die man vielleicht auch nachvollziehen kann.nicht permanent an orte zu denken, an denen man sich wohler gefühlt hat ist einfach Selbstschutz.
Man lebt halt sein Leben hier...für ein Jahr, gespickt mit Einsichten,Scheiße, intensiven und prägenden Erlebnissen, Reflexionen und wie sie alle heißen.
Irgenwann musste/wollte Ich mich verabschieden von der im Rückblick als verklärt zu bezeichnenden Sicht der ersten Monate.
,,Es ist warm, aufregend-anders und spannend, die essen hier Hund und sind alle super nett und relaxed" reicht irgendwann nicht mehr aus, um Erklärungen zu finden und zusammenhänge herzustellen...

Die Einsichten kommen nicht mit Hämmern, nein, eher in Form von Fuchsfallen, Schlaglöchern,Stolperdrähten und ähnlichem...hübsch portioniert und komplex-eindeutig in Aussage und Erscheinung.

Ich schreib kompliziert, weil Ich kompliziert bin und kompliziert denk (Curse)...der letzte Blog war sicher kein Lesevergnügen oder flott geschriebener Erlebnissbericht-sollte es aber auch nicht sein.
Vielmehr ein annährend realistisches Abbild von meinem Kopf-Chaos, fußend auf Ungerechtigkeiten und scheinbar offensichtlichen Misständen.
Nöö, gut finden muss man das nicht!

Ist schon seltsam, wie alles so verlaufen ist von damals (weltbewegende 9 Monate her :-))bis heute...irgendwie verschwimmen die letzten Monate vor meinem geistigen Augen schon zu einer gleichförmigen Sauce mit einzelnen Fleischeinlagen. Diese bilden in diesem Falle Highlights, herausragende Erlebnisse oder die Moment, wo einen alles historisch angekotzt hat.Letzteres ist nicht schlecht vertreten.

Meine zeit verbringe Ich hauptsächlich vor dem PC, Artikle oder Websitetext, Projektbeschreibungen,Anträge etc. schreiben und sich 24/7 den Kopp zerbrechen. Aber eine steigerung zu der sportgeschichte davor...in bezug auf eigene Interessenfördeung, Wirkungsgrad, Schonung des Nervenkostuems...Aus der Endphase dieser Zeit stammt auch die Erkenntniss, dass eine Vielzahl von Leuten erstmal selber ihren Hintern bewegen müssen, bevor yovo yovo oder sonst jemand ihnen helfen kann.
Die Kultur des Schenkens ist ein dickes problem bei einer nachhaltigen Hilfe...auch so eine ansicht...durch Altkleiderspenden oder ähnlichen ,,solidarischen" Geschenken geht es hier(!) keinem besser...im gegenteil, wozu selbst was tun...die Weißen werden schon was tun.
All dieser schwachsinn gipfelte in einer begegnung aufdem Markt mit einem mann in meinem Alter.
Er hing im CD Laden von Dapaong ab, will Sänger werden und dafür singen, dass die weißen wiederkommen und Togo aufbauen. Als ich sagte, dass das vorderangig die Aufgabe der Togolesen ist, lachte er über die weltfremden ansichten des Weißen.
nein, die Deustchen sollen kommen und Straßen bauen, denn die Arbeiten so gut und hart.
Ich ahtten den ganzen tag vor dem PC verbracht, über die region geschrieben bis es mir aus den ohren heraus kam. Diese zehn Stunden waren die grundlage für den folgenden Wutanfall.
Soviel Dämlichkeit und Ignoranz bei einem Abiturienten führten mich nahe an meine toleranzgrenze heran.

Einen derartigen Scheiß hatte ich lange nicht mehr gehört, und dass will hier schon was heißen.

Schon wieder abgeschweißt...naja wollte eigentlich sagen, dass der hiesige Kulturkreis nebst mentalität nicht zu meinen Favoriten zählt...naja, mein Gott ich wollte Klarheit und Erkenntnisse und here we go...
Deswegen freue ich mich, im September mal wieder was anders zu sehen...Vielfalt ist definitiv eines meiner hohen Güter-Und das ist auch gut so.

Aber eigentlich geht es mir gut, gesundheitlich besser als seelisch:-), aber wenigstens lernt man mal endlich so richtig abstumpfen und konsequent sein-anders geht es nicht.
Ich blicke nach vorne-im wahrsten Sinne des Wortes. Die Problematik wird mich weiter beschäftigen und nicht loslassen aber ich freue mich auf Studium und Neues...

Wahnsinn, vor einem Jahr war Abi gerade rum...komisch, dass kommt mir wie ein anderes leben vor...Grüße an die Leute, die es rum haben und ein Stück freier sind!
Machtwas draus und viel spaß beim Feiern! Den anderen übrigens auch!:-)

Ich genieße jetzt meinen Freitagabend dank...in Dapaong steigt wie immer nix. Wollen wir doch mal sehen was das gibt...vll. nix?

Schöne Grüße & bis bald

ole
Kategorien: Afrika