Semangat
Das ist indonesisch und heißt so viel wie „Kopf hoch“ oder „Weitermachen“. Letzten Sonntag gab es ein Treffen an dem die Freiwilligen sowie zwei Frischlinge teilgenommen haben. Nach einem Blick in die Runde sagte mir Miriam, die auch Freiwillige in Salatiga ist, dass wir im Vergleich mit den Neuen doch wirklich fertig aussehen würden; irgendwie ausgelaugt. Also gilt dieser indonesische Aufruf nicht nur für mich, sondern für alle Weltwaertsler, die, jeder für sich und auf unterschiedliche Weise, in letzter Zeit mit Problemen zu kämpfen hatten. Nachdem der abwechslungsreiche Urlaub in Vietnam nun hinter mir liegt, versuche ich die letzten Monate unbeschadet zu überstehen und ein paar meiner Ideen zu realisieren.
Im Aufbruch
Kauman sollte kurz vor dem Urlaub noch einmal in Bewegung kommen. Während ich versuchte mit gutem Essen, Fitness Club und Capueira verlorene Pfunde wieder aufzunehmen, steckte ich wieder mehr Zeit in das Waisenhaus. Auch möglich, weil ich in der Schule dank Tests öfters zu Hause bleiben konnte. In Kauman haben wir uns neben den Englisch-Stunden Miriams Laptop zum Filmegucken ausgeliehen, Karten gespielt, Pfannekuchen gemacht oder große Putzaktionen gestartet, um das Waisenhaus auf Vordermann zu bringen. Währenddessen kam der Englischunterricht in Soka nur selten zu Stande, aber dort hatte ich auch andere Prioritäten. Nach erfolgreichen Mülltrennungsversuchen sollte nun ein anderes System das große Abfallloch und grobe Verbrennen im Garten ersetzen. Vor Vietnam traf ich mich deswegen noch einmal mit allen wichtigen Muhammadiyah Führern in Salatiga. Es wurde vereinbart, dass die Organisation für den Bau des Verbrennungsofens aufkommt und dass das Geld, das die Organisation für unsere Unterkunft bekommt, dafür genommen wird (da wir in Salatiga zusammen mit Indonesiern im Waisenhaus wohnen, entstehen für Muhammadiyah so gut wie keine Kosten). Bis zur meiner Rückkehr nach Indonesien sollte also ein Verbrennungsofen in Soka stehen.
Zuvor nahm ich Mitte April noch an einem Seminar von IIWC teil, um im Sommer als Campleader ein 2-wöchiges environmental Workcamp in Mangkang zu leiten. Allerdings wurde mir etwas später mitgeteilt, dass meine Teilnehmer in ein anderes Workcamp geflüchtet waren, Mangkang wird deswegen nicht stattfinden. Stattdessen kommen nächstes Wochenende alle Freiwilligen zusammen, um dort mit den Einheimischen Müll zu sammeln und aufzuräumen. Dieses gemeinsame Arbeiten nennt man „kerja bakti“, was praktisch bedeutet, dass das Dorf an einem freien Morgen gemeinsam sauber macht. Auch geplant ist, dass wir einige große Schilder mit Comics aufstellen, um Themen wie Umweltverschmutzung und Mülltrennung etwas anschaulicher darzustellen. Und auch wenn ich kein eigenes Workcamp leite, bleibt immer noch die Möglichkeit an Einem teilzunehmen.
Die Reise beginnt…
So gemütlich Salatiga doch ist, konnte ich es kaum erwarten mit neuem Trekking Rucksack meine große Reise anzutreten. Letztere führte mich, meine Reisebegleitung Astrid und einen großen Teil von IIWC zunächst nach Yogjakarta, wo wir uns Projekte von BORDA angucken wollten. Die Idee kam von meinen Patenonkel Stefan, der bei BORDA Bremen arbeitet. Vor Ort trafen wir uns mit anderen Weltwaertslern, die teils oder schon ganz mit dem Studium fertig waren und bei der Organisation für knapp ein Jahr arbeiteten. Sie stellten uns BORDA vor und zeigten uns ein dörfliches Mülltrennungs-Projekt, wo auf einfachem Wege guter Kompost hergestellt wird, der später verkauft werden kann. Den Abend verbrachten Astrid und ich bei den Weltwaertslern. In einem indischen Restaurant feierte ich in kleiner Runde meinen Geburtstag und übernachtete danach im Freiwilligenhaus (mit Pool, Brot, Nutella und Käse…!).
Bald darauf flogen wir nach Kuala Lumpur, wo wir Miriam trafen, die für eine Woche mit uns nach Vietnam fliegen wollte. Leider wurde ich in dieser Zeit von einer heimtückischen Mücke gestochen, die ein paar Dengue-Fieber Viren in sich hatte. Zwei Tage nach unserer Ankunft in Hanoi bekam ich Fieber und Magendarmprobleme und lag für knapp 2 Wochen im Bett. Auch war auch die Diagnose der internationalen Klinik falsch, wodurch ich innerhalb von drei Wochen zum zweiten Mal Antibiotika einnehmen musste, das bei einer Virenkrankheit bekanntlich nicht von großem Nutzen ist. Zudem hatten wir auch keine positiven Begegnungen mit Vietnamesen. Wir wurden durchgehend verarscht, an falschen Plätzen ausgesetzt, unfreundlich behandelt und konnten nicht verstehen, warum viele ehemals schöne Stellen in Vietnam zugebaut waren mit hässlichen Hotels aus Beton. Das alles machte die eigentlich kostengünstige Backpacker-Reise dort wirklich nicht zu einer schönen Angelegenheit. Von Hanoi aus führte unsere Route über Halong Bay bis in die südliche Stadt Ho Chi Minh und zusammen mit gesundheitlicher Besserung wurden auch die Menschen wieder freundlicher. Ich hatte das Gefühl, dass der ehemals „westliche“ Süden auch jetzt noch eine andere Mentalität und Einstellung zum Westen hat als der Norden. Endlich war ich wieder so fit, um im Hochgebirge nahe Ho Chi Minh mit Astrid und Führer eine Motorrad Tour zu machen, im Meer vor Mui An Windsurfen zu gehen und in vielen Restaurants den vorzüglichen Fisch in Claypot, frische Frühlingsrollen und die anderen leckeren Meeresgerichte zu essen. Gegen Ende hatten wir das Gefühl, dass der Süden in unserer Reise zu kurz gekommen war, aber trotzdem freuten wir uns einen Keks wieder Richtung Indonesien zu fliegen.
Zu Hause angekommen
Anders als bei meiner zweiten Einreise aus Malaysia, hatte ich dieses Mal das Gefühl nach Hause zu kommen. Die freundlichen Menschen und neugierigen Blicke, der Geruch, das langsame Vorwärtskommen bei Schaltern und Kassen, die bekannte Sprache, das von außen scheinbar chaotische Durcheinander… Indonesien hatte uns wieder!
Nach einem gemütliche Übergangswochenende in Semarang fuhr ich mit Miriam zurück nach Salatiga, wo mich ein Zimmer erwartete, in dem der Schimmel sich nicht nur in sämtliche Klamotten breitgemacht hatte, sondern auch auf Taschenmessern, in Kulturtaschen, Bürsten, Pässen, Ordnern, Schränken; das ganze Zimmer war ein Sporenparadies. Nach zwei Tagen im Putzeifer, 2 ausgetauschten Schränken, 2 Litern Spiritus, und einem riesigen Berg Zeugs, das niemandem gehörte, bin ich dem Schimmel einigermaßen Herr geworden und schlafe jetzt mit durchgehend geöffneten Fenstern und der Spritus-Sprühflasche in der Hand.
Als ich zum ersten Mal nach dem Urlaub wieder nach Soka kam, wurde ich überrascht von einem kleinen Geburtstagskuchen und einem gemauerten Ofen, der im abgemachten Zeitplan fertig wurde (keine Häufigkeit in der indonesischen Arbeitswelt!). Gleich fürs Wochenende setzten Miriam und ich ein kurzes Workcamp an, um den Verbrennungsofen anzumalen und eine Kompostanlage nach BORDA Vorbild zu bauen. Wir besorgten Farbe, Werkzeug, und eine Menge Krams, der glücklicherweise auch von Muhammadiyah übernommen wird. Leider schaffte es niemand für die Zeit nach Soka zu kommen. Glücklicherweise wurden wir nach anfänglicher Frustration in den zwei Tagen doch noch unterstützt und hatten nach zwei Tagen dank der Hilfe von den Jungs, Camille und einem Freund am Ende eine Menge erreicht. Nach weiteren fünf Tagen, die ich entweder mit Miriam, den Jungs (die seit 3 Monaten zwei Mal wöchentlich „Probefasten“ und dann nicht mehr so motiviert sind) oder alleine in Soka verbrachte, standen dort ein schön angemalter Ofen mit neuem Eisengitter und Dach, sowie zwei Kompostanlagen mit dem „BORDA-Lüftungssystem“; mein ganzer Stolz!
Da ich während der letzten zwei Wochen meine anderen Aufgaben vernachlässigt habe, versuche ich jetzt wieder mit regelmäßigen Englisch-Stunden, Sport und Spielen in den Alltag zurück zu finden. Außerdem muss ich mir noch ein Fahrrad zu meinem neuen Helm aus Vietnam suchen, weil mein zweirädriges Verkehrsmittel kurz vor dem Urlaub geklaut wurde.
An den Wochenenden ist neben dem Workcamp Wochenende in Mangkang auch ein Ausflug nach Pekalongan geplant, um mit den anderen Freiwilligen in die WM zu starten und Bandung, DEM Shoppingparadies Javas, einen Besuch abzustatten. Das wars mal wieder von der anderen Seite der Welt. Ich hoffe es geht euch allen gut, auf bald!
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