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Aktualisiert: vor 4 Stunden 26 Minuten

Lima laesst ein letztes Mal gruessen

Do, 09/02/2010 - 16:06

Mein letzter Tag in Lima/Peru.
Gleich geht es zum Flughafen.
Ich werde hoffen, dass es keinen Aerger gibt, denn immerhin bin ich seit 18 Tagen ilegal im Land, sprich ohne Visum.
Aber ich will ja das Land verlassen, das sollte in derem Sinne sein.
Ein Kandidat fuer die kommende Presidenschaftswahl 2011 geht sogar soweit, dass er mit einer "Anti-Auslaender"-Kampagne wirbt. Wenn er gewaehlt wird, ... nein, malen wir diese Dummheit lieber nicht weiter aus. Denn es wird sicherlich Keiko gewaehlt. Die Frau, die zuerst ihren Vater aus dem Gefaengiss holen wird, sofern sie Presidentin wird. Denn er hat ja nur 1000ende von Landsleuten auf dem Gewissen, natuerlich wurden diese nur zum Wohle des Volkes umgebracht (man lese diesen Satz mit ironischem Unterton).
Aber genug der Politik, vielleicht noch ein bisschen ueber...
Urlaub. Oder eher Reise.
Die letzte Rundreise war anstrengend, kalt bis heiss, hoch gelegen bis Meeresnaehe. Alles im allen schoen, spannend und erlebnissreich. Machu Pichu konnte ich zu guter Letzt auch noch abhaken. Da krakselt man frueh um vier hoch, um beim Sonnenaufgang oben zu sein und dann hat Frizzi einfach keine Kondition und ist erst im Hellen oben. So ein Pecher aber auch.
In Cusco habe ich auch nochmal mein altes Projekt besucht. Es war schoen von den meisten Frauen noch per Namen angesprochen zu werden und zur Belohnung gab es ne Runde Schokolade fuer alle und Gummibaerchen fuer die Kinder. Hier in der Schule in Lima ist Zucker verboten, daher musste ich Alicia (Lehrerin der ersten Klasse und eine Freundin von mir) ihre Suessigkeitenration versteckt in einer Plastiktuete ueberreichen.

So und eigentlich sehen wir uns ja alle bald und muendlich lassen sich Geschichten eh viel besser erzaehlen. Da wird man auch nicht so von meinen Rechtschreibfehlern verwirrt.
So, kurz und knapp, ohne jede Dramatik, dies war mein letzter Blogeintrag.
Ich danke fuer die fleissigen Leser, ich sehe naemlich, wie oft die Seite aufgerufen wurde.
Ich hoffe es hat euch Spass gemacht.
Bis zum naechsten Auslandsaufenthalt! :)

daheim

Do, 09/02/2010 - 02:52

Für alle, die ich bisher vergessen habe, zu informieren oder noch nicht besuchen konnte - ich bin umgezogen,meine senegalesische Adresse ist nicht länger aktuell ;)

Kugelrunder Dienstabschluss und sandiger Urlaubsanfang

Fr, 07/30/2010 - 16:54

Heute (Freitag) vor einer Woche habe ich meinen inoffziellen Dienstabschluss gefeiert. Ok die Festlichkeiten gingen schon am Donnerstag los aber Freitag war mein letzter Arbeitstag.
Grob zusammengefasst: am Donnerstag Buffet im Schulhof mit allen Kindern nach einer Vorstellung, wo jede Klasse einen Ausschnitt ihres Wissens presentiert hatte. Meine Kleinen haben unteranderem das Lied "Mein Hut der hat drei Ecken" gesungen. Nach der ausgiebigen Mahlzeit dann Mittagsessen mit der "Schulleitung" und den Lehrern.
Freitag wieder Essen gehen mit den Lehrern.
Es war die reinste Schlemmerei.
Voellig ueberfuellt bin ich dann in Urlaub gefahren. Zum ersten Mal mit privatem uto unterwegs. Es ging auch gleich mal ins 10h entfernte Acari. So befand ich mich also in einem Auto mit 4 Sandboardern, gab waehrend der Fahrt Deutsch und Englisch- Unterricht und stellte dem Fahrer viele Fragen, damit er nicht einschlief.
Im Bergdoerfchen angekommen ging es am naechsten Tag auf die Duenen. Laufend oder eher kriechend. Zwar wird einem das Sandboard freundlicherweise getragen (Gegenleistung fuer den Unterricht) aber mit Snowboardschuhe an, ist es trotzdem kein Vergnuegen. Hat man sich dann in der prassen Sonne den Berg hochgequaelt dauert die Abfahrt mit dem umfunktionierten Snowboaerd nur wenige Minuten. Ausser man faellt des oefteren hin.
Das Ergebniss des Tages war, Sand am ganzen Koerper, Muskelkater in den Beinen aber dennoch Zufriedenheit.
Und es sollte noch besser kommen. Die Jungs war es sehr wichtig Abends noch auf ein Konzert zu gehen. Und keine Party ohne Alkohol. Da ich nicht in ein Auto steigen wollte mit betrunkenen Fahrer, den Jungs aber doch einiges daran lag, dass ich mitkomme, war die einzige Loesung, dass ich das Auto fuhr. So konnte ich nach einem Jahr endlich mal wieder hinters Steuer. Nuechtern, versteht sich. Langweiligerweise war es aber ein Automatik.

Jetzt bin zum dritten Mal in Trujillo (dort war ich mit Mama ueber Weihnachten gewesen und im Januar nochmal fuer 2 Wochen), denn Uebermorgen hat eine Freundin geburtstag.
Hier werde ich die naechste Tage verbringen bis ich zurueck nach Lima reise, um meinen dritten und letzten Besucher in Empfang zu nehmen.
Bis gleich, Gina! :)

Nur mit Cocabacke

Sa, 07/17/2010 - 17:08

Fast unbeschreiblich ist das Gefühl, sich im “dritten Stock” einer Mine des Cerro Rico von Potosí zu befinden. Es fehlt das Tageslicht und alle natürlichen Geräusche. Stattdessen hallen unsere Schritte und aus den schwarzen Rohren, die sich durch alle Gänge ziehen um sie zu belüften, tritt an einigen Stellen zischend Gas aus. Wir laufen auf Schienen; wenn ein vollgeladener Wagen kommt, drücken wir uns gegen die Steinwände. Morsch aussehende Holzbalken tragen in einer wackeligen Konstruktion die Decken und ich habe Angst. Staub liegt auf meiner Zunge, Staub sitzt fest in meiner Nase, Staub ist in meiner Lunge und macht das Atmen schwer. Staub haftet an den Kleidern und an dem Baumwolltuch, dass ich mir als Schutz vor Mund und Nase binde. Es ist heiß hier unten, aber noch nicht so heiß wie zwei Stockwerke tiefer – bis 50 Grad Celsius herrscht im Berginneren. Auch noch unter diesen Bedingungen arbeiten Männer. Die Gänge scheinen endlos. Schon nach den ersten hundert Metern kann man nicht mehr aufrecht laufen. Oft stoße ich mit meinem Helm gegen einen Balken oder die niedrige Gesteinsdecke. In anderen Abschnitten laufen wir gebückt. Der Tunnel vom ersten zum dritten Stockwerk ist ein Loch mit einer Länge von 50 m, wir steigen dabei 600 m abwärts. Der Tunnel ist gerade breit genug, aber wir müssen uns auf Knien kriechend oder komplett waagerecht rutschend vorwärts bewegen. Dieser Tunnel ist der einzige Auf- und Abgang, hunderte Männer benutzen ihn tagtäglich, um zu ihrem Arbeitsplatz zu kommen. Beim Rutschen wirbeln wir mehr Staub auf. Meine Wasserflasche ist nach kurzer Zeit leer, doch das Durstgefühl bleibt. In einigen Gängen richt es stark nach Mineralien; auf Anordnung des Guías ziehen wir unsere Tücher vors Gesicht. An dem Ende eines Ganges treffen wir auf zwei Minenarbeiter. Neben ihnen ein großer Berg Gestein, das einen minimalen Anteil Zinn und Zink enthält. Von diesem Berg schaufeln sie den ganzen Tag Gestein in eine halbgeschnittene Tonne, die mit einem Seil nach oben gezogen wird, in die erste Etage. Von dort aus werden die Steine in die umliegenden Kleinfabriken transportiert, wo man in aufwendigen Prozessen die Metalle vom Stein trennt. Seit dem 16. Jahrhundert holen Sklaven und Arbeiter aus dem Cerro Rico Silber, heute sind die Minenarbeiter vorallem auf der Suche nach Zinn und Zinkerz.
Die Arbeit ist hart, die Schaufeln sind schwer und die Hitze unerträglich. Die Arbeiter essen in den Minen nichts, 8 – 10 Stunden pro Tag. Ununterbrochenes Coca-Kauen hilft gegen Hunger, Durst, Müdigkeit und Schwäche. Während Uli und ich selbst einmal die Schaufel in die Hand nehmen und versuchen, die Tonne zu füllen, kommt ein Wagen mit neuer Ladung heran. Er ist mit 2 t Gestein gefüllt und wird von vier Männern bewegt, zwei ziehen vorne mit Stricken, zwei schieben ihn von hinten an. Hat er volle Fahrt, ist es schwierig, ihn wieder zu stoppen. Aber die Minenleute sind erfahren – schon als Kind hilft man in den Ferien mit, ab 16 fängt man an, voll mitzuarbeiten. Je nach Arbeitsbereich beträgt die Lebenserwartung 30 bis 50 Jahre. Früher oder später stirbt jeder Minenarbeiter an den Minerlien, die durch den Staub in die Lunge gelangen, das sind sich alle bewusst. Einen anderen Beruf ergreifen – undenkbar. Wer Sohn eines Minenarbeiters ist, wird selbst einer. 70 % der Einwohner Potosís arbeiten direkt in den Minen oder bei der Weiterverarbeitung. Frauen eingeschlossen.
Inzwischen gibt es keine staatlichen Minen mehr. Alles liegt in der Hand von Bergbaukooperativen und privaten “Mineros”. Einige von ihnen haben es geschafft, sie sind auf eine reiche Ader gestoßen und können nun unter besseren Bedingungen arbeiten. Ihre Wagen werden nicht mehr von Hand, sondern von kleinen Motoren angetrieben. Vor ihrem Mineneingang stehen Jeeps, mit denen sie nach getaner Arbeit nach Hause fahren können, während die armen Mineros nach 10 Stunden Minenarbeit noch eine Stunde zu Fuß nach Hause laufen. Aussteiger gibt es selten, auch wenn man schon das große Glück erlebt hat. In den Minen arbeitet man, bis man stirbt. Ausnahmen gibt es natürlich. Wir haben einen Minero gesehen, der 60 Jahre alt ist und immer noch arbeitet. Ein anderer Minenarbeiter hat zehn Jahre gearbeitet und führt uns und andere Touristen nun als Guía durch die Minen.
Unter den Mineros herrscht ein schwarzer Humor. Man scherzt, man beklagt sich nicht. Während der Arbeit wird wenig gesprochen und wenig gelacht. Wir trafen in den Gängen einige Minenarbeiter, die mit unserem Guía und uns Worte wechselten. Wir bekommen mit, dass in den Minen des Cerro Rico Arbeiter aus allen Departamenten arbeiten. Und das es auch mal eine Grußformel unter den Arbeitern gab wie das deutsche “Glück auf!”, sie aber nicht mehr gebraucht und daher vergessen wurde.
Später treffen wir auf den “tío”, den Onkel. Das Wort leitet sich aus dem Quechua ab, wo es kein “d” gibt. Daher hat sich das ursprüngliche Dios im Laufe der Jahrhunderte zu tío abgeändert. Der “tío” ist der Gott des Berges, er hat die Gestalt des Teufels, aber ohne Schwanz. Ihn opfern die Mineros am Anfang und Ende des Monats Lamaföten, Alkohol, Zigaretten und Coca. Es gibt mehrere dieser tíos im Cerro Rico. Von einigen steht nur der Kopf mit einem offenen Mund in einer Höhle, andere sitzen auf einem Fels, an den Füßen die typischen Gummistiefel der Mineros, wieder mit einem offenen Mund. In den Mund stecken die Arbeiter angebrannte Zigaretten und Coca.
Nach zwei Stunden kündigt uns der Guía an, dass wir uns dem Ausgang nähern. Nach einer Weile merken wir es auch – frische Luft dringt zu uns vor, es wird kühler, dann weht sogar ein kalter Wind und der Staub verschwindet. Schließlich macht der Gang eine Biegung und am anderen Ende sehen wir das Licht. Noch ein paar mal müsen wir den Kopf einziehen, dann stehen wir draußen. Es haben sich schon einige Minenarbeiter versammelt, die Feierabend machen. Sie kauen Coca und reden. Auf uns wartet noch eine Dynamit-Sprengvorführung. Auf dem “Mercado de Mineros” haben wir für umgerechnet 2,50 Euro eine Dynamitstange, einen Verstärker und die Zündschnur gekauft. Nun baut der Guía die richtige Mischung, und zündet an. Alle machen ein Foto mit dem Dynamit in der einen und der brennenden Zündschnur in der anderen Hand. Dann läuft der Guía los, hundert Meter, legt das Dynamit an den Straßenrand und läuft wieder zurück. Wir warten noch fast eine ganze Minute, bis es explodiert. Das Loch ist erstaunlich klein. Jeder Minero führt pro Tag etwa 20 solcher kleiner Sprengungen im Berg durch. Das Dynamit und seine sonstige Ausrüstung bezahlt er aus eigener Tasche. Daher gibt es viele Arbeiter, die in einem Monat kein Glück haben, nichts finden, und so kein Gewinn erziehlen können. Bezahlt wird pro Kilo abgeliferten Erzes.
Der Cerro Rico ist schon durchlöchert wie “ein schweizer Käse”. Stetig wird er von innen mehr und mehr ausgehöhlt, aus Symbolwert aber wollen ihn die Potosíer nicht Stück für Stück abtragen. Laut Forschungen wird der Berg noch ca 20 Jahre weiter bestehen, bis er zusammenfällt. So weit will man es natürlich nicht kommen lassen. Und hat schon einen neuen, einen kleineren Berg gefunden, der die 240 000 Einwohner Potosís ernähren soll, wenn der Cerro Rico ausgeschöpft ist.

Das Treiben auf dem größten Markt Lateinamerikas

Do, 07/15/2010 - 04:16

Der Markt in Cochabamba stellt für mich weiterhin ein riesiges Chaos dar. Zwischen Müll, Abgasen, Ratten und Kakerlaken, dem schlammigen Boden, tausenden von Marktständen und abertausenden von Menschen wird mir immer wieder mulmig im Magen. Für eine “Cholita” (das heißt Mischling, so nennen sich die indigenen Frauen hier) ist das ganz normal und egal wie viel Geld sie hat, sie wird immer mit ihrem dicken Rock, dem weißen Hut und ihren Sandalen mit dreckigen Füßen über den Markt laufen. Sie wird an ihrem Stand sitzen, verkaufen und essen, nimmt den Gestank nicht wahr und stört sich nicht am Trubel des Marktes. Für die Marktleute ist es das normalste der Welt: Hygiene und Sauberkeit spielen für sie keine Rolle. Andere Dinge haben einen höheren Stellenwert, sie feiern zum Beispiel gerne auf den zahlreichen Festen, an denen immer viel getrunken wird. Als Zeichen von Reichtum tragen die Frauen ihren typischen Goldschmuck und haben vergoldete Zähne.
Es gibt natürlich auch viele sehr arme Familien, die die Möglichkeit zu mehr Hygiene gar nicht haben. Sie haben Zuhause kein fließendes Wasser und können die öffentlichen Toiletten auf dem Markt nicht bezahlen. Das sind beispielsweise die Marktleute, die sich keinen Stand leisten können. Sie sitzen am Rand des Marktes auf der Straße, um ihre Waren zu verkaufen. Hierfür breiten sie einfach eine Plane aus oder haben ein kleines Podest und dazu einen Sonnenschirm aufgespannt, um dort ihr Obst oder Gemüse zu verkaufen. Andere fahren mit ihrer Schubkarre über den Markt und verkaufen alles von Vaseline bis Salchipapas.

Weltkonferenz der Völker

Do, 07/15/2010 - 04:09

Im April lud Evo Morales zu einer „Alternativen Klimakonferenz” der “Weltkonferenz der Völker”. Dies war seine Antwort auf den UN-Klimagipfel in Kopenhagen. Hier konnte jeder diskutieren und viele Teilnehmer waren begeistert. Obwohl die Uni-Valle, auf dessen Gelände die Konferenz stattfand, nur einige Kilometer außerhalb der Stadt Cochabamba liegt, haben wir es leider nicht geschafft, hinzufahren. Wir waren durch die Arbeit zu sehr eingespannt. Über die Medien habe ich die Kritik an der Konferenz in Kopenhagen verfolgt, die hauptsächlich gegen die Industriestaaten und den Kapitalismus gerichtet waren. In seiner Eröffnungsrede erklärte Evo Morales „Entweder es stirbt der Kapitalismus oder es stirbt die Erde“. Im Großen und Ganzen wurden drastische Maßnahmen der Industriestaaten gegen den Klimawandel gefordert und Vorschläge für die kommende UN-Klimakonferenz in Mexiko gemacht.

(Außerdem leistete sich Evo Morales wie so oft wirre Kommentare, in denen er beispielsweise sagte: „Hähnchenfleisch würde die Männlichkeit der Männer verändern = mache schwul“ und „Coca Cola sei nicht zum Trinken sondern nur zur Reinigung von verstopften Abflüssen geeignet“. Kommentare wie diese gibt es immer wieder von ihm. Ein anderes Mal erklärte er in Independencia, Österreich (sp. Austria) zum fünften Kontinent anstatt Australien (sp. Australia)). Doch die Mehrheit der Leute jubelt ihm immer begeistert zu und findet ihn amüsant.)

Die Wolken sind aufgezogen

Di, 07/13/2010 - 20:58

Der Himmel grau, Wolken und immer wieder tröpfelt es, immer häufiger zeugt das Wasser in den Strassen morgens von einem nächtlichen Schauer - die Regenzeit hat begonnen.
Was nun bevorsteht darf wohl als die anstrengenste Zeit des Jahres bezeichnet werden, zumindest was die Fürsorge der Talibés angeht.
Malaria, Cholera, durchwachte Nächte aufgrund undichter oder nicht vorhandener Dächer in den Koranschulen; gespielt wird in den Pfützen, in welchen sich Bakterien anhäufen und unsichtbarer Müll darauf wartet, die Füsse und Beine der Kinder zusätzlichen Gefahren auszusetzen. Pflaster halten nicht lange bei all der Nässe und Feuchtigkeit und selbst die Arbeit wird aufgrund der Hitze und der Regenfälle bei Tage teils unmöglich. Die Kinder selbst verdienen weniger, da gleichzeitig die Ferien begonnen haben, und sind noch eher strafenden Schlägen etc. neben dem Unterricht ausgesetzt.

Es ist wirklich eine drückende Hitze derzeit hier - was mich erahnen lässt, welche Zustände im Süden des Landes oder im Inneren des Kontinents vorzufinden sind. Abseits der Hitze ist es aber wohl die beste Jahreszeit um die Vegetation dieser Region zu bewundern, alles grünt, der Staub und der Sand der Trockensavanne geraten in Vergessenheit beim Anblick der blätter- und blütentragenden Baobabs,der Erdnussfelder, der von Gräsern und Eimern voller Mangos gesäumten Strassenränder...
...Lust, die Tiefen dieses Erdteils zu erkunden, sich noch mehr einem Leben in Schlichtheit, einem einfachen sowie naturverbundenen Lebenswandel zu verschreiben und in die Flora und Fauna einzutauchen...

Zivilisation - Auto, Telephon, Computer usw. usf. - wird nichtig angesichts der natürlichen Ursprünglichkeit, welcher immer mehr und immer schneller auf diesem Planeten vernichtet wird...

Ein ausgefüllterer Alltag im heißen Hanoi

Mo, 07/05/2010 - 04:55

Mein Aufenthalt in Vietnam ist durch viele schöne Erlebnisse geprägt, sodass auch die Zeit offensichtlich wie im Fluge vergeht. So war die letzte Zeit in Hanoi ausgefüllter als bisher. Denn zu dem Unterricht in meiner eigenen Englischklasse am VYCT und dem Französischunterricht am children´s palace kam nun noch ein weiterer Französischkurs für Anfänger dazu sowie Arbeit in einem Kindergarten für behinderte Kinder. Diese Arbeit ist gekennzeichnet durch die Unterstützung der Lehrer/Erzieher und der Beschäftigung mit den Kleinen, die an Down-Syndrom, Autismus und Kinderlähmung leiden. Die Kommunikation sowohl mit den Kindern als auch mit den Lehrern erfolgt ausschließlich auf Vietnamesisch. Also eine rundrum herausfordernde, interessante und ungewohnte Arbeit mit vielen lieben Kindern.

Arbeit am VYCT

Das Unterrichten am VYCT macht mir weiterhin viel Freude, wenn ich auch das ein oder andere Mal am Verzweifeln bin, da meine Erwachsenen Schüler nicht das machen was ich ihnen als Aufgabe sage. Sie machen entweder zu viel und können die Zeit nicht abwarten oder manchmal machen sie einfach garnichts. In solchen Momenten muss ich dann zu spielerischen Unterricht übergehen, bei dem sie dann wieder voll dabei sind.

Fahrt nach Do Son

Darüberhinaus sind Alex, Johannes und ich mit dem VYCT und 18 Kindern und Jugendlichen zwischen 7 und 18 Jahren für fünf Tage ans Meer nach Do Son gefahren. Das durchgeführte Englischcamp hat den Kindern und uns viel Spaß bereitet, auch wenn es doch anstrengend war ständig auf die Kinder aufzupassen, dass sie keinen Unsinn machen oder einfach über die vielbefahrene Straße zum Strand laufen. So stand die Realisierung von kleinen kreativen Projekten auf Englisch, wie ein Theaterstück, ein Lied oder ein Interview zu erarbeiten und am letzten Abend beim Lagerfeuer vorzutragen, auf dem Plan. Daneben gab es sportliche Aktivitäten und jede Menge Spiele auf Englisch. Die Kleinsten lernten das ABC und ihre ersten einfachen englischen Sätze und die erste Wörter wie Farben. Die Farbe Gelb lernten sie am schnellesten, denn für meine 6 Kleinen war schnell klar was Gelb ist – meine Haare!

Ha Giang-Projekt

Neben der regulären Arbeit bin ich dabei ein soziales Projekt in der Provinz Ha Giang zu planen. Gemeinsam mit vietnamesischen Freunden wollen wir Ende Juli/Anfang August in die von ethnischen Minderheiten bewohnte Bergregion fahren, um ihnen Sachen des täglichen Bedarfs zu überreichen. Eine gute Vorbereitung für die lange Fahrt und eine sorgfältige Auswahl der zu kaufenden Sachen ist hier notwendig. Dafür ist die Hilfe der Vietnamesen unerlässlich, die die Provinz und den Bedarf besser einschätzen können als ich.

Besuch aus Deutschland und ein bisschen Urlaub

Im Juni sollte ich endlich meinen ersten Besuch aus Deutschland bekommen. Gemeinsam sind wir dann für zwei Wochen in Vietnam unterwegs gewesen. So bekam ich eine landschafltich schöne Reise und eine abwechslungsreiche kulinarische Küche dargeboten. Neben Traumstränden in Lang Co und Nha Trang gab es auch jede Menge historische Plätze zu sehen, wie die alte Kaiserstadt Hue, das gut erhaltene romantische Örtchen Hoi An mit seinen vielen leuchtenden Lampions oder Relikte des alten Champa-Königreiches in My Son. Genauso vielfältig wie das Land war die vietnamesische Küche, vorausgesetzt man setzt sich auch ab und zu in landestypische Garküchen. So gab es „bun cha“ in Hanoi, „bun thit nuong“ und „bun bo“ in Hue, „cao lau“ in Hoi An und vieles mehr.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass durch mehr Arbeit in den letzten Wochen und Monaten, sowie einem schönen und interessaten Urlaub, die Zeit hier schnell verging. Geht es so weiter, wird auch das Ende meines Aufenthaltes schneller ran sein als mir lieb ist. Einerseits freue ich mich bereits wieder auf zu Hause, auf meine Familie und Freunde, andererseits ist mir Vietnam mit seinen Menschen, meine netten Freunde und Kollegen schon sehr ans Herz gewachsen. Aber es liegen immerhin noch zweieinhalb Monate Arbeit in Hanoi vor mir, die es gilt zu genießen – auch bei 36 Grad, was nicht immer angenehm ist, denn gerade der Wechsel von Außentempertur und klimatisierten Innenräumen ist oft gesundheitlich nicht ideal. So gilt es aufzupassen, dass man nicht von einer Erkältung in die nächste schlittert.

Gedanken einer Freiwilligen

Fr, 07/02/2010 - 02:50

Und was man sonst noch ueber Lima wissen sollte...

Lima ist der Beweis dafuer, dass man im Wasser atmen kann. Die Luftfeuchtigkeit steigt hier bis zu 89 prozent an. Das hat nicht nur zur Folge, dass die Waesche nicht trocken wird, sondern auch, dass 4 Kinder der ersten Klasse bereits an Astma leiden. Von Knochenbeschwerden und Lungenprobleme der aelteren Generationen ganz zu schweigen.

Gedankensprung

Letztes Wochenende bin ich zu zwei Waldorfschulen ausserhalb von Lima gefahren. Den Weg dorthin fand ich total schoen. Aber ich wusste nicht warum...
Bis ich, nach viel Gruebelei, auf die Ursache gestossen bin. Die Umgebung war gruen. Der Strassenrand dicht bewachsen.
Wie grau ist doch Lima.

Gedankensprung

Frueher wurde sich oft darum "gestritten", auf wessen Schoss ich sitzen solle, um die entsprechende Person zu waermen. Seit Samstag kann ich das nachvollziehen. Wir hatten eine Feier in der Schule. Trotz Kaelte haben unsere Schueler tapfer wunderschoene taenze dargeboten. Ihnen wurde somit warm. Ich, als eine der Zuschauer haben mir einen Erstklaessler geschnappt und mir auf den Schoss gesetzt. Die Ausrede war natuerlich, dass er so besser sehen koenne. Leider gab es nur 3 Taenze und danach musste ich wieder friern.

Gedankensprung

Zebrastreifen bedeuted in Lima...
Fuer Fussgaenger: nichts! Sie muessen wie an anderen Teilen der Strasse hoffen, lebend auf die andere Seite der Strasse zu gelangen.
Fuer Autofahrer: sollte ein dreister Fussgaenger denken, er koenne gemuetlich die Strasse ueberqueren hupe so laut du kannst und gebe Gas!

Gedankensprung

Die Restaurants in meiner Naehe kennen mittlerweile meine wichtigsten Essgewohnheiten. Beim "Chifa" (Asiaten) bekomme ich mein Arroz con Pollo (Reis mit Huhn) ohne Huhn und meine Nuddeln ohne Ei. In einem anderen Restaurant wird mir immer gleich das Essen ganz zusammengewurfelt mit allen vegetarischen Komponenten, die es gibt. Und im Sandwichladen wissen sie mittlerweile auch das ich Pan Integral (etwas dunkleres Brot) haben moechte und was Heisses zu trinken.

Gedankensprung

Lima ist mittlerweile so kalt und feucht, dass ich trotz vieler Vitamine am Tag dauernt am kraenkeln bin. Das liegt wohl daran, dass die hier keine Heizung haben...
Die einzigen warmen Orte sind: mein Bett, die Dusche (einigermassen, denn sie hat keine Tuer und dadurch zieht es rein) und die ueberfuellten Busse. Letzteres ist garantiert!

Gedankensprung

Wer haette das Gedacht, dass ich nochmal Handarbeit lerne. Nachdem ich mir in Cusco die Zeit mit Filzen vertreiben durfte, habe ich jetzt Stricken gelernt.
Und die erste Klasse auch...
Mehr oder weniger.
Ich erkenne jetzt saemtliche Fehler, kann im Schlaf die "Knoten" zaehlen und falsche wieder oeffnen. Habe gelernt geduldig zu bleiben mit Kleinen, die einfach Feinmotorisch nicht ganz fit sind und weiss saemtliche "Aufmuntersprueche" auswendig.

Gedankensprung

Das groesste Machtmittel des Strassenpolizisten ist die Trillerpfeiffe. Doch was tun wenn sie nicht funktioniert?
Folgendes Szenario spielte sich heute Morgen auf dem Weg zur Schule ab: Wie immer ist die Avenida Salaverry bis zum erbrechen gefuellt. Die Municipalidad (Buergeramt) vom Barrio (Stadtviertel) Lince denkt, mit einem regulierenden Polizisten wuerde sich die Situation entspannen. So steht jeden Morgen eine Polizistin oder ein Polizist an der Kreuzung und pfeifft ganz laut in ihre/seine Trillerpfeiffe und wuchtelt aufgeregt mit den Armen. Heute allerdings funktionerte das Krachmachinstrument einfach nicht. Der arme Polizist war vollkommen aufgeschmissen, wie konnte er jetzt nur dem allgemeinen Chaos Heer werden?
Vergnuegt beobachtete ich seine Verzweiflung. Er brauchte fasst die ganze Rotphase der Fussgaenger (diese ist lang), um zu erkennen, dass er das mir verhasste Stueck falschrum hatte und sich dadurch die innere Kugel nicht gut bewegen konnte. Als er dann das Raetzel geloest hatte, konnte er, sichtlich erleichtert, in dieses Ungetuem pusten. Man vernahm ihn aber kaum, aufgrund des Hupkonzertes der Autos.
So ein Strassenpolizist hat es schon nicht leicht.

...

PS: ich freue mich immer ueber Kommentare

einladung zur undjetzt?!-Konferenz auf dem Unicampus Witten

Di, 06/15/2010 - 02:49

Einladung zur undjetzt?!-Konferenz 2010 

Liebe RückkehrerInnen,
liebe freiwillige EntwicklungsprojektlerInnen,
liebe undjetzt?!-2009 TeilnehmerInnen, 

wir möchten euch alle herzlich zur undjetzt?!-Konferenz vom 8. bis 14. August einladen – dieses Jahr auf dem Campus der Universität Witten-Herdecke.

undjetzt?! ist für alle, die als FreiwilligeR in einem „Entwicklungsland“ gewesen sind. Sie ist für alle, die Lust auf neues Wissen, neue Initiativen, neue Mitstreiter haben.

Hast du auch Lust mitzumachen und deine Ideen auszutauschen?

300 junge Leute werden auf der undjetzt?! zusammenkommen. Es wird eine Vielzahl von Workshops geben, zu Themen wie „warum wirtschaftliches Wachstum?“, „Bildung weltweit“ oder „Projektmanagement“. Spannende Redner wie Sascha Liebermann (Grundeinkommen) oder Holger Meerwarth (wie löse ich eine globale Welle aus?) werden unsere Gesellschaft kritisch beobachten und die Abende in Diskussionsforen verwandeln.
Auf den "Markt der Möglichkeiten" werden sich viele interessante Initiativen und Organisationen präsentieren und wir alle werden uns mit ihnen vernetzen können.

Wir versuchen, alle interessanten Themen ins Programm zu bringen. Aber ganz wichtig: Die undjetzt?! wird viel Platz lassen – um neue Pläne für sich selbst zu schmieden und Aktionen für eine neue Welt zu konkretisieren. Das heißt für jeden natürlich etwas ganz anderes. Das Aufregendste der Konferenz werden deswegen wahrscheinlich die beiden Open-Space-Tage sein. Der Ablauf wird hier sehr frei moderiert sein und Programm ist, was ihr ins Gespräch bringen wollt. Gemeinsam werden wir an Projektideen arbeiten. Was gut ist konkretisieren und realisieren wir.  

Um uns kurz vorzustellen: Wir haben natürlich selbst vor kurzer Zeit noch irgendwo in der Welt in Projekten gearbeitet. Im Moment sind wir 14 Köpfe, die neben dem Studium daran arbeiten, diese Plattform auf die Beine zu stellen. Wollt ihr mithelfen? Kurz vor der Konferenz gibt es noch viel zu tun. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen, wie immer.

Apropos: In den Nächten gibt es auf der undjetzt?! natürlich einiges zu feiern. Wenn ihr Instrumente spielt dann bringt sie mit und belebt die OpenStages. 
Mehr Infos und die Anmeldung (seit kurzem freigeschaltet, es gilt first come, first serve):

-unsere Seite:  http://www.undjetzt-konferenz.de/
-bei Facebook http://www.facebook.com/pages/undjetzt-Die-Konferenz/330119436536?ref=ts
-unser Twitter: undjetzt 

In Kürze kommt auch schon unser nächster Konferenznewsletter mit aktuellen Neuigkeiten (bitte auf der Internetseite anmelden). 

Wir würden uns sehr freuen, wenn du im Sommer mit dabei bist.
Mit besten Grüßen,
euer Organisationsteam, 

Lea, Tobi, Nico, Michel, Rabea, Carl, Flo, Volker, Christian, Lukas, Regina, David, Peter und Richy.

Eine spannende Zeit

Sa, 06/12/2010 - 13:51

Eine spannende Zeit
Im vorletzten drittel meines Aufenthaltes in Mosambik habe ich eine sehr gute Arbeitsroutine entwickelt. Dieser Umstand erlaubt mir ein hoch effektives Arbeiten.
Inzwischen kenne ich die Stärken und Schwächen aller Kinder im schulischen Bereich sehr genau. Dadurch kann ich sehr zielgerichtet Nachhilfe geben. Viele Kinder werden durch bessere schulische Leistungen ganz von selbst motiviert. Es ist ein sehr schönes Gefühl für mich, ihre schulischen Fortschritte zu erleben.
Im März habe ich unsere deutsche Projektleiterin, Jutta Pfistner, zum ersten Mal hier getroffen und erlebt. Wegen einiger Umstukturierungsmaßnahmen hat sie im Mai eine zweite Reise unternommen. Unter anderem geht es um die Suche eines neuen mosambikanischen Leiters. Auch stehen in den Arbeitsablaufen und Aufgabenbeschreibung einige Veränderungen an, die wir derzeit gemeinsam mit den mosambikanischen Mitarbeitern erarbeiten. Im Besonderen streben wir Verbesserungen im Pädagogischen Bereich an und überarbeiten das vorhandene Konzept und ordnen einzelne Aufgaben speziellen Mitarbeitern zu. Dadurch präzisiert sich auch mein Aufgabenbereich.
Die reine Nachhilfezeit beträgt 4 Stunden, jeweils vor- und nachmittags. Schule findet für etwa die Hälfte der Kinder in unserem Projekt am Vormittag und für die andere Hälfte am Nachmittag statt.
Nach wie vor leiste ich weiterhin viel Übersetzerarbeit. Gerade in der Umstrukturierungsphase finden viele Verhandlungen mit mosambikanischen Behörden statt und insbesondere für die deutschen Mitarbeiter Übersetze ich sehr viel. Es gibt aber auch Verträge zu lesen zu verstehen oder vorzubereiten. Meine gute Sprachkenntnis wird von den Deutschen im Projekt besonders geschätzt.
Durch die vielen Verhandlungen bin ich seit März auch öfter in Maputo. Dort gibt es einige Internetcafés und somit die Möglichkeit zu Informationen aus Deutschland zu kommen. Neben E-Mails lesen und schreiben interessieren mich auch die politischen Schlagzeilen. Wir sind im Projekt leider ohne jede Informationsquelle. Natürlich gibt es keine Zeitung und auch kein Radio. Die Mitarbeiter die täglich aus der Stadt kommen bringen leider so gut wie keine Informationen mit, was ich sehr bedauerlich finde. Außerdem mache ich Ausflüge in die Stadt auch um einen langen Bestellzettel vom Heim abzuarbeiten, von Kleidung bis Schulbücher ist alles dabei. Zum bloßen bummeln bleibt fast immer viel zu wenig Zeit.
Sehr belastend finde ich derzeit die lange Dunkelphase des mosambikanischen Winters. Jetzt Ende Mai geht die Sonne schon um 17 Uhr unter und bereits 10 Minuten später ist es schon dunkel. Wir alle sehnen den Tag herbei, wenn auch unser Siedlungsgebiet ans Stromnetz angeschlossen wird. Ich werde das innerhalb meiner Freiwilligenzeit jedoch nicht mehr erleben. Jedoch habe ich mir ganz fest vorgenommen das Projekt später wieder zu besuchen und werde dann erleben können, wie die Kinder mit elektrischem Licht auch abends ihre Schulaufgaben machen und spielen können. Zurzeit ist auch das Duschwasser etwas frisch, weil die Sonne den Wassertank kaum noch erwärmt. Wenn die Elektrizität hier angekommen ist, werden wir für die „kalte“ Jahreszeit Warmwasserbehälter zur Verfügung haben. So weit mein kleiner Ausblick in die Zukunft. Nun aber zurück zur Realität.
Im April hatten wir eine Gruppe von Christen aus 6 verschiedenen Ländern für eine Woche Arbeitseinsatz zu besuch. Die Brasilianer und Amerikaner waren am stärksten vertreten. Vor allem durch die Brasilianer war auch eine ganz passable Verständigung mit den Menschen von hier möglich. Neben der praktischen Hilfe waren natürlich auch die rein menschlichen Kontakte sehr erfrischend. So mietete die Gruppe einen Bus und wir konnten mit allen Kindern an den Indischen Ozean fahren. Es handelte sich um einen der absoluten Jahreshöhepunkte. Viele Kinder waren dort noch nie und waren entsprechend begeistert. Obwohl wir viele Begleiter waren war die Betreuung von 20 Nichtschwimmern doch höchst anstrengend.
Momentan bin ich mir auch relativ unsicher was meine Stimmung angeht. Einerseits freue ich mich sehr meine Familie und all meine Freunde wieder zu sehen, andererseits will ich noch gar nicht an den Abschied denken. Viele der Kinder sind mir schon recht ans Herz gewachsen wie man so schön sagt und ich kann mir nicht vorstellen in 3 Monaten nach Hause zu fahren und all dem hier den Rücken zu kehren. Ich bin mir sicher, dass ich nach Beendigung meines Studiums wieder herkommen werde. Vielleicht sogar für immer.

zwei auf eins

Mo, 06/07/2010 - 20:16

Entwicklung - ein Wort, welches vermutlich fuer die Mehrheit der Laender dieser Erde verwendet wird.
Ich habe den Begriff des 'Entwicklungslands' als spezifische Beschreibung fuer ein Land aus meinem Wortschatz gestrichen...
Wenn in den westlichen Medien diese Woerter verwendet werden, wird wirtschaftlicher Wachstum, eine Angleichung an den westlichen Lebensstandard, eine Annaeherung an die westliche postmoderne Demokratie gemeint und sich so verhalten, als ob selbiges moeglich und vor allem notwendig waere.
Was aber sind die reellen Beduerfnisse dieser sogenannten Entwicklungslaender? Die Wuensche und Zukunftsvorstellungen der Menschen, die in selbigen leben? Ist es ueberhaupt realistisch bspw. den afrikanischen Kontinent 'verwestlichten' zu koennen?
Diese Aspekte werden ausser Acht gelassen, es geht um steigende BIPe, BSPe, Oeffnung der Maerkte usw. usf. .
Wenn ich die senegalesisch-afrikanischen Traditionen, die hiesige Mentalitaet, klimatisch-landschaftliche Voraussetzungen auf die eine Seite der Zukunftswaage lege und dagegen die teilweise eben genannten Kapitalismuspostulate und die westliche Lebensweise aufwiege, dann sehe ich eher ein Gleichgewicht denn ein Gefaelle in Richtung der zuletzt genannten Waagschale. Wo Internet und Mobiltelephone dieses Land innerhalb kuerzester Zeit erobern konnten, richtet die Oeffnung des Marktes die Wirtschaft seit der Unabhaengigkeit dauerhaft zu Grunde - der Senegal ist vernetzt und durch multinationale Konzerne gut ausbeutbar aber beides in einem dauerhaft begrenztem Massstab. [wird vielleicht fortgesetzt]

UMBRUCH

Die Heimkehr. Ich habe ein wenig Angst vor ihr, sie ist gering und dennoch vorhanden.
Glücklicherweise werde als Ausgleich mehr direkte zwischenmenschliche Wärme vorfinden.
Ich muss gerade an die Sonnenaufgänge denken, welche ich vom Dach in Bohnsdorf aus beobachtet habe, an die unauslöschbare Sehnsucht nach ... vielleicht nach einer unanzweifelbaren Wahrheit, wie dem oft gezeichneten Bild der einen grossen Liebe im Leben oder der Gewissheit einer göttlichen Existenz oder den Schilderungen in Carlos Castanedas Büchern - der Gewissheit von der eigenen Existenz nach dem physischen Tod...
Angst, vor Unverständnis durch nicht geteilte Erfahrungen, vor Enttäuschungen durch jene Menschen, welche mir nahe stehen. Natürlich werde ich das durchstehen mir lassen, der Freundeskreis ist schliesslich keine "unveränderbare Grösse".
Angst, weil ich befürchte, mich auf eine Weise verändert zu haben, die bereits jetzt eine unüberbrückbare Kluft aufgerissen hat - eigentlich ist es nur ein Ausdruck der Angst vor dem Gefühl der Einsamkeit, was sich in den Momenten des Gewahrwerdens solcher Veränderungen manifestiert...

Von Leid und Verantwortung

Fr, 06/04/2010 - 20:34

Wann ist es soweit, dass die Menschheit aufhoert, sich selbst unnoetig Leid zuzufuegen? Nicht einheitlich, sondern mehrheitlich meine ich gewiss.
Doch nicht solange, wie sie Gewalt als Bestandteil ihres Alltags akzeptiert, oder?
Sind Menschen generell gewalttaetig/skrupellos im Umgang mit Lebewesen, ohne dass dafuer eine tatsaechliche Ueberlebensnotwaendigkeit besteht, dann koennen sie meiner Ansicht nach auch nicht wahrhaftig, vollstaendig gerecht handeln, gerecht sein. Denn Gewalt zu nutzen oder zu tolerieren, bedeutet, Schmerz zu versuchen oder zu tolerieren.
Will ein menschliches Wesen Schmerz erleiden? Ohne gegebenen Grund oder Notwendigkeit?
Ich will das nicht, erst recht nicht, wenn ich selbst diesen Schmerz nicht verursacht habe. Ebensowenig will ich Schmerz verursachen, besonders, da ich selbigen an "meinem Opfer" ablesen kann, sei er physischer oder psychischer Natur. Kann ich einem Tier sein Leiden ansehen? Ja. Alle Menschen sind dazu eigentlich in der Lage. Will ich von einem Tier verletzt oder getoetet, verspeist werden? Nein. Wie haeufig werden Menschen von Tieren verspeist? Koennen die "tierischen Taeter" auf einem Markt oder gar in einem Supermarkt ihre Nahrung auswaehlen und kaufen? Brauchen wir tierisches Fleisch als Bestandteil einer ausgewogenen Ernaehrung wirklich? Es besteht wohl auch keine Notwendigkeit der Massentierhaltung zum Zwecke tierischer Produkte, wenn besonders westliche Gesellschaften darauf achten, fuer den tatsaechlichen Bedarf und nicht fuer die Muelltonne zu produzieren. Ohne gleich fuer ein veganes Leben Wort ergreifen zu wollen, denke ich, dass wir vermutlich sogar beinahe vollstaendig auf tierische Bestandteil in unserer Nahrung verzichten koennen, wenn wir wollen und nicht zur ueberwiegenden Mehrheit der Erdbevoelkerung gehoeren, welche keinen Zugang zu klimatisierten Einkaufsmaerkten hat und erheblich unter westlichen Handelsschranken und damit einhergehenden Monokulturen zu leiden hat, welche die Selbstversorgung des Heimatlandes fast unmoeglich haben werden lassen.
Wie viele Menschen sterben jaehrlich an Fettleibigkeit, Herz- und Blutkrankheiten etc.? Wie viele aufgrund einer "extremen" Lebensweise unter Verzicht auf tierische Nahrungsmittel? Ich glaube bei einer Gegenueberstellung ergaebe sich ein enormes Gefaelle zugunsten der bewussten vegetarischen/veganen Ernaehrungsweise, ohne an dieser Stelle die weiteren positiven Folgen des Verzichts auf Fleisch, Fisch und Co detailliert zu benennen (erhebliche Verringerung der weltweiten Produktion an Treibhausgasen, Umstellung der Agrarindustrie zu Ungunsten des sogenannten Nahrungsmittelverteilungsproblems sprich einer Bekaempfung des Hungers, der Regeneration und der Schutz der Oekosysteme...).
Wir MitteleuropaerInnen sind "Allesfresser" und haben die Wahl!
Wenn wir keinen Spass am Toeten verspueren und selbiges auch nicht des Ueberlebens wegen tun muessen, wiesoe lassen wir es dann nicht einfach? Weil die ueberaus kurzzeitige Befriedigung unserer Geschmacksnerven bedeutsamer erscheint...
Wie es auch der Fall ist, wenn wir die von Kinderhand gesponserte Schokoladenstuecke auf unserer Zunge zergehen lassen - eine Stunde Kinder(sklaven)arbeit ohne Schutz vor giftigen Pestiziden fuer eine Tafel Schokolade, ist das ein guter Kompromiss zu Gunsten des eigenen geschmacklichen Wohlbefindens? Aber davon weiss die Mehrheit in der Gesellschaft ja nichts, denn sie interessiert fragt sich nicht einmal, was sie konsumiert, solange der Preis stimmt, denn Geld/Konsum bedeutet...Zufriedenheit oder Glueck???
Wer unwissend ist, ist unschuldig???
Wer wissend ist, in der Lage seinen gesunden Menschenverstand zu benutzen oder auf sein Herz zu hoeren und verantwortungsvoll zu handeln???

Ich will nicht bekehren, nicht dogmatisieren,
mich nur erklaeren und animieren!

Gedanken

Mo, 05/31/2010 - 15:16

Koennt Ihr mir sagen, was das "deutsche Volk" ausmacht?
Fuer mich existieren keine Nationen oder ethnischen Voelker.
Was soll selbige definieren?

Die Sprache? "Waschechte Deutsche" machen haeufig mehr Fehler als sogenannte Auslaender, welche Deutsch sprechen, jeder Mensch hat seinen individuellen Akzent.

Die Herkunft? Es findet grenzueberschreitende Migration statt, seit jeher.

Die Geschichte? Als ob alle Deutschen einen Einbuergerungstest bestehen koennten...

Der Name? Die Hautfarbe? Das Vermoegen? ...

Wer oder was soll das deutsche, das senegalesische oder irgendein Volk sein?
Die einzige Definition, welche fuer mich fuer eine Art von Volk oder staatlicher Gemeinschaft besteht, ist das Verstaendnis von Recht und Unrecht auf dessen Grundlage sich innerhalb regionaler Staatsgrenzen ein Miteinander von StaatsbuergerInnen organisiert.

Was folgt daraus fuer die Einbuergerung von MigrantInnen und Fluechtlingen?
Sie ist ein Menschenrecht, welches nicht verwehrt werden darf.

Generell zum Thema Behandlung von Fluechtlingen - hat die deutsche Bevoelkerung das Leid um den Zweiten Weltkrieg und die deutsche Teilung bereits vergessen? Wohl kaum.
Wieso werden Fluechtlinge bei uns als "illegal" abgestempelt, werden inhaftiert, leiden unter der Beschneidung ihrer Menschen- und Freiheitsrechte? Wieso werden ihnen beinahe jegliche Rechte auf Selbstbestimmung ab dem Betreten der deutschen Landesgrenzen entzogen?
Hat die deutsche Gesellschaft bereits vergessen, wie viele deutsche (juedische)Fluechtlinge sich bei dem Versuch, vorm Naziregime zu retten, ums Leben gekommen sind? Wieder ausgeliefert worden sind? Gab es nicht auch triftige Gruende fuer jene, welche aus der DDR geflohen sind? Oder welche vor der Behandlung der sowietischen Truppen flohen?

Wieso handelt die Mehrheit dann nicht entsprechend ihrer Erfahrungen?

...

Fr, 05/21/2010 - 13:11

Seit mehr als einem Monat ist mein Bruder nun schon wieder in Deutschland und ich frage mich, ob er ueberhaupt hier war, ob die sechs Reisewochen tatsaechlich stattgefunden haben. Irgendwie erscheint mir das alles eher wie ein Traum denn Realitaet...
Habe ich tatsaechlich in diesem Bus gesessen, der mich an der prachtvollsten Moschee Westafrikas vorbei und bei wunderpraechtigem Sternenhimmel in den hunderte Kilometer weit entfernten Sueden gefahren hat? Habe ich tatsaechlich die doppelstoeckigen Markthallen in Tambacounda bestaunt und mich in dieser heissen Stadt mit Papayas, Orangen, Bananen und Erdnuessen eingedeckt? Bin ich wirklich am naechsten Tag nach sechs Stunden Wartezeit und zahlreichen Gespraechen mit den Tourifuehrern des Parks durch die Pforten des Niokolo-Koba Nationalparks im Suedosten des Landes gefahren, um in den folgenden achtzehn Stunden dort die unberuehrte Wildnis des afrikanischen Kontinents zu bewundern und traenenerfuellt hin- und hergerissen zu sein, zwischen unglaeubigem Bewundern und ungebaendigter, wuetender Enttaeuschung ueber die Schattenseiten der menschlichen Existenz. Die Eigenarten des Menschengeschlechts, welche dazu gefuehrt haben, dass diese Schoenheit beinahe nur noch dort existieren kann, wo Schutzgebiete errungen werden, damit wir uns eines fernen Tages noch erinnern koennen...an das, was es eigentlich bedeutet, als Mensch Bestandteil eines natuerlichen Kreislaufs zu sein. Bin ich tatsaechlich anschliessend in die senegalesische Bergwelt abgetaucht, als ich, nachdem ich einem Schimpansen beim Bambusstangen knabbern zugeschaut habe, mich im Weiher unter dem Wasserfall von Dindéfelo gebadet habe, von dessen Existenz ich zwei Tage zuvor erfahren hatte? Habe ich nachts auf einem Bus der 'gare routière' unter dem Sternenhimmel geschlummert und auf die Abfahrt zum Wiedersehen mit einem Freund in Vélingara gewartet? Bin ich dort so dreckig wie noch nie am naechsten Morgen angekommen, um einige Tage in Warmherzigkeit und Gastfreundschaft im Haus von Baytirs Familie zu weilen und etwas wehmuetig an Mangobaeumen vorbei nach Kolda aufzubrechen?
Diese Aufzaehlung koennte ich vermutlich ewig fortsetzen, lebe ich doch eigentlich nur im Hier und Jetzt und frage mich taeglich wundernd, ob mein Leben mich wirklich dorthin gebracht hat, wo mich meine Fuesse gerade ueber den afrikanischen Sand tragen.
Schmerz erwartet mich gewiss, wenn ich mich zurueck in die europaeischen Wuesten aus Stahl, Glas und Beton begeben werde und Freude, wenn ich vertraute Gesichter wiedersehen sowie in den wolkenverhangenen heimatlichen Regenhimmel blicken werde, um bestaetigend zu fuehlen, dass diese mitteleuropaeische Natur so tief in meiner Persoenlichkeit wurzelt, wie ich es hier deute.
Bis spaeter ;)

Countdown

Mo, 05/17/2010 - 10:27

Ein dreiviertel Jahr ist um. Ich fange schon an, den countdown vorzubereiten. Allerdings bin ich mir nach wie vor nicht sicher, ob ich wirklich wieder nach hause will. Ich habe die Kinder hier so sehr ins herz geschlossen, dass mir schon der Gedanke an Abschied in der Seele wehtut. Am liebsten wuerde ich verlaengern, was aber leider nicht geht, da mein Studium im Oktober anfaengt. Also muss ich wohl oder uebel dieses schoene Land verlassen. Eins ist jedoch sicher> ich komme wieder. Sobald ich mein studium beendet habe, werde ich mich hier im Heim um einen Job bewerben.
Naja noch dauert es 3 Monate bis es soweit ist. also lieber noch nicht an Abschied denken =)

Normalität, Problem = Herausforderungen

So, 05/16/2010 - 13:09

Drei Monate sind wieder um und es hat sich viel ereignet – vieles wird zur Normalität, ich habe mich immer mehr an das Leben in Hanoi gewöhnt, finde mich sehr gut zurecht und genieße jeden Tag. Denn auch dieser Aufenthalt wird recht bald schon ein Ende haben. Die Zeit vergeht wie im Flug.

Die Arbeit

Die Arbeit am children´s palace in Hanoi hat sich eingependelt, wenn auch immer noch mit kleineren Schwierigkeiten. So war mein Unterricht in den Französisch-Klassen vor Weihnachten sehr unsicher – jetzt konnte ich mich mit den Mitarbeitern darauf verständigen, doch zu unterrichten.
Seit Beginn des Jahres unterrichte ich zusätzlich eine Klasse in Englisch am VYCT (Vietnam Youth Centre for Tourism) zweimal in der Woche. Die Klasse besteht aus Mitarbeiter des VYCT sowie des Khan Quang Đo Hotels und ist somit gut durchmischt. Einerseits ist es herausfordernd unterschiedliche Sprachniveaus alleine zu unterrichten, andererseits handelt es sich um eine sehr lustige Gruppe, die jeden Spaß und jedes Spiel mitmachen. So freue ich mich jedes Mal in die Klasse zu kommen.
Schien die Arbeit für das deutsch-vietnamesische Jugendzentrum im Dezember noch vielversprechend, so wurden wir Anfang des Jahres sehr enttäuscht. Offensichtliche bürokratische und kommunikative Schwierigkeiten verzögern das Vorankommen mit dem Jugendzentrum.
Glücklicherweise konnten dank unseres Zwischenseminars Unklarheiten beseitigt werden und nun hoffen wir auf eine baldige Verwirklichung des Zentrums. Detaillierte Pläne sind in Arbeit.

Darüberhinaus konnten Johannes und ich in Zusammenarbeit mit einigen Vietnamesen ein soziales Projekt in der nördlichen Provinz Ha Giang verwirklichen. Ziel war es in das von ethnischen Minderheiten bewohnte Gebiet warme Decken, Schuhe und Kleidung für Kinder zu bringen, da die bergige Region durch große Armut geprägt ist und vor allem im Winter ein erhöhter Bedarf an diesen Dingen besteht.
Wir starteten für vier Tage mit dem Moped. Was uns erwartete war nicht nur eine atemberaubende Landschaft, sondern auch dankbare und glückliche Menschen, strahlende Kinderaugen, die sich darüber freuten, ihren weiteren Weg nicht mehr Barfuß fortsetzen zu müssen und dabei noch ein paar Süßigkeiten naschen konnten. Dies war ein Projekt, welches in vielerlei Hinsicht unvergesslich bleiben wird: Menschen zu sehen, die schwerste körperliche Arbeit verrichten und in noch nie zuvor gesehener Armut leben. Gleichzeitig hat diese Fahrt mit den Vietnamesen einige sehr gute Freundschaften entstehen lassen, die mich auch weiterhin in Hanoi begleiten und für die ich dankbar bin.
Diese Art von Projekt soll nun weiter verfolgt werden und ein weiteres Mal verwirklicht werden.

Probleme des alltäglichen Lebens

Kaum zu glauben, aber es gibt immer noch Dinge in Hanoi und Vietnam, die mir fremd scheinen. Wahrscheinlich wird sich das auch nicht ändern. Obwohl die letzten Monate, in denen ich mich noch mehr mit Vietnamesen austauschen konnte, mir die Tür zu dieser Kultur ein bisschen mehr öffnete. Der alltägliche Umgang miteinander und Verhaltensweisen von Jugendlichen, die in Deutschland als normal und selbstverständlich erscheinen, werden für Jugendliche in Vietnam zum Problem. Aber diese Probleme werden nicht als solche wahrgenommen, sie sind einfach da und man muss sich mit ihnen arrangieren und das Beste daraus machen.

Ein weiteres offensichtliches Problem ist die Umweltverschmutzung. An einige Dinge gewöhnt man sich – zum Beispiel an die schlechte Luft vorallem zur Hauptverkehrszeit, in der man Masken tragen muss, damit man nicht soviel Abgase einatmet. Andere Dinge wiederum sind besonders schwer zu akzeptieren. So schmerzt es mir jedes Mal, wenn ich Vietnamesen Müll in Seen und Flüsse werfen sehe. Ebenso ist es für mich nicht nachvollziehbar, dass eine Teestube seine Getränke in Plastikbecher ausschenkt – ist es doch nur eine Unmenge an Abfall, der entsteht!
Im Gespräch mit Vietnamesen höre ich heraus, dass sie sich gewisser Probleme – vorallem der Luftverschmutzung durch sehr hohes Verkehrsaufkommen – bewusst sind, allerdings scheint es an Alternativen zu mangeln. So lange es auch hinsichtlich des vielen Mülls keine anderen Möglichkeiten gibt, wird sich daran auch schwer etwas ändern.

Zum alltäglichen Leben gehören natürlich auch Momente, an die man sich nicht gerne erinnern möchte. Beispielhaft dafür: Ein Mopedunfall, der sich vor uns ereignete. Beide Mopeds stürzen. Der Unfallverursacher flieht. Das Opfer bleibt zunächst leblos liegen. Wir halten – NUR wir. Wir werden sogar noch angeschrien, weil wir halten und den Weg blockieren. Ein anderes Moped hält dann doch und hilft. Das Opfer rappelt sich wieder hoch. Ich atme auf. Ein sehr erschreckender und zugleich unglaublich enttäuschender Moment über die Rücksichtslosigkeit und Kaltherzigkeit einiger Vietnamesen.

Trotz einiger Probleme, die ich als immerwährende Herausforderungen betrachte, bereue ich es nicht hier zu sein und bin dankbar für die vielen netten Kollegen und Freunde, die immer mit Rat und Tat zur Seite stehen, und für die beeindruckenden Erlebnisse!

Endspurt vorm Urlaub

Sa, 05/15/2010 - 18:51

Ich bitte vielmals um Entschuldigung, dass ich meinen Blog im letzten Monat vernachlässigt habe.

Im März hatten wir unser Zwischenseminar in Dapaong, im Norden Togos, abgehalten. Der starke Harmattan des Nordens hat uns alle ein bisschen rumkränkeln lassen. Dennoch war es eine gute Gelegenheit für einen kleinen Ausbruch aus dem Alltag und eine Zwischenbilanz.

Den 1. Mai haben wir gross mit den Lehrern von Novissi gefeiert. Am Vorabend haben wir uns zum gemeinsamen Kochen getroffen und am Samstag dann bei Spiel und Tanz alles verspeist. Auf dem Menu standen viele togolesische Gerichte, deren Namen ich nicht ausprechen, geschweige denn schreiben kann. Aber lecker wars. Gefeiert haben wir auf einer grossen Festwiese mit vielen anderen Menschen, die es uns gleich taten.
Der Tag der Arbeit scheint für die Togolesen ein guter Grund zu sein, viel Geld auszugeben. Wir (als Gruppe der Lehrer von Novissi) haben uns für diesen Tag sogar extra Kleidung anfertigen lassen. Mehr als 20 Euro hat jeder investiert, was ungefähr einem Monatsgehalt eines togolesischen Grundschullehrers entspricht...

Für die Kinder in der Schule hat nun das letzte und entscheidende Trimester begonnen und es sind gerade mal drei Wochen bis zu den Abschlussprüfungen, die über Versetzung oder Sitzenbleiben entscheiden. Deshalb haben wir die Kurse nun auf die schwächsten der Patenkinder konzentriert, damit auch sie noch eine Chance haben, ins nächste Schuljahr zu gehen.
Dennoch kann man bei vielen Fortschritte erkennen. Ob das nun an unseren Kursen liegt oder im Kind selbst verankert war, naja, das weiss man in der Pädagogik ja nie so genau. Auf jeden Fall tut es gut zu sehen, dass die Kinder sich entwickeln.

Bald steht auch wieder der Besuch von der Delegation von Zukunftschance an. Eine kleine Gruppe von Pateneltern wird Ende Juni nach Kpalimé kommen.

Doch nach den Prüfungen steht erstmal mein Jahresurlaub an. Ich hoffe, dass ich dann endlich die Zeit und Energie finde, weitere Städte und Regionen Togos und seiner Nachbarländer kennenzulernen.