Hallo alle miteinander!
Zunächst einmal: Mein 6. Erfahrungsbericht ist online!
Ich habe mich lange nicht gemeldet! Das heißt, dass es mir gut geht, ich viel zu tun habe und die Zeit viel zu schnell vergeht.
In den letzten Monaten hat sich viel verändert. Von der WG-Besetzung bis hin zu meiner Zukunftsplanung.
Tine und ich bilden jetzt nur noch eine 2er WG, da Jeannette sich aus persönlichen Gründen dazu entschieden hat zurück nach Deutschland zu fliegen. Das war schon Ende Februar. Seit da an wohnen Tine und ich also nur noch zu zweit in dem riesen Haus. Manchmal ist es wirklich einfach zu groß, aber wir haben fast immer Besuch aus Deutschland bei uns wohnen. Im Moment ist z.B. Tines Mutti bei uns.
Ansonsten sagte ich ja schon, dass sich einiges in meiner Zukuftsplanung geändert hat.
Vor ca. einem Monat hat mir mein Betreuer Jo gesagt, dass es uns wahrscheinlich nicht mehr genehmigt wird nach Dienstende rumzureisen – was ich mir ja von Anfang an fest vorgenommen hatte.
Das Problem ist, dass nach der Wahl das Entwicklungsministerium und somit auch das Programm weltwärts in FDP Hand ist… Und die genehmigen uns das nun nicht mehr. Nun hieß es für mich mir schnellstmöglich zu überlegen, was ich denn dann nun eigentlich machen will, wenn ich in gut drei Monaten wieder daheim bin.
Am naheliegendsten liegt natürlich das Studium! Ich habe mich nach langem, 9-monatigen überlegen dazu entschieden mich in Berlin und nicht wie geplant in Köln zu bewerben.
Zur Zeit habe ich also viel damit zu tun mir meine Unterlagen aus Deutschland schicken zu lassen, Lebenslauf zu schreiben und und und. Bewerben aus dem Ausland ist schon stressig.
Aber es wird alles, ich denke ich werd alles rechtzeitig zusammen haben um mich dann bis zum 15.Juli an der FU für Sozial- und Kulturanthropologie zu bewerben mit den Nebenfächern Spanisch und Lateinamerikanistik. Es gibt dann also nur noch zu hoffen, dass ich auch angenommen werde…
Zudem muss jetzt auch schon alles für unsere Nachfolger geregelt werden, Papiere müssen für sie nach Deutschland geschickt werden und etliches anderes Zeug.
Ansonsten ist das Leben hier toll und wird fast noch von Tag zu Tag schöner. Ich habe inzwischen mit einer Freundin einen Salsa Kurs angefangen (wobei ich nicht behaupten würde, dass ich nun Salsa tanzen kann, geschweige denn Talent habe – aber Spaß machts!) und in meiner Freizeit hab ich fast nur, wie es der Zufall so will, mit den Anthropologie Studenten hier zu tun.
Dadurch bekomme ich auch hin und wieder echt interessante Möglichkeiten.
Letzten Freitag war ich abends mit einer guten Freundin, Lucía (natürlich Anthropologie Studentin) unterwegs, weil ihr Professor sein neues Buch in einer Bar vorgestellt hat, über die aktuelle Entwicklung in Chiapas.
Im Laufe des abends meinte Lucía, dass sie am Samstag in die Selva (den Urwald) fahren will, weil sie da von den Lakandonen (eine indigene Gemeinde) sich verabschieden will. Sie hatte zwei Wochen mit denen in ihrer Gemeinde gelebt, weil sie dort für ihre Thesis geforscht hatte.
Lucía und ihr Professor fragten, ob ich nicht mitkommen wolle und da war ich natürlich sofort dabei.
Wir fuhren also am nächsten Tag los. Die Fahrt dauerte 5 Stunden und führte uns durch die entlegensten Berge von Chiapas. Die letzten 1 ½ Stunden mussten wir auf einer nicht befestigten Schotterstraße hinter uns bringen.
Aber dann waren wir angekommen. Mitten im Nichts.
Es war wirklich Urwald um uns rum, wir hörten die Affen von den Bäumen brüllen und die Papageien flogen plapperns an uns vorbei.
Lucía stellte uns dann der Familie vor, wo sie damals zwei Wochen gewohnt hatte.
Wie ich schon sagte waren sie vom Stamm der Lakandonen. Heute gibt es nur noch 5 Dörfer in ganz Chiapas, wo die Lakandonen ansässig sind. Und diese Dörfer haben, wie Naha, wo wir waren, auch nur um die rund 130 Einwohner.
Ich glaube ich war die erste Touristin, die jemals dieses Dorf betreten hatte und die Lakandonen besuchen durfte…
Lucía stellte uns also der Familie vor, zunächst natürlich den beiden Hausältesten, 2 indigene Omis. Das Haus gehörte einst dem Stammeshäuptling, welcher vier Frauen hatte, aber inzwischen schon verstorben war. Eine der vier Frauen war durch einen tödlichen Schlangenbiss gestorben und die andere an Altersschwäche. Die zwei noch lebeden Frauen lernten wir nun also kennen. Sie leben bis heute noch friedlich zusammen im Haus und verpflegen die anderen Familienmitglieder.
Die Verständigung war etwas schwer, weil die Frauen kein Spanisch sprachen und wir kein Mayab, bzw. nur einige Brocken.
Die jüngeren Familienmitglieder lernten schon Spanisch und konnten sich daher mit uns verständigen und übersetzen.
Für mich war es unglaublich zu sehen, wie alle dort lebten. Es war keine Armut, es war einfach anders. Das gesamte Haus war aus Holz zusammen gebaut, einfach alles. Sie hatten Wasser und Elektrizität, kochten aber im Haus auf offenem Feuer.
Dieser Ort war einfach die Idylle pur…
Nachdem sie uns etwas zu Essen zubereitet hatten besuchten wir noch die Lagune. Dazu mussten wir uns ca. 10 Minuten durch den dichten Dschungel kämpfen, kamen dann aber an der türkisblauen Lagune Naha an…
Nach insgesamt zwei Stunden im Dorf machten wir uns schon wieder auf den Rückweg, damit wir die kurvige Schottersteinstraße noch vor Regenbeginn hinter uns bringen konnten (die Regenzeit ist leider wieder zurück gekehrt).
Für mich war dieser Besuch ein einmaliges Erlebnis und wieder eine tolle Erfahrung!
In gut zwei Wochen habe ich Urlaub und ich werde nach Ecuador fliegen, da ich dort einen sehr guten Freund von mit besuche, der gerade seinen Zivildienst dort macht.
Wenn ich von dort zurück bin melde ich mich sicherlich wieder!