Asien

Ein Abschied

Weltwaerts-Kolkata - So, 07/25/2010 - 12:27

Am letzten Tag in Kolkata war noch vieles zu erledigen: Koffer mussten fertig gepackt, Abschiedsgeschenke an unsere Kollegen verteilt und ausgiebig von unseren Hostelboys Abschied genommen werden.

Fast überraschend gab es eine kleine Abschlussfeier der Organisation, bei der uns feierlich (nicht nur) unsere Zertifikate überreicht wurden.

Alle Kinder der Tikiapara und Buxarah Center sind noch einmal versammelt

Zuerst werden wir - ganz wie bei unserer Ankunft - mit einer Blumenkette geehrt ...

Es folgen kurze Reden vom President, Dr. Razzaque und auch wir sollen ein paar kurze Worte an alle richten.

Es bleibt aber nicht bei den Blumen ... auch Geschenke gibt es für uns.

Und höchst feierlich erhalten wir unser Zertifikat über die ein Jahr lang hier geleistete Arbeit.

Von unserer Seite: Süße Rasgulla für alle - 200 Stück.

Ein schöner Abschied.


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Kulturelle Kommentare – indische Toiletten

Weltwaerts-Kolkata - Do, 07/15/2010 - 16:51

Manchmal muss man sich eben auch mit Scheiß beschäftigen. So ganz wörtlich.

Nicht selten kann man bei uns im Viertel kleine Kinder dabei beobachten wie sie auf der Straße in (oder auch neben) die offene Kanalisation kacken. Die etwas bessere indische Toilette besteht aus einem Loch im Boden … und einem kleinen Wassereimer. Was den verwöhnten Deutschen erstmal vor gewisse Schwierigkeiten stellt. Das Problem mit dem Abwischen ist oft aber nicht so problematisch – umso schlimmer der Durchfall, umso weniger bleibt schließlich hängen.

Alle potentiellen Besucher dürfen aber beruhigt sein. Unsere Unterkunft bietet sogar ein stilles Örtchen westlichen Stils. Nur das mit dem Klopapier ist so eine Sache. Unter Berücksichtigung ökonomischer Theorien verfolgen wir eine recht radikale „Just-In-Time“-Einkaufsstrategie um Lagerkosten möglichst gering zu halten und Spendengelder zu schonen. Natürlich versuchen wir uns auch der indischen Kultur anzupassen, was allerdings dazu führt, dass aus „Just-In-Time“ immer wieder „Way-Too-Late“ wird.

Naja, wenn schon indisch, dann richtig.


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Endspurt

Bahsa Indonesia - So, 07/11/2010 - 19:46

Zwei recht erfolgreiche Monate liegen nun hinter mir. Ich weiß jetzt, dass der Weltwaertsler Christian mein Projekt ab September übernehmen wird, es gab einige Fortschritte mit meiner Waisenhaus-Organisation Muhammadiyah, das Müllsystem läuft relativ gut, ich bin mit 2 Liter Essig, Spiritus und 50 Plastiktüten dem Schimmel Herr geworden und habe es dank meiner Besuche auf dem Obstmarkt geschafft seit dem Dengue-Fieber in Vietnam gesund zu bleiben. Drei Wochen bleiben mir noch im Projekt und trotzdem kommt es mir noch wie eine Ewigkeit vor. Ich kann mir gar nicht mehr richtig vorstellen wirklich wegzugehen, sosehr ist das Leben hier schon ein Teil von mir geworden.

Dem Ende nahe

Viel Zeit verbrachte ich in den letzten Wochen damit, das Ende im Projekt vorzubereiten. Für die Waisenhäuser habe ich Poster gemacht und jeder Junge bekommt vor meiner Abreise ein laminiertes Foto von sich mit kleinem persönlichem Abschiedsbrief auf der Rückseite. Zusätzlich warten auf den neuen Freiwilligen Christian ein Freiwilligenbuch und eine Liste aller Jungs mit kleiner Charakterisierung, damit der Einstieg ein bisschen leichter fällt. Allerdings wird sich bis zu seiner Ankunft nochmal einiges ändern. Nach kleiner Kampagne von Muhammadiyah leben ab nächster Woche mindestens 15 neue Jungs im Waisenhaus, davon 10 in Soka. Damit hat sich dort die Bewohner-Zahl verdoppelt und die neuen Jungs sind natürlich noch nicht mit Regeln, Englisch-Unterricht und Mülltrennung vertraut.

Im Kauman-Waisenhaus ist Englisch wieder ein Teil des Projekts geworden. Zusätzlich machen wir regelmäßige Aufräumaktionen, wodurch die Jungs Belohnungs-Sterne sammeln können. Das funktioniert so gut, dass wir vor zwei Wochen den ersten Ausflug ins Schwimmbad gemacht haben. Heute werden wir uns im Nudelkochen versuchen.
Im Soka-Waisenhaus ist es uns nun endlich gelungen nach dem Bau des Verbrennungsofens einen großen Teil des Mülls loszuwerden und den Ofen auszuprobieren. Auch wenn der Filter noch nicht ganz funktioniert, ist der Brennvorgang um einiges sauberer geworden. Durch bessere Luftzufuhr verbrennt der Müll viel besser und der schädliche Rauch wird nicht direkt von den Jungs eingeatmet. Zusätzlich haben wir ein Haus in der Nachbarschaft gefunden, wo anorganischer „recycle“ Müll verkauft werden kann (Glas, Metall, Papier, bestimmte Plastikarten) Dadurch können wir den Müll, den wir verbrennen, um Einiges vermindern. Der erste Kompost ist auch schon voll. In letzter Zeit sind meine Besuche in Soka allerdings seltener geworden. Statt Englisch-Unterricht arbeitete ich dort meistens am Müllsystem. Mit den vier Schulabgängern schrieb ich Lebensläufe auf Englisch. Leider ist mir erst zu spät aufgefallen, dass sie fast keine Vorbereitung auf das Leben nach der Schule haben. Da die Universität zu teuer ist, versuchten die meisten über Familie und Freunde an „irgendeinen“ Job ranzukommen. Einer von ihnen, Sukrisno, hat das Glück ein Vollstipendium von Muhammadiyah zu bekommen. Die Organisation bietet alle vier Jahre Unterstützung für Unibewerber an und der letzte Kandidat macht gerade seinen Abschluss.

Wolkiges Ostjava

Als Camille, eine Freiwillige aus Semarang, mich fragte, ob ich sie auf ihrer Ostjava-Tour begleiten will, konnte ich natürlich nicht Nein sagen. Von Anfang an hatte es mich gereizt mit dem Motorrad den Osten Javas zu bereisen. Auch wenn das Motorrad dieses Mal nicht Teil der Reise war, ist es trotzdem schön geworden. Über Yogyakarta, wo ich im Batik-, und Fahrrad-Antiquitätenladen noch ein paar Mitbringsel für Deutschland eingekauft habe, ging es mit dem Zug Richtung Osten. Nach 12 Stunden Economy-Zug und weiteren 2 Stunden Minibus kamen wir nach Bromo, eine kleine Gebirgskette mit einem aktiven Vulkan und DAS Touristenziel in Ostjava. Nach zähen Verhandlungen, wurden wir morgens um vier Uhr mit zwei Mopeds zum Aussichtspunkt gebracht, von dem man eigentlich den schönsten Blick auf die sonnengerötete Bergkette hat… wenn keine Wolken im Weg sind!
Nächstes Ziel war Surabaya, die Provinzhauptstadt und eine der größten Stätte Indonesiens. Neben einem Blick in die unzähligen Malls, wollte Camille vor allem die kleine jüdische Gemeinde besuchen und als deutsche Jüdin beim Freitagsgebet mitmachen. Allerdings wurde sie sofort aus der unscheinbaren Synagoge rausgeschmissen und man wollte auch nicht mit uns reden. Die letzten fünf jüdischen Familien Indonesiens hatten scheinbar große Angst vor dem Antisemitismus der Indonesier. Die sonst so offenen Indonesier, die allen Religionen freundlich gegenüberstehen, hatten sich zu der Zeit für Palästina und gegen Israel verbündet. Kein Indonesier weiß natürlich etwas über den 2. Weltkrieg, die Judenverfolgung und den Hintergrund des Israel-Palästina-Konflikts, aber die meisten sind sich einig, dass alle Juden die Muslime hassen und schlechte Menschen sind. Das wurde ihnen jedenfalls gesagt. Mich hat dieses allgemeine Unwissen, mit diesem extremen Beispiel, wirklich erschreckt und mir noch mal vor Augen geführt, wie gefährlich Unwissenheit und Ignoranz eigentlich sein kann. Das Thema wurde sofort in den Englisch-Unterricht aufgenommen, aber die Jungs konnten es nur teilweise nachvollziehen.

Blick in die Zukunft

Campleader bin ich gewesen, zu mindestens für ein Wochenende, der Ofen steht und funktioniert in Soka und auch sonst habe ich eigentlich alles gemacht, was ich mir für dieses Jahr vorgenommen habe. Die nächste Zeit ist dementsprechend nicht mehr so intensiv. Ich werde weiter unterrichten, die neuen Jungs kennenlernen und noch ein bisschen reisen. Ende Juli ist dann schon das Abschlussseminar angesagt. Von dort aus fahre ich dann zusammen mit IIWC-Koordinator Puji nach Kambodscha, um an einem Workcamp teilzunehmen. Die letzte Woche im August verbringe ich nochmal in Indonesien, wohne im Waisenhaus, verabschiede mich und werde dann Richtung Deutschland ziehen.

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Tick, Tack, …

Weltwaerts-Kolkata - So, 07/11/2010 - 12:12

Tick, Tack, …

Die Zeit rennt. Erstaunlich wo die guten Vorsätze, die Dinge nicht auf die letzten Wochen zu schieben sich doch nicht durchgesetzt haben – aber es macht eben auch keinen Spaß Mitbringsel einzukaufen, wenn die Heimreise noch ewig hin ist. Jetzt versuche ich jedenfalls noch fast verzweifelt die Mitarbeiter im Büro für ein neues Verwaltungs-Programm zu schulen, ein Erinnerungs-Buch zu erstellen, Unterlagen für die nächsten Freiwilligen herzurichten, letzte Einkäufe zu machen, Fußball-WM zu schauen und nebenher auch noch intensiv Zeit mit den Hostelboys zu verbringen.

Langweilig wird es mir also auch in den letzten Tagen meines Indien-Jahres nicht mehr – Langeweile war seit meiner Ankunft eigentlich ein Problem, das nie aufkam. Es mag manchmal anstrengend oder gar frustrierend gewesen sein – abwechslungsreich und interessant aber war es fast immer. Einige meiner „Projekte“ haben vielleicht auch diese – absolut unverrückbare – Deadline gebraucht um in die Gänge zu kommen … und mitlerweile gehen auch diese letzten Dinge dem Ende entgegen.

Es ist eine etwas seltsame Situation, so fast schon im Aufbruch. Ich freue mich schon richtig auf Deutschland und einige alltägliche Dinge dort. Und ich kann es kaum erwarten mit meinem Studium anzufangen, (fast) ganz frei interessante Dinge zu verfolgen. Dass ich in weniger als zwei Wochen diese faszinierende Welt hier in Indien verlassen werde und es vermutlich mehrere Jahre dauern wird bis ich mal wieder „vorbeischauen“ kann, beschäftigt mich dagegen im Moment erstaunlich wenig – vielleicht ist das einfach noch nicht recht angekommen.


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Linktipps

King in Hanoi - So, 07/11/2010 - 10:49

Vietnam ist ein sehr schönes Land, doch es hat auch noch seine Schattenseiten.
Im Mai dieses Jahres hat Amnesty International seinen Jahresbericht 2010 vorgestellt, hier geht es zum Eintrag über Vietnam.
Ich bin wieder zurück in Deutschland und kann nun auch etwas freier schreiben. Zurückdenken muss ich persönlich an korrupte Polizisten, das Tabuthema Politik im Unterricht und die Aufregung um diesen Artikel über die vietnamesischen Minderheiten.
Auch gibt es für mich wieder freien Zugang zu Facebook, der in Vietnam ja gesperrt ist.

Auch freiwillig, jedoch in einem ganz anderen Winkel der Erde geht es mit meinem Bruder weiter.
Auf kinginmiami können Interessierte für ein Jahr lang an den Erfahrungen eines Freiwilligen in Miami, Florida teilnehmen.


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Warnungen I

weltwärts nach Armenien - Mi, 07/07/2010 - 15:32
Der Titel ist vielleicht ein wenig irreführend - ich wurde jetzt natürlich nicht zum ersten Mal vor irgendwelchen Gefahren in Zusammenhang mit meinem Freiwilligendienst gewarnt.Aber da letzten Freitag im Armenischen Club[1], wieder welche dazu kamen, nehme ich das als Anlass, ein wenig zusammenzufassen, was es da bis jetzt so gab.Zuerst einmal die neuesten:Ich solle besser nicht alleine Reisen. Explizit wurde dies nicht näher begründet, doch ich denke mal, dass darauf abgezielt wurde, dass die Armut Einzelne - verständlicherweise? - dazu bringt, nicht (nur) gastfreundschaftlich zu sein, sondern die Gelegenheit am Schopfe zu packen, wenn ein reicher Europäer in Haus oder Ortschaft ist.Das nächste war, dass ich doch besser darauf verzichten solle "Chorovats", die armenischen Grillfleischspieße, am Straßenrand zu kaufen, da dort oftmals auch auf der Straße geschlachtetes Fleisch genutzt werde...Bei beiden Warnungen denke ich mir, dass ich sie auf jeden Fall im Hinterkopf behalten und dementsprechend - wenn als nötig erachtet - vorsichtig sein werde. Trotzdem werde ich wohl - soweit ich das jetzt einschätzen kann - nicht gänzlich auf das Reisen alleine verzichten - nicht zuletzt, weil alle Volunteers mir eben das raten - und bestimmt auch das ein oder andere Mal Chorovats am Straßenrand essen.
Ansonsten wird man natürlich häufig vor dem Kulturschock gewarnt, wobei das natürlich nicht wirklich etwas Überraschendes ist... Außerdem finde ich z.B. in meinem "Kauderwelsch"-Sprachtrainer einen Kurz-Knigge und in meinem dt. Armenien-Reiseführer und meinem Kaukasus-lonely-planet werden natürlich auch Kultur und Bräuche/Traditionen näher gebracht und mögliche Fettnäpfchen aufgezeigt. Außerdem habe ich mir jetzt das mehrmals in der Bücherei ausgeliehene, sehr kritische und auch stark kritisierte "Kulturschock Kaukasus" von Ute Friesen und Marcus Würmli aus dem Reise-KnowHow-Verlag bestellt.Das nächste, was man häufig hört, ist, dass man nicht zu hohe Erwartungen haben dürfe bzw, dass man natürlicherweise zu hohe Erwartungen hat. Und das hört man wirklich häufig... Sehr häufig! Ob jetzt in den Standard-Schreiben, die man so bekommt, ob im "Orientierungsseminar", wo darüber bestimmt eine halbe Stunde diskutiert wurde, ob in Berichten von anderen weltwärts-Freiwilligen der Entsendeorganisation, die gerade (nach einem Jahr) "fertig" werden oder im Blog eines PeaceCorps-Freiwilligen, der nach 27 Monaten feststellt, dass er kaum was bewegt habe. Daneben machen mir andere Freiwillige allerdings wieder Mut (oder falsche Hoffnungen?), dass man nur beständig oder hartnäckig genug sein müsse und sich von den anfänglichen Schwierigkeiten nicht demotivieren lassen dürfe, und dann auch was erreichen könne. Eine, an die ich dabei denke, hat z.B. im Rehabilitation Center for Children (ebenfalls in Yerevan) ihre Spuren hinterlassen, indem sie dort die sogen. "Happy Rooms" gestaltet und aus Armenien Spendengelder in Österreich gesammelt hat, um diese Spielzimmer auch mit nötigem Spielzeug ausstatten zu können.Zu guter Letzt heißt es immer wieder, dass man wahnsinnig viel Selbstständigkeit zeigen müsse - allerdings in der Hinsicht, dass man in seine Arbeit häufig nicht Eingewiesen wird und auch kein Feedback bekommt - man also nur für sich selbst verantwortlich ist und sich selbst so seine Aufgaben sucht. Vor allem das ist, etwas, wovon ich denke, dass es für mich sehr schwierig sein könnte. Mir bedeutet es (im Moment und von hier aus gesprochen, doch hoffentlich auch später noch) schon viel, dass man mit meiner Arbeit zufrieden ist und ich einen guten Eindruck mache...
Insgesamt sind das allerdings alles keine "Bedrohungen", die mir im Moment große und ernsthafte Sorgen bereiten. Natürlich behalte ich sie im Hinterkopf und vergegenwärtige ich sie mir immer wieder, doch es ist auf keinen Fall so, dass ich mich davor fürchte...
[1] Die Armenische Landsmannschaft in Bayern e.V. veranstaltet jeden Freitag in der Jahnstr 27 (hier in München) ein Club- bzw Vereinstreffen, um bei ein wenig Backgammon ("nardi" bei den Armeniern - allerdings meiner Erfahrung nach nicht, wie im aktuellen deutschen Wikipedia-Eintrag beschrieben), Scrabble, und Ratscherei am Tisch Kontakte und vor Allem die Armenische Sprache zu pflegen.Mein Armenisch ist leider z.Zt. noch viel zu schlecht, um da auch nur ansatzweise mitzukommen, wenn die Muttersprachler sich da unterhalten.
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Traurige Fakten

Mein weltwärts Blog - Mi, 07/07/2010 - 04:46

Manara hat eine Einwohnerzahl von ca. 250 Menschen, die sich auf ungefähr 50 Haushalte aufteilen. Man sieht also das die durchschnittliche Familie drei Kinder hat. Das Dorf ist keineswegs alt, eigentlich handelt es sich um eine künstliche Siedlung aus dem Jahr 1984. Bis dahin hatten die Ata mehr oder weniger ein nomadisches Leben geführt und zogen, sehr zur Verärgerung lokaler Politiker, von Ort zu Ort. Im besagten Jahr aber beschloss eine einflussreiche Politikerin namens Rowena Guanson dem ein Ende zu machen. Den Ata und ihren Familien wurde befohlen von nun an in besagtem hügligem Gebiet in der Nähe von Dian-ay zu siedeln, ein Land von insgesamt 60 Hektar würde ihnen dafür "großzügigerweise" zur Verfügung gestellt werden. Tatsache ist, dass von diesen 60 Hektarn, nur noch ein Bruchteil wirklich im Besitz der Ata ist. Aus existentieller Not heraus und nicht an Eigentum gewohnt, verkauften viele gleich zu Beginn für einen Spottpreis ihr Land an Einheimische, die sich diese Chance natürlich nicht entgehen ließen. Ein weiterer Grund ist, dass militante Gruppierungen wie die Revolutionary Proletarian Army (RPA), Teile des Lands einfach an sich gerissen haben. Diese Situation ist auf den Philippinen nicht Ungewöhnliches, in vielen Fällen wurde die Unwissenheit der Natives schamlos ausgenutzt. Es gibt nun seit einigen Jahren ein Gesetz das allen Ureinwohnern ihr von Alters her zustehendes Land (sog. Ancestoral Domain) garantieren soll und auch von Staatsseite protegiert wird. Zumindest in der Theorie. Tatsächlich hat sich an der Lage zumindest in Manara bisher nichts geändert , was wohl einfach daran liegt, dass es einflussreiche Landlords gibt, die ein Einschreiten der Politik durch kleine Überzeugungszahlungen verhindern. Das Land ist aber nur der Anfang von den Problemen in Manara.

Als gravierenstes Faktum könnte man das Fehlen einer gesicherten Wasserversorgung nennen. Die einzige Quelle für halbwegs trinkbares Wasser liegt, wie im letzten Blog beschrieben, 100 Meter unterhalb des Dorfes. Das Tragen des Wassers ist unglaublich mühsam und so wird nur das wirklich notwendigste transportiert. Das wiederum führt dazu, dass Hygiene nicht gerade groß geschrieben wird und Durchfallerkrankungen bei Kindern überdurchschnittlich häufig auftreten. Noch schlimmer ist allerdings, dass die Abgelgenheit des Wassers auch eine Bewirtschaftung der Felder geradezu verunmöglicht. Familien haben bestenfalls größere Hintergärten, etwas abseits des Dorfs liegt ein vollkommen vertrocknetes Reisfeld. Das führt zwangsläufig dazu, dass die Ernährung gerade in der Trockenzeit mehr als unzureichend ist. Als trauriger Beleg dafür steht eine Messung des Body Mass Index bei Kindern unter fünf Jahren. Von 100 Kindern waren 100 unterernährt, eine Marke die bei weitem nicht von den anderen Barangays erreicht wird, in denen wir Messungen durchgeführt hatten. Umso mehr war ich erstaunt, wie die Kinder trotz allem so fröhlich und aktiv sein konnten. Jedoch sieht ein Besucher immer nur eine Seite der Medaille. Viele der Kinder sind zu schwach um den fünf Kilometer langen Weg zur nächsten Grundschule zu gehen, und bleiben deshalb zu Hause. Das Wasserproblem in der Griff zu bekommen, wäre nicht sonderlich schwierig, wenn man einfach eine Leitung, von einer höher gelegenen Waldquelle legen würde. Bei einem Besuch im zuständigen Regierungsbüro in der Provinzstadt Cadiz sagte man uns sogar, dass eine solche Leitung bereits einmal bestanden habe, dann aber auf mysteriöse Weise verschwunden sei. Die Schuld wurde den Ata zugeschoben: Sie hätten Teile des Tanks und der Leitung des nachts gestohlen und dann gewinnbringend am Markt verkauft. Wir schlugen der zuständigen Abteilungsleiterin eindringlich vor, die Leitung zu erneuern. Sie erwiderte aber nur, dass dieser Plan längst stehe und bald umgesetzt werden würde. Bis heute (vier Monate später) ist in dieser Hinsicht nichts weiter geschehen.

Die Geschichte Manaras ist verworren und voller Merkwürigkeiten. Das Dorf ist ein konstantes Ziel fragwürdiger Besucher aus dem In-und Ausland (vielleicht sollte ich mich auch selbst dazu zählen). Da wäre zum Beispiel eine amerikanische Anthropologie-Organisation, die den Spuren der Ursprungsmenschen folgt. Die Leute kamen irgendwann in den 1990ern und waren brennend an dem Blut der Dorfältesten interessiert. Sie feilschten ein wenig und kauften ihr schließlich einen Liter ab. Die Bezahlung bestand aus einem Sack Reis. Die Leute wurden über nichts informiert, auch nicht über die Risiken einer Blutspende in hohem Alter. Die Frau verfiel schnell und starb innerhalb weniger Wochen. Die Anthropologen waren bereits über alle Berge.

Wie könnte es auch anders sein, haben bereits verschiedenste Sekten Manara den Hof gemacht. Das Resultat ist nicht nur der grüne Betonklotz in der Dorfmitte sondern noch zwei weitere Kirchen. Alles in allem führt es zu dem unglaublichen Absurdum, dass in einem 250 Seelen Dorf, vier verschiedene Konfessionen vertreten sind. Das geht von Baptisten, über merkwürdige koreanische Missionskirchen, bis zu dem schon vor Jahrzehnten eingeführten Katholizismus. Insgesamt belegen die Geburtsurkunden recht eindrucksvoll den Wandel. Waren 1990 noch sämtliche Einwohner Manaras katholisch getauft worden, sind mittlerweile fast alle zu einer der drei neuen Grupprieungen konvertiert (worden). Für sie selbst scheint das aber nichts merkwürdiges zu sein und so werden sonntags auch drei verschiedene Messen in drei verschiedenen "Kirchen" gefeiert.

Ich habe ja schon erwähnt, dass die Sprache der Ata Ilonggo ist. Eigentlich aber ist auch das nur etwas von den "Lowland" Philippinos Adaptiertes. In Manara sprechen nur noch wenige Leute die ursprüngliche Sprache Ata. Eine von ihnen ist Nang Mariting, mit der ich schon ein wenig besser kommunizieren konnte, da sie auch Cebuano spricht. Sie gibt den Kindern Manaras jeden Sonntag eine Stunde Sprachunterricht. Deren Interesse an der Tradtition kann aber eher als bescheiden bezeihnet werden. Als wir mit ihr eines Nachts sprachen, um eine kleine Vokabelliste zusammen zu stellen, saß auch ein 15-jähriger Junge dabei, der bei jedem Wort Ata lachen musste. Als wir ihn fragten warum, sagte er, dass es einfach unnatürlich klinge. Wahrnehmung ist in der Tat etwas sehr subjektives. Natürlich ist es schön, die Tradition zu bewahren, die Sprache ist schließlich der einzige Teil der noch von der Kultur erhalten geblieben ist. Aber wie will man das Jugendlichen erklären, die lieber in der Stadt leben würden, wo sie vielleicht zumindest ihr gesichertes tägliches Brot hätten.

Die Frage ist natürlich was wir als Fremde ausrichten konnten und unsere Überzeugung war, dass man zumindest die dringensten Nöte mildern kann. Da es ein Feeding Programm gibt, bei dem angereicherter Reis als kurzfristige Hilfe verteilt wird, wollten wir davon das nächste Mal ein paar Kartons nach Manara mitnehmen. Desweiteren wollten wir auch wieder Ernährungs -und Gesundheitsunterricht geben. Für eine vitaminreichere Ernährung hatte ich von der Stadt verschiedenste Samen besorgt, die wir an jeden Haushalt verteilen wollten und die sie dann im Hintergarten anbauen konnten. In einem Nebenraum unseres Büros fand sich auch noch ein Sack Altkleider, den wir dann verteilen wollten. Durch die hohe Lage, sind die Nächte in Manara empfindlich kühl und die Kinder sind fast alle von chronischen Erkältungen geplagt, die aus einem Mangel an warmer Kleidung resultieren. Weitere Ideen waren, natürliche Produkte zu vermarkten, die die Ata herstellten. Das waren zum Beispiel kleine Beutel, Besen oder Matten aus Gräsern.

Als ich jedoch das nächste Mal in Manara war, wurde ich gleich am zweiten Tag krank und musste mit Dengue-Fieber ins Krankenhaus in San Carlos eingeliefert werden. Meine Motivation zurückzukehren war danach eher gering, zu schwer war doch die Kommunikation und das Risiko krank zu werden doch ziemlich hoch.

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Servus!

weltwärts nach Armenien - Di, 06/29/2010 - 21:07
Hi, Servus, Willkommen und բարի եկար!
Ich fange hier mein "weltwärts nach Armenien"-Blog an, weil ich ... nun ja, ich gehe mit weltwärts nach Armenien. Noch bin ich allerdings nicht in Armenien, sondern in Deutschland. Genauer gesagt: Im heimelichen München ;)
Doch erstmal zu mir: Ich heiße Andi und habe hier in München gerade mein Abitur abgelegt. Da ich (seit letztem Sommer) tauglich gemustert bin, allerdings keinen Kriegsdienst leisten möchte, muss ich einen Zivildienst oder einen anerkannten Ersatzdienst leisten. Dass ich ein Auslandsjahr machen möchte, weiß ich, glaube ich, schon recht lange. Dass Armenien das Land sein würde, ungefähr seit Anfang 2008, als mein großes Armenienfieber geweckt wurde.
Seitdem habe ich alle in unserer Stadtbibliothek verfügbaren Bücher mindestens 3 mal ausgeliehen und ausgiebig darin geschmökert. Als das nicht gereicht hat, kam dann ein Teil des Bestandes der Staatsbibliothek dran...
Über mein konkretes Auslandsjahr weiß ich noch nicht so lange... Noch vor dem Sommer letzten Jahres begann ich, mich über Möglichkeiten zu informieren, das Jahr im Ausland zu verbringen und bin schnell auf weltwärts gestoßen, da man da sein Auslandsjahr eben auch als ADiA (Anderer Dienst im Ausland) und somit als Zivildienstersatz anerkennen lassen kann. Über die Homepage von weltwärts, die anfangs allerdings noch eher chaotisch war und innerhalb der letzten 1,5-2 Jahre stark überarbeitet wurde, waren schnell die beiden (von weltwärts anerkannten) Entsendeorganisationen (EOs) ausfindig gemacht, die nach Armenien entsenden.
Beim EED, dem Evangelischen Entwicklungsdienst scheiterte die Bewerbung an der Frist, doch die ijgd (internationale jugendgemeinchaftsdienste e.V.) waren da flexibler: Als ich meine Bewerbung entsandte, kam gleich danach die Antwort, die "Personalerin"/"educational consultant"/"Bildungsreferentin im Bereich Internationale Langzeitfreiwilligendienste"/ Ansprechperson für die Freiwilligen wolle demnächst mit mir sprechen. Da wurde mir dann mitgeteilt, die 3 für Armenien vorgesehenen Stellen seien zwar schon belegt, ich passe aber so gut ins Profil, dass sie eine 4. Stelle eröffne und dafür ein weiteres Projekt raussuche.
Mein Projekt ist nun also nicht das "Rehabilitation Center for Children", sondern das "Hopeshine"[1]-Projekt an der Schule für sehbehinderte und blinde Kinder "Number 14"..
Soviel vorerst. Die ganzen Details über den Ablauf u.A. der Bewerbung hätten mich anfangs interessiert, deshalb hier jetzt der Fokus darauf.
[1] Die hier verlinkte Darstellung gilt der nur 9 Monate dauernden EVS-Version des Projektes. Ich werde mit weltwärts in das selbe Projekt gehen, aber eben für 12 Monate.
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WM-Fieber in Hanoi

King in Hanoi - Do, 06/24/2010 - 12:17

Wow, bald 2 Monate ist mein letzter Blogeintrag schon alt.
Schande über mich, doch beim Reisen fehlte einfach die Zeit und der PC.
Einen Reisebericht wird es nur von mir persönlich in Deutschland geben, nun ist es ja wirklich nicht mehr lang.

Mittlerweile bin ich wieder zurück in Hanoi und verbringe hier die Zeit bis zum Rückflug damit Freunde zu treffen und natürlich die WM zu schauen.
Leider ist das Spektakel hier gar keines und ich bin gerade neidisch auf alle die in Deutschland sind.
In Hanoi geht zur WM nämlich nicht wirklich was, nicht mal die deutsche Botschaft oder das Goethe-Institut organisieren etwas wie Public Viewing.

Und da die Regierung hier Menschenansammlungen von Grund auf sehr kritisch gegenübersteht, verteilen sich alle über die Bars des Touriviertels in Hanoi.
Wir versuchen natürlich trotzdem so gut wie möglich die deutsche Fußballkultur zu präsentieren und zu verbreiten!

Am Abschluss des Beitrages findet ihr ein paar Bilder aus Hanoi von unserem Gruppenspiel gegen Australien.
Eine Reflexion meiner Zeit hier in Hanoi und allgemeine Gedanken zum Freiwilligendienst weltwaerts wird es dann, nach Ankommen und etwas Abstand, einige Wochen nach meiner Rückkehr geben.

P1000833 P1000832 P1000831 reichlich Biervorrat P1000844 P1000857 P1000858 P1000853 Da ist das Ding!
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Arranged Marriage

Weltwaerts-Kolkata - Do, 06/24/2010 - 09:03

Heiraten ist eine wichtige und ziemlich große, aufwändige Angelegenheit in Indien. Die Familie der Braut ist aus Tradition und Geselligkeit quasi verpflichtet Gott und die Welt zu einer riesigen Feier einzuladen. Meist stehen die entferntesten Verwandten genauso auf der Gästeliste wie die komplette Nachbarschaft. Es ist schon lange nichts besonderes mehr für mich, wenn mitten in der Nacht eine Kapelle unter meinem Fenster vorbeizieht und lautes Feuerwerk kracht. In einem anderen Artikel, „Love Marriage“, habe ich die Gaudi schon mal beschrieben.

Jetzt habe ich im Gespräch mit einem indischen Freund eine neue Perspektive auf die so kritisch beäugte „arranged marriage“ und das Heiraten allgemein gewonnen. Er wohnt mit seinen Eltern und seiner Schwester in einem einzigen kleinen Raum und ging dank unserem Projekt immerhin 9 Jahre in die Schule. Als einziger Sohn lastet riesige Verantwortung auf ihm in der Familie nach dem rechten zu sehen. Seine Schwester wird nun Heiraten. Im Prinzip eine gute Sache, schließlich ist eine wichtige Aufgabe, dass alle Mädchen einer Familie einen Ehemann bekommen.

Dass die Schwester aber eine Liebesheirat anstrebt macht ihn nicht glücklich. Die Nachbarn meinen, dass das doch okay sei – Liebesheirat sei eben gerade in Mode. Heirat ist hier aber nicht nur ein Weg zum Glück. Die Tochter (oder Schwester) zieht nach der Hochzeit zu ihrem Ehemann und (normalerweise) dessen Familie. Ganz kalt ökonomisch ausgedrückt heißt das: „Die Hochzeit war eine große Investition, aber das wird sich auszahlen. Das Mädchen ist jetzt untergebracht und muss nicht mehr versorgt werden.“ Nicht das es irgendjemand so gefühlslos ausdrücken würde. Aber in einer Situation wo es immer wieder, ganz wörtlich, ums überleben geht ist diese Sichtweise nicht zu unterschätzen. Wenn’s nicht klappt ein paar mal den Ehemann wechseln ist jedenfalls bei diesem Aufwand weder finanziell drin, noch wird es von der Gesellschaft akzeptiert. Ich habe vorsichtig darauf hingewiesen, dass eine arrangierte Ehe genauso in die Brüche gehen kann wie eine Liebesheirat (über die Wahrscheinlichkeiten kann man sich sicher streiten). Allerdings – eine „arranged marriage“ mag keiner glücklichen Beziehung dienen, aber mit der Auswahl einer zuverlässigen Familie und dem Druck von Gesellschaft und Verwandschaft dient sie vielleicht einer (zumindest nach außen hin) „stabileren“ Ehe.

Ich bin trotz all diesem Verständnis bei weitem nicht von der arrangierten Ehe überzeugt. Aber diese Praxis ist tief in Tradition und Kultur hier verankert – und das hat vermutlich durchaus praktische Gründe. Ändern wird es sich wahrscheinlich – ich höre im Moment von ziemlich vielen „love marriages“ – aber auf jeden Fall langsam. Dass der Ehepartner eine Wahl der Eltern ist, findet Imran, ein 11 jähriger Hosteljunge, zumindest völlig selbstverständlich. Vielleicht wird er später mal eine Freundin haben, meint er, aber seine Heirat, die wird arrangiert.


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Kinder, überall sind Kinder

Mein weltwärts Blog - Mi, 06/23/2010 - 11:47

Fern von aller Technik wird die Natur wieder zur inneren Uhr. Genauso wie ich in Manara bereits am ersten Tag um halb neun im Bett lag, konnte ich spätestens um 6 Uhr morgens nicht länger schlafen und machte mich auf die Beine. Es wäre ohnehin nicht möglich gewesen, denn draußen lärmten Kinder und tollten umher, so dass an Schlaf nicht weiter zu denken war. Meine Kollegin war schon längst wach und hatte bereits ihre Morgengebete gesprochen, die Teil ihres Lebens als Ordensschwester sind. Jetzt galt es zu frühstücken. Die erste Herausforderung stellte dabei das Trinkwasser da, wir hatten etwas in Flaschen abgefüllt mitgenommen, doch das ging bereits zur Neige. Um die Lage etwas zu koordinieren bat Sister Marivic ein paar Kinder, die Dorfälteste zu holen. Sie kam auch bald und schon konnten wir einige nützliche Informationen einholen. Wasser gab es entweder in einer kleinen Lehmrinne, die sich nachts mit Tauwasser füllte, aber selbst von den Stammesmitgliedern nur als Brauchwasserreservoir genutzt wurde. Die andere Möglichkeit war eine kleine Quelle unterhalb des Dorfes. Es hieß sie sei nah, was aber immer noch eine Höhendifferenz von gut 100 Metern bedeutete. Fortan hieß es dann jeden Morgen mit einem Kanister den glitschigen Pfad hinuterzusteigen und Wasser zu holen. Um zur Quelle zu gelangen musste man erst einen kleinen Bach überqueren. Beim Rückweg war das jedes Mal ein Balanceakt, der auch zweimal scheiterte, so dass ich samt meiner 15 Liter Wasser hineinfiel. Ich fand die ganze Prozedur des Wasserholens unheimlich anstrengend und bedauerte die Menschen im Dorf, denn für sie war es Tag ein, Tag aus dieselbe, sogar vielfache Anstrengung für je nach Familie 6-8 Personen. Mit dem gewonnen Wasser wurde nun also sowohl gekocht als auch geduscht. Bevor wir es Trinkwasser verwendeten, kochten wir es ab.

k-atabay
Die Quelle unseres Trinkwassers

Nach dem Frühstück wollte ich mich zunächst einmal im Dorf umschauen. Es bestand aus den Hütten der Leute, einem großen Platz mit Basketballkörben, der koreanischen Missionskirche und zwei weiteren Gebäuden, die ich nicht identifizieren konnte. Während ich so umher schlenderte wurde ich von allen Seiten von den auf einen Schlag ruhig gewordenen Kindern angestarrt. Drehte ich mich zu einem um, lief es sofort weg. Sprach ich eines auf Cebuano an, lachte es nur verschämt und suchte dann ebenfalls das Weite.Irgendwann setzte ich mich vor das Day-Care Center und wartete einfach nur ab. Zuerst geschah nichts, dann aber sammelten sich langsam die Kinder hinter mir, setzten sich und starrten mir alle in den Rücken. Ich drehte mich um – sie blickten weg. Dann begann ich ein Lied zu singen. Ich versuchte es mit „Let it be“ von den Beatles. Sie blickten her, hörten gebannt zu und nach der zweiten Strophe stimmten sie erst verhalten, dann aber immer kräftiger mit in den Kanon ein. Es war eine abstruse Situation: Mitten in den Bergen Negros, fünf Stunden entfernt von der nächsten größeren Stadt, in einem Dorf in dem vielleicht noch nie ein Wort Englisch gesprochen wurde, erklangen 30 fröhliche Kinderstimmen, die forderten, es einfach geschehen zu lassen und alles nicht so ernst zu nehmen. Kurzum: die Welt mit Kinderaugen zu betrachten – wenn sie nur gewusst hätten, was sie da sangen! Irgendwie löste das die Spannung und die Kinder bombardierten mich mit Fragen: „Sir, ano panghalan mo?“, „Sir, ano obra mo?“, Sir, Sir, Sir?! Warum nannten sie mich so? Ich verstand damals wirklich nichts bis auf die Anrede. Alles was ich sagte, oder besser, wie ein Mantra wiederholte, war: „Dili koy Sir! Dili koy Sir!“ - „Ich bin kein Sir! Ich bin kein Sir!“ Irgendwie kamen wir dann allmählich zu dem Kompromiss, dass ich, da ich so viel älter als sie war, zumindest einen „Tiyo“, also Onkel für sie darstellte. Es dauerte noch ein bisschen, bis sich die Anrede durchsetzte, oft wurde ich weiterhin als Sir angerufen, gegen Ende aber bürgerte sich der Onkel ein. Wann auch immer ich durch das Dorf zog, rief man mir nach: „Warte, Onkel Stephan!“, „Wo gehst du hin, Onkel Stephan?“, „Lass uns etwas spielen, Onkel Stephan!“. Man darf jetzt nicht annehmen, dass das hieß, dass ich viel verstanden hätte. Lediglich die Grundbegriffe wie „kommen“, „gehen“, „heißen“, etc. sind in Cebuano und Ilonggo die selben, so dass immerhin eine Unterhaltung über die elementarsten Themen möglich ist. Alles weitere wurde aber bereits zu einer Art babylonischem Sprach-Irrgarten für mich. Da war ein Wort dasselbe wie in Cebuano, dann wieder irgend etwas anderes, dann entliehene und veränderte Begriffe aus dem Spanischen, schlicht die totale Verwirrung. Alles in allem beschränkte ich mich meist auf den non-verbalen Umgang mit den Kindern.
k-erstes bild
Ein erstes Bild mit den wie verwandelten Kindern

Ein kleiner Junge, vielleicht 4 Jahre alt, kraxelte leichtfüßig und einen 15 Meter hohen Baum und winkte mich ebenfalls hoch. Ich versuchte es, musste jedoch an der Hälfte aufgeben, da mir das Geäst doch arg instabil vorkam. Dafür hingen am ganzen Baum Früchte, die so aussahen wie grüne Bohnen. Ich pflückte ein paar und warf sie spaßeshalber in die Menge der unten verbliebenen Kinder. Das verstanden sie als Zeichen zum Angriff und eine wilde Bohnenschlacht begann. Am Ende hieß es alle gegen einen und der Beschuss mit überaus harten Hülsen auf mich wollte gar nicht mehr aufhören. Die Kinder schrien vor Freude bei jedem Treffer und völlig erschöpft musste ich mich geschlagen geben. Verzweifelt rief ich „Nadaog na mo, nadoag na mo!“ - „Ihr habt gewonnen!“. Einzig, die Kinder konnten oder wollten das nicht verstehen und warfen munter weiter. Erst als ich wie wild mit den Händen winkte ließen sie ab und ich konnte von meinem Baum hinunter.

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Christian, der Junge vom Baum

Sister Marivic war währenddessen einer etwas sinnvolleren Beschäftigung nachgegangen und hatte für 12 Uhr Mittags ein Meeting mit dem Oberhaupt des Dorfes ausgemacht. Ich fühlte mich um die Zeit bereits stark ermüdet, wollte aber dennoch dabei sein und zuhören. Das Gespräch fand natürlich auf Ilonggo statt und ich verstand dementsprechend kein Wort, gerade da es ja auch um tiefer gehende Themen zu gehen schien. Das Zuhören dieses nicht verstehbaren Gesprächs ermüdete mich noch mehr und als es beendet war, bat ich Sister Marivic mich zu entschuldigen, denn ich fühlte, dass ich etwas Schlaf bräuchte. Sie interviewte währenddessen andere Dorfbewohner, und stellte fragen über Familie, Einkommen, Ernährungs -und Gesundheitssituation. Zu meiner Müdigkeit trug glaube ich mit bei, dass alles so schrecklich abgeschieden war und man tatsächlich nicht wirklich kommunizieren konnte. Jedenfalls schlief ich an diesem Mittag erst einmal zwei Stunden lang. Als ich aufwachte waren die Kinder im Day Care Center und trommelten laut auf alten Blechdosen herum. Ursprünglich hatte ich viele Pläne gehabt. Einer davon war, einige Schulhefte und Buntstifte mitzunehmen, um mit den Kindern ein wenig zu malen und so etwas über ihre Wahrnehmung des Dorflebens herauszufinden. Ich gab also einigen Kindern ein paar Hefte und brachte es fertig ihnen mein Anliegen vorzutragen. „Malt bitte euer Haus“. Kein Kind wollte, ein jedes gab den Stift an seinen Nachbarn weiter und letztlich hatte ich ihn wieder in der Hand. Dann also ich zuerst. Ich malte unser Haus in Deutschland, probierte den Garten und die Bäume darzustellen und scheiterte wirklich in allen Belangen, so dass ich es am liebsten zerknüllt hätte. Trotz allem gefiel es den Kindern und ein Mädchen kam hervor und wollte sich auch probieren. Sie malte ein Viereck, eine Tür, zwei Fenster und gab dem ganzen dann noch ein Dach. Zu meiner großen Verwunderung begann sie Dachziegel zu malen, rote Dachziegel; wo doch hier eigentlich alles aus Stroh und Pandan-Gras bestand. Leider konnte ich ja nicht fragen weshalb, aber ich schätzte dass es einer Vorlage aus dem Unterricht im Day Care Center nachempfunden war. Und tatsächlich: da hingen Bilder von Menschen, Tieren, aber auch Gebäuden. Für alles gab es scheinbar eine Art, es richtig zu malen und später sah ich, dass sich die Bilder der Kinder in den Heften meist mit denen an der Wand deckten. Lustigerweise waren alle Bildunterschriften an der Wand auf Englisch, so wie wohl in jedem anderen Zentrum landesweit. Anscheinend machte die Regierung da keine Unterschiede, egal ob der Ort jetzt Manila oder Manara hieß.

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Kinder beim Malen

Ich bat einen Jungen, seinen Vater und seine Arbeit zu malen. Der kleine hatte Talent, er zeichnete einen detailgetreuen Menschen, der mit einer Harke das Gras unter sich bearbeitete. Darunter schrieb er „mag-uuma“ - „Farmer“. Wie ich später erfuhr war das die Arbeit aller Väter und eigentlich auch der Mütter. Eigentlich eine naive Frage, denn was sollte es auch sonst sein hier in den Bergen. Vielleicht Computertechniker oder LKW-Fahrer? Handwerksarbeiten verrichtete jede Familie selbst, dass hieß also auch, dass jeder Mann wissen musste, wie man ein Haus baut.

Die Kinder wollten raus und hatten außerdem meine Kamera entdeckt. Nur ein Bild genügte und sie waren in Feuereifer entbrannt. „Schieß noch ein Bild, Onkel“, „Noch eins“. Ich wollte etwas hinaus und die Kinder folgten mir. Da ich die Gegend noch nicht erkundet hatte, schlug ich den Weg in Richtung Berge ein, hinter mir eine lärmende Horde. Ich kam nicht weit, denn die Kinder versteckten sich hinter jedem Stein, sprangen hervor und schrien „Mach ein Bild von mir, los“. Sie nahmen die verschiedensten Posen ein und konnte nicht genug bekommen vom Blitzlichtgewitter. Sie hoben zwei Stöckchen vom Boden auf, machten ein Kreuz daraus und flochten einen kleinen Blumenkranz. Der Kreuzträger stellte sich vor mich und ich wurde gefragt ob ich dass nicht auch kenne. Es war unfassbar, ich befand mich in einer Prozession mit kleinen Kindern.

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Die Prozession...

 Scheinbar musste es so etwas öfter im Dorf gegeben haben. Die Krönung kam aber, als wir unser Ziel erreichten: einen Haufen Büffelkot in den das Kreuz gestoßen und dann mit den Blumen dekoriert wurde. Urkomisch, was für eine herrliche Bildersprache das darstellte.

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...und ihr Ziel

Der Tag ging zu Ende und ich wollte ein Spiel mit den Kindern spielen. Ich versammelte alle auf dem Basketballplatz um es ihnen zu erklären. Man kreide es mir nun nicht an, wenn ich irgendwelche Klischees damit bediene, nichts davon hat einen rassistischen Hintergrund. Das Spiel nannte ich: „Wer hat Angst vor´m weißen Mann“: Der bekannte Klassiker wurde einfach abgewandelt und ich war der Fänger. Es war wieder eine Tortur bis ich die paar Worte gefunden hatte, die ich zur Erklärung benötigte. Bis zum Ende lief das Spiel nie optimal, also regelkonform ab, oft rannten alle einfach nur planlos umher, beziehungsweise vor mir weg. Fänger und Gefangene mischten sich ganz nach Belieben, aber alle hatten trotzdem ihren Spaß. So ging der Tag zu Ende, ich verstand mich mit den Menschen, ohne sie wirklich zu verstehen.

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Kleiner Ausflug Richtung Berge

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Die Sache mit der Entwicklung

Weltwaerts-Kolkata - So, 06/20/2010 - 05:28

„Entwicklung“, ein schöner Begriff. Zu schön, reklamieren manche und kritisieren, dass einige der sogenannten „Entwicklungsländer“ sich nicht besonders entwickeln. Andere fragen sich was denn das Ziel dieser Entwicklung ist. Dass es problematisch ist, wenn alle Welt dem westlichen Vorbild nacheifert, das sich als nicht Nachhaltig erweist, ist sicher richtig.

Neue Ideen müssten also her, wohin die Entwicklung gehen soll damit Umwelt und alle Menschen besser Leben können. Das Denken in der Entwicklungspolitik hat sich während der letzten Jahrzehnte gewandelt – aus der Entwicklungshilfe (von den großzügigen Reichen, die ja wissen wie es geht) ist die Entwicklungszusammenarbeit geworden. Soll heißen, die Probleme und Möglichkeiten der Entwicklungsländer stehen im Vordergrund und gemeinsam wird nach einer geeigneten Lösung gesucht. Ob diese „Entwicklungszusammenarbeit“ soweit geht, dass wir uns womöglich eingestehen selbst noch etwas lernen zu können?

Auf meiner letzten Reise, auf dem Weg durch einige kleine Dörfer und ein Tribal-(Naturvölker)-Museum bin ich aber noch weiter ins Grübeln geraten. Es wäre unglaublich schade, wenn diese faszinierenden Kulturen und Lebensweisen völlig verschwinden würden. Was für eine Welt wäre es, wenn überall, rund um den Erdball alle auf die gleiche Art und Weise ihr dasein fristen würden? Und auf der anderen Seite, wer bin ich, dass ich irgendeinem Menschen gewissen Komfort missgönnen sollte, den ich wie selbstverständlich genieße – sei es ein Fernseher oder ein Traktor.

So mancher Konzern weiß es natürlich auszunutzen mit den in unserer modernen Geschäftswelt etwas naiven Kunden einseitige Geschäfte zu machen. Nicht jeder Bauer muss mit seinem einfachen Leben aber unglücklich sein. Zumindest wenn er die Chance bekommt, nicht täglich ums überleben kämpfen zu müssen. Laut dem „Happy Planet Index“ leben die glücklichsten Menschen der Erde in Costa Rica, der Dominikanischen Republik oder Jamaica – über die Seriosität dieser Glücksmessung mag man sich streiten, aber Lebensqualität ist vielleicht doch nicht ausschließlich am Bruttosozialprodukt abzulesen.


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Dinge anpacken

Weltwaerts-Kolkata - Fr, 06/18/2010 - 07:03

Ich bin zurück aus dem Urlaub. Dieser Blog-Eintrag hat trotzdem ein wenig länger als nötig auf sich warten lassen. Manchmal ist es eben nicht so einfach sich zu überwinden und solche Sachen anzupacken.

Seit Montag sind unsere Center wieder geöffnet und nach und nach kehrt der Arbeits-Alltag zurück … inklusive 19 Hostelboys – dieses Wiedersehen hat mich ganz besonders gefreut. Meine Stimmung ist trotzdem ein bisschen gemischt, immer wieder schweifen meine Gedanken auch mal nach Deutschland und ich freue mich bald mit dem Studium anzufangen. Trotzdem … der Abschied hier wird hart werden. Meine Überlegungen pendeln zwischen „Wie könnte ich mich denn noch beschäftigen“ und „Hilfe, es ist nur noch so wenig Zeit – schnell, schnell“. Genau fünf Wochen sind es heute noch, es ist also Zeit über den eigenen Schatten zu springen und die (letzten) Dinge anzupacken.

Ob unsere Politiker das auch so sehen? Ob sie mehr als beschwichtigende Worte geben wollen und die Dinge anpacken? Vielleicht hilft es, wenn wir sie nochmal extra dazu auffordern: Unterschreib die Petition an die G20 Klimawandeln und Armut in Angriff zu nehmen!


Kategorien: Asien

Auf dem Weg ins Unbekannte

Mein weltwärts Blog - Di, 06/15/2010 - 10:30

Irgendetwas unter mir stank erbärmlich, ich konnte die Quelle aber nicht ausmachen, da jeder Quadratzentimeter um mich herum von anderen Mitreisenden und deren Habe eingenommen wurde. Die Reise auf einem Zuckerrohrlastwagen mutete mich am Anfang noch abenteurlich an, sollte sich aber bald als Höllenfahrt heraus stellen Für besseren Halt hatte ich mich an die Seite der Ladefläche gestellt - ein Fehler, denn es kamen immer mehr Menschen dazu, die sich schließlich alle gegen mich lehnten um selbst Halt zu finden. Das Ganze war in Ordnung, solange man nicht fuhr. Sobald es aber losging, hörten die Stöße und unfreiwilligen Rempeleien nicht mehr auf. Es ging nicht über Straßen, auch nicht über Wege sondern eigentlich nur mitten durch Felder. Wanderpfad wäre keine schlechte Umschreibung des Untergrunds gewesen und dementsprechend muss man sich auch den Fahrkomfort vorstellen. Leider konnte ich mich nicht umblicken, aber schätzungsweise mussten sich hier 100 Menschen auf kleinstem Raum zusammen gedrängt haben. Wir fuhren - 20 Minuten, eine halbe Stunde, mit viel Kraft klammerte ich mich immer wieder an die Seite, wenn ich wiederholt drohte, durch die Rücke zu Boden geschleudert zu werden. All das war sehr ermüdend und nun fing es eben auch an zu stinken. Die Frauen um mich herum sahen anscheinend meine gerümpfte Nase und lachten herzlich, während wir weiter im Schneckentempo durch die Felder pflügten. Munter riefen sie mir Wörter zu, aber alles, was ich verstehen konnte war immer wieder: "Isda, isda, isda, magbulat nga isda". Fisch, in Salz eingelegter Fisch. Das Kühleis schmelze gerade, hieß es, der Fisch sei aber weiterhin genießbar, ich solle also nicht besorgt sein. Wie schön es sich ins Bild fügte, dass die Fischtüte auf die zeitgleich gedeutet wurde, direkt neben meinem Rucksack stand und - nach genauerer Inspektion - mit ihrem herrlichen Fischwasser schon den Boden samt meiner Tasche benetzte. Ich war zu erschöpft um mich weiter aufzuregen, schloss die Augen und lehnte mich selbst gegen den nächsten Körper. Als ich sie wieder öffnete, tat mir der ganze Rumpf weh, aber scheinbar waren wir angekommen.

                          

DSC00039Der vor uns liegende Pfad nach dem Ausstieg

Es muss wohl am westlichen Grundinteresse des Exotischen liegen, dass ich mich auf diese Reise gemacht hatte. Meine Arbeitskollegin Sister Marivic hatte mich im Janauar gefragt, ob ich sie nicht auf ihr Apostolat begleiten wolle. Ihre Aufgabe sei, sich um das Wohl der indigenen Reste in der Diözese zu kümmern. Natürlich roch ich zunächst einmal Missionierung und Kircheneifer. Als sie mir jedoch das Konzept schilderte, schienen die Absichten und Vorgehensweisen ganz vernünftig zu sein. Im Groben ging es nicht um Mission, sondern um die Verbesserung der Lebenssituation der Ureinwohner, aber auch eine Untersuchung welche kulturellen Riten und Traditionen noch bestehen und wie sie erhalten werden können. Eine kleine Ethnologiestudie also, das klang gut und ich wollte es mir nicht entgehen lassen. Die Planungen liefen an. Am Rand der Diözese gab es ein kleines Bergdorf namens Dian-ay, in dessen Nähe sich ein Stamm der Ata angesiedelt hatte. Der Ort hieß Manara und wir wollten dorthin und sehen was wir tun konnten. Wir planten einen Aufenthalt für eine Woche, um zunächst eine "Volkszählung" und Interviews über die Situation im Dorf zu durchzuführen. Letztendlich sollte es bis Mitte Februar dauern, bis wir endlich los konnten.

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 Detailgetreue GPS-Karte von Manara, vor einiger Jahren erstellt von einer NGO

 

Schwer bepackt, inklusive Laptop, Kamera und weiteren technischen Errungenschaften fuhren wir nach Dian-ay, wo wir bei einem befreundeten Pater übernachteten. Am nächsten Tag machte ich kurz vor der Abfahrt meine erste Begegnung mit den Ata. Wir nahmen unser Mittagessen in einer kleinen Absteige im Dorf ein, einen Tisch weiter saß eine Gruppe Stammesangehöriger. In ihrem äußeren Erscheinungsbild unterschieden sie sich deutlich von den "anderen" Philippinos: Die Hautfarbe war viel dunkler und ihre Haare waren nicht glatt, sondern gekräuselt. Es mag merkwürdig erscheinen, aber auf den Philippinen herrscht ein ziemlich latenter Rassismus gegen alles "Schwarze". Als wir in dem kleinem Lokal aßen, saßen die Mitglieder der Ata absolut separiert und wurden nur hin und wieder von einem dubiosen beleibten Philippino vollgeschwatzt, der sie dann davon überzeugte, zwanzig Wahlplakate mit in ihr Dorf zu nehmen. Ansonsten lachten die andern Besucher der Gaststätte oft laut auf und zeigten mit Fingern auf die Ata. Als wir fertig gegessen hatten, begaben wir uns auf den LKW und die Fahrt ging los. Laut Beschreibung war die Siedlung nur 20 Kilometer weg, die grandiose Wegbeschaffenheit machte es allerdings zu einer 2,5 stündigen Angelegenheit mit besagten Eskapaden.

Je weiter man auf den Philippinen in ländliche Gegenden gelangt, desto intensiver sticht man als Weißer hervor. Das berüchtigte "Hey Joe", ein Überbleibsel der amerikanischen Besatzungszeit, hört man dabei eigentlich nie. Die Menschen sind vielmehr fassungslos über die riesenhafte Größe eines selbst, die Farbe von Haut und Haaren, und - was besonders oft bestaunt wird- die Länge der Nase. Nachdem sich die anfängliche Schüchternheit gelegt hat, indem man die Leute durch ein paar Brocken Cebuano ermuntert, wird diese auch gern angefasst. Besonders von Schwangeren, denn die hoffen durch die Berührung, dem kommendem Kleinen ein ebenso langes Riechorgan bescheren zu können. All das passierte während wir auf dem LKW unterwegs Richtung unseres Zieles waren. Das Ankunftsdörfchen mit Namen Huebesan lag noch eine gute halbe Stunde Fußmarsch von der Siedlung der Ata entfernt. Die selben Stammesangehörigen die auch in dem Lokal waren, nahmen sich nach kurzem Gespräch freundlich unserer an und stellten sich als Führer bereit. Da wir sagten, dass wir den Stamm kennen lernen wollten und sehen, woran es ihnen mangelte, waren sie gerne bereit  uns mit in ihr Dorf nehmen.Sie sprachen fließend Ilonggo, die andere große Sprache der Insel Negros. Sollte das überall in der Siedlung so sein, würde ich Probleme bekommen, denn zwischen Ilonggo und Cebuano bestehen bereits so große Unterschiede, dass man als reiner Cebuano-Sprecher einen Ilonggo nicht verstehen kann. Wir wanderten über einige Hügel, überquerten einen kleinen Bach in den ich aufgrund meines unguten Schwerpunkts (15 Kilo Rucksack) fast hineingefallen wäre und hatten schließlich eine grandiose Sicht auf zwei Berge des sogenannten Silay Massivs. Genau davor lag "unser" Dorf: Sitio Manara.

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Blick auf Manara und dahinter liegende Berge

 

Das Erste was ich von Manara sah, war ein weißes Betongebäude mit grünem Dach. Je weiter wir uns näherten, desto weniger passte dieses Bauwerk ins Bild, denn das ganze Dorf bestand aus Holzhütten mit Strohdächern. Ich fragte Sister Marivic, was das zu bedeuten hätte, sie wendete sich an einen Ata, der ihr dann erklärte, dass es sich dabei um eine Kirche koreanischer Missionare handle. Die Missionare waren längst über alle Berge, die Kirche wurde für alle möglichen Zwecke, zumeist als Spielplatz der Kinder genutzt. Später erfuhr ich auch, dass jeden Sonntag ein Gottesdienst abgehalten wird. Ich fragte mich, was wohl aus Stammesreligion und derartigem geworden sein mochte. Eine recht naive Frage, denn die unmittelbare Nachbarschaft zu zwei "philippinischen" Dörfern, und die immer noch recht gute Erreichbarkeit, sollten eigentlich schon Grund genug sein, dass es längst missionarische Aktivitäten gegeben haben musste. Dem romantischem westlichen Streben "unberührte Kulturen" kennen zu lernen, wurde damit jedenfalls schon sehr früh ein herber Dämpfer verpasst.

                                        

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Holzhütten in Manara

 

Wir wurden im zweiten nicht dorf-eigenem Gebäude einquartiert, einer Tagesstätte für Kinder die noch nicht zur Schule gehen. Solche "Day-Care-Center" sind eine der wenigen sinnvollen Einrichtungen der Regierung, die damit im ganzen Land die Infrastruktur für Bildung an der Basis bereit stellt. Die Betreuerin des Zentrums wurde von der Regierung entlohnt und sollte dafür Vorschultunterricht geben und eine medzinische Grundversorgung sicher stellen. Soweit die Theorie. Tatsächlich konnte Analyn schon seit Monaten nicht mehr unterrichten, da sie an einer sehr schmerzhaften Hautkrankheit litt und außerdem eine schwere Erkältung hatte, die irgendwie nicht besser werden wollte. Sie musste zu Hause bleiben und war außer Gefecht gesetzt. Als wir sie zum ersten Mal trafen, war das einzige, was wir ihr empfehlen konnten, Bananenblätter auf die befallenen Hautpartien zu legen um so zumindest den Schmerz ein wenig zu lindern. Wir gaben ihr Salben und Kräuter aus dem Labor des Social Action Centers, damit konnte sie ihren Hautausschlag erfolgreich bekämpfen. Außerdem empfahl ihr Sr. Marivic nach Cadiz zu gehen und sich dort untersuchen zu lassen, schließlich stehe ihr dies als Regierungsangestellter zu. Später erfuhren wir, dass sie an Tuberkulose erkrankt war. Der Arzt gab ihr dagegen Medikamente, wer weiß aber, was passiert wäre, wenn sie dort nicht hingegangen wäre.

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     Dorfmitte, Blick vom Day Care Center

Wir waren erst spät angekommen und schon bald dämmerte es. Wie in tropischen Ländern üblich, ist es spätestens um halb 7 stockfinster. Mir war das aber noch nie so bewusst gewesen, jetzt allerdings lagen die Dinge etwas anders. Das Dorf war abgeschieden und ohne Stromanschluss. Draußen konnte man nicht einmal die eigene Hand vor Augen sehen.  Großzügigerweise händigte man uns eine der zwei Gaslampen im Dorf aus, mit deren Hilfe wir dann unser Abendessen einnehmen konnten. Unser Mahl war einfach, da wir nur begrenzt Vorräte mitnehmen konnten. Wir waren gespannt, was uns die nächsten Tage erwarten würde                         

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 Sister Marivic und ich beim Abendessen am ersten Tag

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Semangat

Bahsa Indonesia - Mo, 05/31/2010 - 12:42

Semangat

Das ist indonesisch und heißt so viel wie „Kopf hoch“ oder „Weitermachen“. Letzten Sonntag gab es ein Treffen an dem die Freiwilligen sowie zwei Frischlinge teilgenommen haben. Nach einem Blick in die Runde sagte mir Miriam, die auch Freiwillige in Salatiga ist, dass wir im Vergleich mit den Neuen doch wirklich fertig aussehen würden; irgendwie ausgelaugt. Also gilt dieser indonesische Aufruf nicht nur für mich, sondern für alle Weltwaertsler, die, jeder für sich und auf unterschiedliche Weise, in letzter Zeit mit Problemen zu kämpfen hatten. Nachdem der abwechslungsreiche Urlaub in Vietnam nun hinter mir liegt, versuche ich die letzten Monate unbeschadet zu überstehen und ein paar meiner Ideen zu realisieren.

Im Aufbruch

Kauman sollte kurz vor dem Urlaub noch einmal in Bewegung kommen. Während ich versuchte mit gutem Essen, Fitness Club und Capueira verlorene Pfunde wieder aufzunehmen, steckte ich wieder mehr Zeit in das Waisenhaus. Auch möglich, weil ich in der Schule dank Tests öfters zu Hause bleiben konnte. In Kauman haben wir uns neben den Englisch-Stunden Miriams Laptop zum Filmegucken ausgeliehen, Karten gespielt, Pfannekuchen gemacht oder große Putzaktionen gestartet, um das Waisenhaus auf Vordermann zu bringen. Währenddessen kam der Englischunterricht in Soka nur selten zu Stande, aber dort hatte ich auch andere Prioritäten. Nach erfolgreichen Mülltrennungsversuchen sollte nun ein anderes System das große Abfallloch und grobe Verbrennen im Garten ersetzen. Vor Vietnam traf ich mich deswegen noch einmal mit allen wichtigen Muhammadiyah Führern in Salatiga. Es wurde vereinbart, dass die Organisation für den Bau des Verbrennungsofens aufkommt und dass das Geld, das die Organisation für unsere Unterkunft bekommt, dafür genommen wird (da wir in Salatiga zusammen mit Indonesiern im Waisenhaus wohnen, entstehen für Muhammadiyah so gut wie keine Kosten). Bis zur meiner Rückkehr nach Indonesien sollte also ein Verbrennungsofen in Soka stehen.

Zuvor nahm ich Mitte April noch an einem Seminar von IIWC teil, um im Sommer als Campleader ein 2-wöchiges environmental Workcamp in Mangkang zu leiten. Allerdings wurde mir etwas später mitgeteilt, dass meine Teilnehmer in ein anderes Workcamp geflüchtet waren, Mangkang wird deswegen nicht stattfinden. Stattdessen kommen nächstes Wochenende alle Freiwilligen zusammen, um dort mit den Einheimischen Müll zu sammeln und aufzuräumen. Dieses gemeinsame Arbeiten nennt man „kerja bakti“, was praktisch bedeutet, dass das Dorf an einem freien Morgen gemeinsam sauber macht. Auch geplant ist, dass wir einige große Schilder mit Comics aufstellen, um Themen wie Umweltverschmutzung und Mülltrennung etwas anschaulicher darzustellen. Und auch wenn ich kein eigenes Workcamp leite, bleibt immer noch die Möglichkeit an Einem teilzunehmen.

Die Reise beginnt…

So gemütlich Salatiga doch ist, konnte ich es kaum erwarten mit neuem Trekking Rucksack meine große Reise anzutreten. Letztere führte mich, meine Reisebegleitung Astrid und einen großen Teil von IIWC zunächst nach Yogjakarta, wo wir uns Projekte von BORDA angucken wollten. Die Idee kam von meinen Patenonkel Stefan, der bei BORDA Bremen arbeitet. Vor Ort trafen wir uns mit anderen Weltwaertslern, die teils oder schon ganz mit dem Studium fertig waren und bei der Organisation für knapp ein Jahr arbeiteten. Sie stellten uns BORDA vor und zeigten uns ein dörfliches Mülltrennungs-Projekt, wo auf einfachem Wege guter Kompost hergestellt wird, der später verkauft werden kann. Den Abend verbrachten Astrid und ich bei den Weltwaertslern. In einem indischen Restaurant feierte ich in kleiner Runde meinen Geburtstag und übernachtete danach im Freiwilligenhaus (mit Pool, Brot, Nutella und Käse…!).
Bald darauf flogen wir nach Kuala Lumpur, wo wir Miriam trafen, die für eine Woche mit uns nach Vietnam fliegen wollte. Leider wurde ich in dieser Zeit von einer heimtückischen Mücke gestochen, die ein paar Dengue-Fieber Viren in sich hatte. Zwei Tage nach unserer Ankunft in Hanoi bekam ich Fieber und Magendarmprobleme und lag für knapp 2 Wochen im Bett. Auch war auch die Diagnose der internationalen Klinik falsch, wodurch ich innerhalb von drei Wochen zum zweiten Mal Antibiotika einnehmen musste, das bei einer Virenkrankheit bekanntlich nicht von großem Nutzen ist. Zudem hatten wir auch keine positiven Begegnungen mit Vietnamesen. Wir wurden durchgehend verarscht, an falschen Plätzen ausgesetzt, unfreundlich behandelt und konnten nicht verstehen, warum viele ehemals schöne Stellen in Vietnam zugebaut waren mit hässlichen Hotels aus Beton. Das alles machte die eigentlich kostengünstige Backpacker-Reise dort wirklich nicht zu einer schönen Angelegenheit. Von Hanoi aus führte unsere Route über Halong Bay bis in die südliche Stadt Ho Chi Minh und zusammen mit gesundheitlicher Besserung wurden auch die Menschen wieder freundlicher. Ich hatte das Gefühl, dass der ehemals „westliche“ Süden auch jetzt noch eine andere Mentalität und Einstellung zum Westen hat als der Norden. Endlich war ich wieder so fit, um im Hochgebirge nahe Ho Chi Minh mit Astrid und Führer eine Motorrad Tour zu machen, im Meer vor Mui An Windsurfen zu gehen und in vielen Restaurants den vorzüglichen Fisch in Claypot, frische Frühlingsrollen und die anderen leckeren Meeresgerichte zu essen. Gegen Ende hatten wir das Gefühl, dass der Süden in unserer Reise zu kurz gekommen war, aber trotzdem freuten wir uns einen Keks wieder Richtung Indonesien zu fliegen.

Zu Hause angekommen

Anders als bei meiner zweiten Einreise aus Malaysia, hatte ich dieses Mal das Gefühl nach Hause zu kommen. Die freundlichen Menschen und neugierigen Blicke, der Geruch, das langsame Vorwärtskommen bei Schaltern und Kassen, die bekannte Sprache, das von außen scheinbar chaotische Durcheinander… Indonesien hatte uns wieder!

Nach einem gemütliche Übergangswochenende in Semarang fuhr ich mit Miriam zurück nach Salatiga, wo mich ein Zimmer erwartete, in dem der Schimmel sich nicht nur in sämtliche Klamotten breitgemacht hatte, sondern auch auf Taschenmessern, in Kulturtaschen, Bürsten, Pässen, Ordnern, Schränken; das ganze Zimmer war ein Sporenparadies. Nach zwei Tagen im Putzeifer, 2 ausgetauschten Schränken, 2 Litern Spiritus, und einem riesigen Berg Zeugs, das niemandem gehörte, bin ich dem Schimmel einigermaßen Herr geworden und schlafe jetzt mit durchgehend geöffneten Fenstern und der Spritus-Sprühflasche in der Hand.
Als ich zum ersten Mal nach dem Urlaub wieder nach Soka kam, wurde ich überrascht von einem kleinen Geburtstagskuchen und einem gemauerten Ofen, der im abgemachten Zeitplan fertig wurde (keine Häufigkeit in der indonesischen Arbeitswelt!). Gleich fürs Wochenende setzten Miriam und ich ein kurzes Workcamp an, um den Verbrennungsofen anzumalen und eine Kompostanlage nach BORDA Vorbild zu bauen. Wir besorgten Farbe, Werkzeug, und eine Menge Krams, der glücklicherweise auch von Muhammadiyah übernommen wird. Leider schaffte es niemand für die Zeit nach Soka zu kommen. Glücklicherweise wurden wir nach anfänglicher Frustration in den zwei Tagen doch noch unterstützt und hatten nach zwei Tagen dank der Hilfe von den Jungs, Camille und einem Freund am Ende eine Menge erreicht. Nach weiteren fünf Tagen, die ich entweder mit Miriam, den Jungs (die seit 3 Monaten zwei Mal wöchentlich „Probefasten“ und dann nicht mehr so motiviert sind) oder alleine in Soka verbrachte, standen dort ein schön angemalter Ofen mit neuem Eisengitter und Dach, sowie zwei Kompostanlagen mit dem „BORDA-Lüftungssystem“; mein ganzer Stolz!

Da ich während der letzten zwei Wochen meine anderen Aufgaben vernachlässigt habe, versuche ich jetzt wieder mit regelmäßigen Englisch-Stunden, Sport und Spielen in den Alltag zurück zu finden. Außerdem muss ich mir noch ein Fahrrad zu meinem neuen Helm aus Vietnam suchen, weil mein zweirädriges Verkehrsmittel kurz vor dem Urlaub geklaut wurde.
An den Wochenenden ist neben dem Workcamp Wochenende in Mangkang auch ein Ausflug nach Pekalongan geplant, um mit den anderen Freiwilligen in die WM zu starten und Bandung, DEM Shoppingparadies Javas, einen Besuch abzustatten. Das wars mal wieder von der anderen Seite der Welt. Ich hoffe es geht euch allen gut, auf bald!

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Sommerpause

Weltwaerts-Kolkata - Fr, 05/21/2010 - 16:11

Hallo Ihr,

es geht rapide auf meinen Abschied von Indien zu, aber zunächst mal gibt es Sommerferien für mich. Bis zum 14. Juni ist unser Projekt über 3 Wochen „geschlossen“. Zeit, die ich auch mit etwas reisen füllen werde – neue Blogeinträge müssen so leider noch ein bisschen auf sich warten lassen.


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Neues aus Semarang

Annchen in Semarang/Indonesia - Fr, 05/14/2010 - 20:20
Über die Semesterferien hat es mich wieder nach Indonesien verschlagen und das Waisenhaus habe ich natüelich auch besucht. Dort hat sich seitdem ich dort war einiges getan. So ist das neue Gebäude jetzt blau gestrichen, der Boden vor dem Haus wurde neu gemacht und Internet gibt es auch. Ausserdem ist die jetzige Freiwillige gerade dabei eine kleine Müllverbrennungsanlage zu bauen, mit der auch Wasser erhitz werden soll.
Die Bilder seht ihr hier:


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Randsteinreisen - Wie aus Zwergen Riesen werden

Mein weltwärts Blog - Mi, 05/12/2010 - 10:55

Um mit der "Themenreihe" abzuschließen noch eine kleine Refexion über Sextouristen. Leider konnte ich mir am Ende wieder nicht den Rundumschlag gegen Westen und Kapitalismus verkneifen, hoffe aber dass mir dieses letzte Mal noch verziehen wird. Unsere Gesellschaft hat ja auf der anderen Seite auch eine Vielzahl von Eigenschaften, auf die sie stolz sein kann (vielleicht  als eine der besten, die eigene Kritikfähigkeit).

 

Was wäre eine Südostasientour ohne auf krasse Art und Weise dem Phänomen des Sextourismus begegnet zu sein? Wer verstehen will was hier abläuft darf nicht gleich sofort Opfer und Täterrollen verteilen. Ganz sicher: Hier werden junge Asiatinnen ausgebeutet und versklavt. Aber wie pervers das ganze ist, sieht man eigentlich erst, wenn die Opfer sich wie Täter verhalten:

Wenn es etwas gibt das jeder Mann sofort erkennt, dann ist das das Interesse einer Frau an seiner Person. Da wäre der berühmte Spruch „Ein kleines Lächeln wirkt oft Wunder“ und wahrlich: Wunder werden gewirkt. Gehen wir einmal ganz wissenschaftlich heran: Ein ansprechend gekleidetes und wohl aussehendes Frauenzimmer entgegnet dem penetranten Glotzen eines weißlichen Barbesuchers nicht wie etwa erwartet -nichts (vielleicht ein abweisendes Wegschauen oder Dergleichen). Vielmehr zeigt sie: Ihre freundliche Seite, ein wages Interesse, Akzeptanz und Toleranz, Gefallen, Offenheit – schlicht – ein Lächeln. Was passiert nun im Zentrum eines Mannes? (Nein, noch befindet sich jenes über der Gürtellinie). Er fühlt sich gut! Der erste Schritt also ist wie in jedem Geschäft, beim potentiellen Kunden eine Wohlfühlatmosphäre zu schaffen. Denn ohne diese, und das weiß jeder der schon einmal missmutig in einer Bar saß, wird jemand niemals aktiv und interessiert.

Viel wurde unter uns Freiwilligen auf die „alten, fetten, Sextouristen“ geschimpft und das zurecht. Manchmal aber entsteht der Eindruck als wären diese Männer Schürzenjäger, Gigollos, Aufreißer, Nimmersatts oder Flavio Briattore. Nein! Es sind die Schwachen, Enttäuschten, Unzufriedenen, Unsicheren, Unerfahrenen oder Introvertierten die hier durch die Kneipen Südostasiens touren. Ein Großteil derer würde es in einer Bar von sich aus niemals wagen, eine wildfremde attraktive Frau anzusprechen. Aus diesem Grund nun muss die Frau so tun, als würde man sich längst schon kennen. Es wird gewunken und gelächelt, gestikuliert und gekichert. Dem Kunden muss die Angst genommen werden, seine Schwachheit bestätigt zu bekommen. Diesen (und bei Vielen jeden) Abend darf er eine neue Jugend erleben. Hübsch anzusehen sind diese Damen des Vergnügens und wieder macht es stutzig das gerade das Schöne sich zum Hässlichen versklaven lassen muss. Es wird gestreichelt und geschmeichelt: das Bäuchlein zeigt Männlichkeit und Stärke, die Hornbrille ist ganz abgefahren modisch. Abenteurer und Exoten werden an diesen Abenden geboren; Männer mit glorreichen Leben, königlichem Reichtum und mannigfachen Taten. Aus einfachen Postangestellten wird die Elite des fernen Abendlandes, die auf dem Höhepunkt ihrer Macht selbigem den Rücken kehrt: Der wohlverdiente Ruhestand – eine Girly-Bar in Kambodscha. Je später der Abend, desto mehr wagen auch die Männer. Seit langen, langen Jahren, trauen sie sich wieder aufs Tanzparkett. Und was in der Jugend noch mit derben Ohrfeigen gestraft wurde, wird nun mit seligem Lächeln geadelt: Je mehr er grapscht, tatscht und fingert, desto größer wird auch der Genuss den er auf den Lippen seiner Freierinnen ablesen kann.Wenn die Umstände nicht todtraurig wären, böten diese Frauen wohl eine der erfolgreichsten und unschlagbarsten Formen von Persönlichkeitscoaching an. Je länger ich von der "Empore" auf das emsige Treiben unter mir herabschaue desto mehr erkenne ich: eigentlich sind es die Männer, die hier abgeschleppt werden.

Trotz allem fühlt sich Peter Käßmeier an diesen Abend wie ein Pascha. So gut, dass er auch nicht den kleinen Unkostenbeitrag scheut, wenn er dann die Hallen seiner wunderbaren Wandlung in Richtung eines intimeren Plätzchens verlässt.
Und genau das macht alles noch viel trauriger: Hier kommen sexgeile Versager an und kehren als selbstzufriedene Möchtergern-Casanovas zurück. Und das schlimmste ist: wenn die Frauen ihnen nicht den Hof machen würden, würde keiner von ihnen jemals zum Fleischfresser werden... Frustrierte Notgeile würden kommen – und frustrierte Notgeile würden gehen. Krank ist nur dass es gar nicht anders geht, dass diese, unsere Welt, die Diktatur des Materiellen, an der ein jeder von uns Industriemenschen einen zehnmal größeren Anteil hat, Frauen dazu zwingt, Memmen zu Männern zu machen.

Aber was soll die Tochter des fünffachen Familienvaters tun, wenn es für seine Familie nicht mehr ausreicht, dass er 10 Stunden am Tag auf dem Reisfeld steht oder Fahrrad-Rickscha fährt? Was wenn selbst 31 Tage Arbeit im Monat, nur für die ersten 15 Tage des Nächsten Essen bringen? Was wenn die westlichen Wirtschaften das Land zum Agrarlieferanten für verwöhnte Europäer Mägen verdonnern, ganz einfach weil ansonsten Handelsbeziehungen eingestellt werden? Oder die Preise für Zucker, Mehl und Reis nicht in den Händen lokaler Marktverkäufer sondern zockender Börisaner liegen, die mehr Wert auf ihre Bilanz, als auf das Auskommen irgend eines Arbeiters legen? Die Sextouristen sind nur eine kranke Auswucherung der reichen Staaten dieser Welt, der Tumor liegt leider mitten darin.

 

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Randsteinreisen - Vor der Insel im See

Mein weltwärts Blog - Do, 05/06/2010 - 10:57

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Man darf, wie ich schon sagte nicht naiv sein und meinen, Prostitution liefe nur nach altem Muster ab. Was ist, wenn es nicht direkt um Geld geht, sondern auf eine längere Bindung und mögliche Heirat hingearbeitet wird? Genau das ist ironischerweise das Argument, dass die vielen Herunterspieler und Beschwichtiger als Entschuldigung für Heiratstourismus anführen. Gab es nicht in Europa noch bis ins 20ste Jahrhundert hinein die Liebesheirat eigentlich gar nicht? Ging es nicht immer auch um materielle Absicherung? Das beschwichtigt in der Tat das Gewissen und macht vieles tolerierbar. Aber sollten wir uns damit zufrieden geben? Ist nicht jeder Mensch im Freiheitsideal des Westens gleich? Wir sind alle Demokraten und doch ist unser eigenes Handeln dass eines Feudalherren. Uns selbst gestehen wir die Liebesheirat in vollen Zügen zu, doch blicken wir gen Osten ist es plötzlich der Nutzen der regiert. Die Umwelt formt das Individuum. Das ist wahr. Doch nicht die miserable Wirtschaftslage einer Familie zwingt zur Prostitution. Sie ist zwar Voraussetzung, aber die Tatsache schaffen wir selbst, durch Suchanzeigen im Internet, Heirats- und Sextourismus, Lustreisen. Würden wir ein wenig mehr an unsere eigenen Ideale, die eigene Geschichte glauben, dann würden wir vielleicht auch einfach einmal unsere Triebe im eigenen Land lassen. So aber setzen wir nur fort was seit Kolumbus niemals ein Ende gefunden hat. Das Reiche kolonialsiert und degradiert weiterhin die wirtschaftlich Unterlegenen. Vielleicht sind es nun nicht mal mehr Staaten. Umso schlimmer aber einzelne Menschen.

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Möglicherweise liegt es an meiner Vorliebe für Randsteine dass ich oft in Kontakt mit anbietungsfreudigen Mädchen komme. Eines Nachmittags ziehen drei Freunde und ich durch Phnom Penh und suchen den Weg zum "See". "See" steht auf unserer Touristenkarte und so erwarten wir ein lauschiges Badeplätzchen mit Palmen und Bootsverleih. Als wir am See ankommen zeigt sich, dass in dessen Mitte eine Müllinsel liegt. Teilweise ist sie schon von Gras überwuchert und Kinder springen von dort in das undurchsichtige Wasser. Über den Hochhäusern am Horizont geht gerade die Sonne unter und färbt den See rot. Wir haben uns auf einer hölzernen Plattform niedergelassen, die ins Wasser reicht und zu einem Café am Ufer gehört. In den Kissen kann man versinken. Als dann mein "Cambodian Dark Tea" serviert wird und dessen herbes Aroma in meine Nase steigt, fühle ich mich nur noch wunderbar. Vom Nachbarcafé ruft eine Stimme: "Stephan, come here, you can eat noodles with me" Ich blicke hinüber und schüttle lachend den Kopf.

 

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Eine Viertelstunde vorher sitze ich vor dem Café auf einem Randstein und ruhe mich gerade von der Seesuche aus. Meine Kollegen sind schon drinnen. Ein älterer Kambodschaner hockt neben mir und erzählt mir etwas über deutsche Waffen im zweiten Weltkrieg und wie Hitler gewinnen hätte können. Mir gegenüber essen ein paar Leute ungeschlüpfte Küken. Sie wollten mir nicht glauben, dass es dieselbe "Delikatesse" auch auf den Philippinen unter dem Namen Balut gibt. Von den Essern erhebt sich dieselbe Stimme, die mir später Nudeln anbieten wird: "You wanna try this chickens?". Sie klingt verschmitzt und gehört einem hübschem, jungem Mädchen, dass ein wallendes Sommerkleid trägt. Das Kleid ist schwarz-rot-rosa gestreift und liegt recht eng an ihrem Körper an. Sie fragt mich provokativ, warum ich sie die ganze Zeit anstarre. Ich sage, es verhält sich genau andersherum. Dann will sie meinen Namen wissen. Als ich nach Ihrem frage bekomme ich Kimnay zur Antwort. Anscheinend gefällt ihr meine Sonnenbrille, denn sie kommt hinüber und nimmt sie mir weg. Ich mache ihr ein paar Komplimente wegen der Brille, sie sagt zu mir ich sei ihr kleiner "Stern vom Himmel". Ich wende mich wieder dem Kriegsexperten zu. Mittlerweile hat Kimnay ihr Balut verspeist und unterhält sich mit den beiden andern Kambodschanern. Ein Tourist schwarzer Hautfarbe kommt zum Café und streicht ihr beim Hineingehen sanft über Kinn und Haare. Das Lokal wird von Touristen aller Couleur besucht, man sieht ständig Menschen ein und aus gehen. Das Mädchen blickt immer wieder zu mir hinüber, irgendwann habe ich genug, wende mich kurz vom alten Kambodschaner ab und blicke demonstrativ hinter mich um zu schauen, wen sie noch meinen könnte. Hinter mir ist die Wand. Als ich mich wieder umdrehe zeigt sie mir böse den Mittelfinger. Wortreich entschuldige ich mich, das konnte man nun tatsächlich nicht ahnen. Sie scheint besänftigt und ich frage sie, was ihr Traum ist.

"Meeting a rich man, who wants to marry me" -----  "You already found one?" - 
"No. You want to come with me?" ----- "Sorry, I can´t, my friends are waiting"-

 Die kambodschanischen Kollegen brechen in dreckiges Lachen aus, dann gehen sie zusammen mit Kimnay in das Café. Nachher sehe ich sie vom Holzsteg aus mit mehrern Touristen reden und essen. Einmal bückt sie sich in die Nähe der Beine eines Gastes. Sie hebt ein Paar Ess-Stäbchen auf.

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Was mir diese Geschichte sagt, ist, dass ein Ding viele Farben haben kann. Was heißt schon Prostitution? Vergangen sind die Zeiten in denen man alles in Schwarz und Weiß einteilen konnte. Meiner Meinung nach bedeutet es die Beraubung von Freiheit. Die Notwendigkeit etwas zu tun, möglicherweise etwas das nicht nur ein paar Stunden am Tag, sondern das ganze Leben betrifft und verändert. Wer sagt das ein Kimnay Luder oder ähnliches ist, liegt falsch. Sie selbst würden sich bestimmt nicht so sehen. Aber doch sind alle Gedanken auf ein Ziel gerichtet: Die Flucht aus einer Lage, einer wirtschaftlichen Misslage, für die sie sich selbst zu gewissen Teilen verkaufen oder verschenken. Was ist nun aber das Traurigste an allem: Die freien Menschen dieser Erde, diejenigen die wirtschaftlich unabhängig sind, die wählen können, sind es die Andere ihrer Freiheit berauben. Das ist nicht unbedingt nur ein Abgesang auf den Westen, in Wahrheit hat es nur prozentual gesehen viel damit zu tun. Einzig Reichtum und Armut sind die Faktoren die hier den Begriff der Freiheit bestimmen. Wie falsch auch zu denken, dass die Besucher nur vor vorhandene Tatsachen gestellt werden. Einer Aktion folgt die Reaktion. Die Dinge nähmen einen anderen Gang – wenn man nicht selbst anfinge zu handeln.

 

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Kategorien: Asien

Aus anderem Blickwinkel – Interview mit einem ehemaligen Freiwilligen

Weltwaerts-Kolkata - Mi, 05/05/2010 - 11:02

Ich bin nicht der Erste, der sich auf das Abenteuer bei HELGO North Point eingelassen hat. Und während der Tag meines Rückflugs stetig näher rückt kam vor einigen Wochen ein ganz besonderer Besucher zu uns nach Indien. Marko, vor zwei Jahren 12 Monate als Freiwilliger hier, ist bei vielen in guter Erinnerung geblieben und kam zum ersten Mal wieder nach Indien zu besuch.


Du warst vor knapp 2 Jahren – wie Simon und ich im Moment – ein Jahr als Freiwilliger in Indien bei HELGO North Point. Haben die Erfahrungen aus Indien eigentlich dein deutsches Leben veraendert?

Ich weiß nicht in wieweit die Erfahrungen mein Leben verändert haben, denn während meiner Zeit in Howrah habe ich häufig darüber nachgedacht was für neue Erfahrungen ich sammeln kann und an wie viele neue Paradigmen ich mich zu gewöhnen habe. Denn ich habe gelernt das Verhalten keinen grundsätzlichen Gegebenheiten folgt sondern sehr stark von der Umwelt und den sozialen Bedingungen geprägt wird. Wir nehmen an, dass es normal ist mit Messer und Gabel zu Essen und denken nicht darüber nach ob es auch anders geht, ob man auch anders Essen kann und ob das vielleicht besser sein könnte. Wir wachsen mit bestimmten Verhaltensweisen auf, die wir dann übernehmen und über die wir nicht weiter nachdenken. Manchmal habe ich mich in Indien wie ein kleines Kind gefühlt weil ich einfach viele der typisch, indischen Verhaltensweisen und Bräuche nicht kannte, was hat dazu geführt das ich oft nicht genau wusste welches Verhalten gerade angebracht ist.
Mir ist es zu umständlich alle Gewohnheiten und Bräuche aufzuzählen die ich neu kennen gelernt habe oder die ich nun aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachte – von daher hat mich Indien sehr stark verändert. Indien hat mich sogar so stark als Persönlichkeit verändert, dass ich sogar sagen würde mein Leben wäre anders verlaufen wäre ich nicht in Indien gewesen. Erschreckend war für mich nur wie enorm schnell ich mich wieder an das Leben in Deutschland gewöhnt habe, das hätte ich noch in Indien nicht für möglich gehalten.

Was ist für dich als erfahrenem Inder das Beste an Indien?

Was das Beste an Indien ist kann man nicht so genau sagen, denn es gibt eine ganze Menge Sachen die mich an Indien faszinieren. So ist da z.B. das indische Essen (man kann auch in Deutschland indisch essen, aber das ist was ganz anderes), die Menschen sind einfach was besonderes, sie sind wie Kinder, so offen und freundlich aber auch interessiert. Dafür kennen sie kaum Grenzen der Intimsphäre was manchmal sehr störend sein kann.

Besonders schön an Indien ist auch die Landschaft, das heißt vorausgesetzt man hält sich zufällig gerade nicht in einer Stadt auf^^ Man hat die schönsten Berggegenden im Himalaya, wunderbare Wüsten, weite Ebenen, wunderbare Strände und wunderschöne kleine Inselchen auf denen sich gut Urlaub machen lässt. Außerdem ist es super das alles so günstig ist, so kann man ich auch mal was leisten, man muss nur aufpassen das man den Ärmsten in Indien nicht noch mehr Lasten ausbürdet!

Und an Deutschland?

In Deutschland kann man Leben ohne sich Sorgen machen zu müssen.

Wie ist es, nach fast 2 Jahren wieder nach Howrah, zu HELGO zu kommen? Hat sich viel verändert?

Es ist unglaublich wieder nach Howrah zu kommen. Mir ist aufgefallen, dass die 1 1/2 Jahre die ich nicht hier war kaum den Unterschied machen – die kulturelle Entfernung lässt alles fremd und komisch erscheinen.
Meine Freunde in Howrah und gerade die kleinen Kinder aus dem Projekt haben mich mit der gleichen Freundlichkeit begrüßt und wie selbstverstädlich wieder aufgenommen – das hat mich schon berührt.
Seltsam war es trotzdem wieder in Indien zu sein, denn das Leben das ich in Howrah gelebt habe kam mir so fern und fremd vor als ich in Deutschland war. Als ich in Howrah war habe ich mich schnell eingelebt und war mir schon etwas unsicher ob ich danach genau so wie vorher in Deutschland weiterleben konnte. Sicherlich hat Indien mein Leben und vorallem meine Lebensauffassung verändert, aber ich habe mich doch problemlos wieder in das Leben und die Gesellschaft hier eingefunden.
Zurück in Indien zu sein war wunderbar, weil meine Freunde mich begrüßt haben als wäre ich nicht weg gewesen, aber es gab mir eine Menge zu denken, über das Leben hier in Deutschland und das Leben der Inder in Howrah.

Vielen Dank an Marko für die bereitwillige Beantwortung meiner Fragen!

Ich bin ja mal äußerst gespannt, was ich dann so in einem Jahr dazu sagen kann ;-)


Kategorien: Asien